Veranstaltungsberichte

Politische Inhalte und Soziale Medien

E-lection Bridge Akademie 2015

Menschen lassen sich am ehesten durch Emotionen und Werte zu mehr politischer Teilhabe motivieren. Die Herausforderung, überzeugende politische Botschaften dementsprechend zu formulieren und sie für die Sozialen Medien zu optimieren, stand im Mittelpunkt der diesjährigen E-lection Bridge Akademie in Windhoek, Namibia.

Das Medienprogramm Subsahara-Afrika hatte zwölf junge Parteifunktionäre aus dem Senegal, Ghana, Benin, Angola, Uganda, Malawi Tansania, Simbabwe und Namibia eingeladen, um Wahlkampferfahrungen aus ihren Heimatländern auszutauschen und mehr über den sicheren und effektiven Wahlkampf im Netz zu lernen. Das Programm kombinierte Fokusgruppen, Fallstudien und Gruppenarbeit unter der Leitung der amerikanisch-südafrikanischen Politikstrategin Heather Thuynsma. Im Workshop fiel außerdem der Startschuss zu einem politischen Planspiel im Phantasiestaat „Kasiland“, in dem die Teilnehmer Dynamiken zwischen politischem System und Wählerschaft simulieren und so ihr strategisches Vorgehen verfeinern sollen. Das Projekt ist Teil eines zwölfwöchigen E-learning Programms für professionelle Wahlkampfkampagnen in Subsahara-Afrika, das das Medienprogramm zu diesem Zweck entwickelt hat. Abschließender Höhepunkt der Tagungswoche war der Besuch des Bundestagspräsidenten und stellvertretenden Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung Prof. Norbert Lammert, der bei einer Gruppendiskussion und der anschließende Zeugnisvergabe anwesend war.

Seine Rede eröffnete Prof. Lammert mit der Beobachtung, dass der „Erfolg“ einer Demokratie oft an der Durchsetzung des Mehrheitswillens gemessen wird. Ein besserer Indikator für eine funktionierende Demokratie sei aber eher der Respekt für die Rechte von Minderheiten. Das Konzept der Demokratie ergibt sich aus bestimmten Grundwerten, die auch Kursleiterin Heather Thuynsma in einer der Schulungen thematisierte. Eine wichtige Voraussetzung für überzeugende und langfristig funktionierende Kommunikationsstrategien seien ein klar definierter Wertekatalog und ein bindender Verhaltenskodex. Die Teilnehmer sollten daher die Grundwerte ihrer entsprechenden Parteien definieren und diese unter Thuynsmas Anleitung zu klaren politischen Botschaften verpacken.

Wie aber fällt man online auf, wie hebt man sich ab? Die Gruppe war sich einig, dass Informationskampagnen der Schlüssel zu mehr Bürgerbeteiligung und Engagement sind. Bestimmte politische Themen wie Korruption werden unter immer wiederkehrenden Schlagworten diskutiert, die aber für die Bevölkerung oft wenig greifbar sind. Um das Interesse und Bewusstsein der Bürger für gesellschaftsrelevante Themen zurückzugewinnen, müssen sie umformuliert und in neue Kontexte gerückt werden. Das übten die Teilnehmer während der Gruppenarbeit, wo in Musterkampagnen alltägliche Probleme in einer neuen, verständlicheren Sprache präsentiert werden sollten. Hierfür eignen sich soziale Medien besonders gut, wenn sie geschickt eingesetzt werden. Durch sie gewinnen politische Kampagnen an Dynamik und Wahlkampfkommunikation wird zum Dialog zwischen Politikern und Wählern. Digital kommunizierte Botschaften können eine unheimlich große Reichweite erzielen und den Spielraum erweitern, in dem Politiker ihr Image formen und ihre menschliche Seite präsentieren können. Dies erlaubt eine persönlichere und emotionalere Annäherung an die Wähler. In Subsahara-Afrika bergen Onlinestrategien auch das Potenzial, traditionelles Wahlverhalten nach Stammeszugehörigkeit besonders bei jungen Wählern abzuschwächen und stattdessen faktengeleitetes, programmatisches Wählerverhalten zu fördern.

Neben Barack Obama, dem großen Vorbild beim Thema Wahlkampf in den Sozialen Medien, gibt es auch in Subsahara-Afrika bereits erfolgreiche Online-Auftritte von Politikern. So stellten die Teilnehmer in Fallstudien u.a. die Internetpräsenz des Präsidenten von Ruanda, Paul Kagame und die Twitteraktivitäten des Bürgermeisters von Dakar, Khalifa Sall, vor. Trotzdem gibt es für afrikanische Parteien noch viel zu tun im Puncto Social Media Wahlkampf. Angesichts des enorm wachsenden Smartphone- und Telekommunikationsmarktes in Afrika und der im Vergleich zu anderen Kontinenten anteilig sehr verbreiteten Nutzung von mobilem Internet, kann die Expertise digitaler Wahlkampfstrategien den zukünftigen Erfolg von Parteien wesentlich beeinflussen. Denn Wahlkampf bedeutet mehr denn je erfolgreiches Netzwerken im Social Web - oder wie die Teilnehmerin Fanta Diallo aus dem Senegal es formuliert: Facebook posts sind die neuen Kampagnenpins, Webseiten sind die neuen Wahlplakate und ein Tweet der neue Händedruck.

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Christoph Plate

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Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

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