Veranstaltungsberichte

Twittern und Web-TV: digitale Wahlhelfer in der Republik Südafrika

von Markus Brauckmann

Workshop in Durban mit dem "Multi Party"-Ansatz

Ob Onlinewerbung auf Facebook, die Verteilung des Parteiprogramms auf Memory-Sticks oder interaktive Kommunikation via Twitter: Quer durch Südafrikas Parteienlandschaft experimentieren die Wahlkampfstrategen derzeit mit den neuen digitalen Instrumenten der Politischen Kommunikation.

Um dem stark wachsenden Bedarf nach zusätzlichem Fachwissen, innovativen Ansätzen und aktuellen Erfahrungen im Web 2.0 nachzukommen, gestalteten das KAS-Länderprogramm Südafrika und das Regionale Medienprogramm Subsahara-Afrika der Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam einen sorgfältig aufeinander abgestimmten Workshop in Durban/KwaZulu Natal. Vertraut wurde in diesen zwei Tagen dabei auf den im Länderprogramm bewährten „Multi-Party“-Ansatz.

Vor ausgewählten Vertretern der südafrikanischen Parteien ANC, IFP, COPE, ACDP und UDM referierte zunächst Markus Brauckmann, der im Bundestagswahlkampf 2009 den YouTube-Kanal „CDU.TV“ geleitet hatte, am ersten Tag zum Thema „Web-TV in Wahlkämpfen“. Er sprach von einer „Revolution, denn eine Partei kann nun mit überschaubaren Mitteln ihren eigenen TV-Kanal im Web, zum Beispiel auf Youtube, betreiben“. Die Chancen, die sich daraus ergeben, faszinierten die Teilnehmer sichtlich. So kann die Kommunikation in Form des kraftvoll-emotionalen Bewegtbilds direkt von der Partei (als Sender) zum Mitglied/Wähler (als Adressaten) fließen – ohne die klassische Rolle der Medien als Multiplikator bzw. Mittelsmann.

Neben der Strategie und Philosphie von CDU.TV stellte Brauckmann in etlichen Videos die praktische Umsetzbarkeit der Ideen dar. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Einbindung von Freiwilligen und einfachen Parteimitgliedern. In einer ausführlichen Diskussion brachten die Teilnehmer dann ihre Einschätzungen und Reflektionen ein. Gemeinsame Einschätzung über die Parteigrenzen hinweg: Diesem Instrument gehört die Zukunft. Es bietet als „Add-On“ zum bereits existierenden Instrumentarium frische, unverbrauchte Möglichkeiten. Wenig überraschend: Einige Parteien kündigten umgehend ihre feste Absicht an, in sehr naher Zukunft erste Gehversuche auf dem Feld des Online-Videos unternehmen zu wollen.

Am zweiten Tag stand die Politische Kommunikation in den Sozialen Netzwerken im Mittelpunkt. Facebook und Twitter spielen auch in der Republik Südafrika eine größere Rolle – insbesondere mit Blick auf die nächsten nationalen Wahlen im Jahr 2014. Denn: In den verbleibenden drei Jahren werden die ohnehin schon rapide ansteigende Nutzerzahlen nach Ansicht von Fachleuten weiter „explodieren“. Somit kann ein noch größerer Kreis von politischen Interessenten erreicht werden.

Markus Brauckmann führte mit einem Impulsreferat in die Thematik ein und benannte einige der tektonischen Veränderungen in der Politischen Kommunikation: Die Information fließe nun ungehindert zum Bürger; die politischen Parteien können selbst Nachrichten produzieren (man denke nur an Angela Merkels wöchentliche Videobotschaft und die persönlichen Stellungnahmen von Politikern auf ihren Facebook-Seiten); die Technologie und der Transfer sind umsonst (siehe: Facebook, Twitter); und schließlich können neue (junge) Zielgruppen angesprochen werden. Daraus ergeben sich für Südafrikas Politische Kommunikatoren – vor dem Hintergrund der jeweiligen Parteiinhalte – konkrete Ideen, deren Chancen, Risiken und mögliche Realisierung kontrovers diskutiert wurden.

Für diesen zweiten Tag hatten die Veranstalter zudem mit Dave Duarte einen weiteren ausgewiesenen Experten eingeladen. Der Kapstädter gilt als einer der führenden Köpfe in der Region, wenn es um Soziale Medien geht. In seinem Vortrag beleuchtete er Facebook, Twitter & Co. im Detail. Anhand von theoretischen Grundlagen und praktischen Beispielen zeigte er die die Chancen und Risiken der neuen Möglichkeiten auf. Einige Schlüsselerkentnisse: Wenn man sich für diesen Weg der sozialen Interakation entscheide, dann erfordert dies a) einen ganzheitlichen Ansatz, b) den Mut, sich auch kritischen Äußerungen zu stellen, c) eine wachsames Auge auf eigene und gegnerische Online-Aktivitäten sowie d) einen kontinuierlichen Ansatz, der aktuell und verlässlich ist.

In der abschließenden Session wurden exakte Vorgehensweisen für die politischen Parteien identifiziert und auf den Weg gebracht. Dass der Workshop bei der Zielgruppe auf fruchtbaren Boden fiel, zeigte dann umgehend ein Fallbeispiel der IFP: Innerhalb weniger Tage hatte die Partei eine Präsenz auf Twitter etabliert – unter dem im Workshop angedachten Titel „VoteIFP“ (www.twitter.com/voteifp). Die erfolgreiche Veranstaltung fand in enger Zusammenarbeit mit dem in Durban beheimateten KAS-Partner DDP statt.

KAS Südafrika und KAS Medien Afrika werden diese Veranstaltung nun als Ausgangspunkt für eine kontinuierliche Fortsetzung der digitalen Thematik betrachten – und zusammen mit den Zielgruppen die weiteren Bedürfnisse definieren sowie in konkreten Maßnahmen umsetzen. Zunächst einmal sollen die Erkenntnisse aus den südafrikanischen Kommunalwahlen im Mai 2011 abgewartet werden – damit sie in diesen Prozess einfließen können.

Kontakt

Christoph Plate

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Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

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Aufnahme aus Durban vom digitalen Workshop KAS