Veranstaltungsberichte

Von Radio bis Web-TV: Die Herausforderungen von morgen

von Markus Brauckmann

Aktuelle Veranstaltungsreihe - die Wits Journalism Seminar Mini-Series

Web TV ist einer der zukunftsträchtigen Instrumente im Werkzeugkasten der Medien und politischen Kommunikation. Die journalistische Fakultät der Witwatersrand University in Johannesburg hatte deshalb den Leiter des regionalen Medienprogramms Subsahara-Afrika, Markus Brauckmann, als Dozenten eingeladen. Brauckmann, der 2009 im Bundestagswahlkampf das Web TV der CDU geleitet hatte, sprach im Rahmen der angesehenen „Wits Journalism Seminar Mini-Series“ vor angehenden Journalisten, Studenten und Professoren.

Die weiteren Vorträge dieser von KAS Medien Afrika unterstützten Reihe kamen von Prof. Franz Kruger (Direktor der Wits Radio Academy) und Leslie Cowlings (Wits University). Die Serie korrespondiert hervorragend mit dem zentralen Ziel des Medienprogramms, die gesellschaftspolitische Informations- und Wächterfunktion zu stärken.

Fernsehen war über Jahrzehnte elitär, kompliziert und teuer. Nur wenige Auserwählte bestimmten, was die Öffentlichkeit zu sehen bekam. Weiter brauchte man hochqualifizierte Experten (z.B. Toningenieure), um überhaupt senden zu können. Schließlich kostete der Betrieb eines Fernsehsenders viel Geld. Diese Ausgangssituation hat sich in den vergangenen Jahren fundamental verändert. Kameras und Schnittausrüstung sind erschwinglich geworden und leicht zu bedienen. Online-Dienste wie Youtube tragen das hergestellte Material in alle Welt – für den Nutzer in der Regel umsonst. „Ich bin mit dem Begriff Revolution vorsichtig, weil er so inflationär benutzt wird, aber das ist wirklich eine Revolution“, sagte Brauckmann, „jeder kann seinen eigenen kleinen Sender gründen und betreiben.“

Der ehemalige TV-Journalist erläuterte dann die Philosophie und Strategie beim Betrieb von CDU TV, dem Web-TV von Deutschlands größter Volkspartei. „Wir wollten etwas bieten, das es im medialen Angebot zumindest so nicht gab. Das bedeutete eine Besinnung auf Basisnähe und Interaktivität genauso wie die richtige Mischung aus Kreativität und Seriösität.“ Brauckmann unterlegte das theoretische Grundgerüst mit einer Vielzahl von praktischen Beispielen in Form von Videos. Er führt aus, dass Web TV im afrikanischen Kontext die Möglichkeit eröffnet, dass die demokratischen Kräfte am Meinungsbildungsprozeß teilnehmen können. Dies gelinge besonders effizient mit dem „Web 2.0-Dreieck“ aus Youtube, Facebook und Twitter, die immer wieder aufeinander verweisen. Aber auch jenseits der digitalen Kommunikation können bewegte Bilder eine wichtige Rolle in Afrika spielen, z.B. auf Wahlkampfveranstaltungen, Parteitagen, in Überlandbussen oder auf DVD gebrannt in örtlichen Parteibüros, so Brauckmann.

Eine Woche zuvor hatte Prof. Franz Kruger die Veranstaltungsreihe mit einem Vortrag zu Afrikas Kommunikationsmittel Nummer Eins eröffnet – dem Radio. „Nachrichtenjournalismus in Südafrikas Community Radiostationen“ hatte er seine Präsentation überschrieben. Kruger kritisierte, dass die lokalen Stationen oft ihrem Charakter nicht gerecht werden und sich zu eng an der nationalen Nachrichtenlage orientieren. Auch werden die Nachrichten oft „einfach nur vorgelesen“. Die zentralen Gründe für diesen Zustand laut Kruger: infrastrukturelle Mängel, zu wenig und nicht ausreichend qualifiziertes Personal, nicht genug Freiwillige und ein fehlendes nachhaltiges Geschäftsmodell. Leider blieben so viele Chancen ungenutzt, so der Experte. Das Potential ist durchaus vorhanden: Es gibt eine wöchentliche Zuhörerschaft von geschätzten 7,3 Millionen Menschen.

Den Abschluß der Vortragsreihe in Johannesburg gestaltete Leslie Cowlings – zum ebenso aktuellen wie brisanten Thema „Die Ethik von journalistischen Kommentatoren“. Die erfahrene Wits-Dozentin erläuterte, dass die südafrikanischen Journalisten im Bereich der „Editorials“ von ihren britischen Kollegen ein großes Maß an Freiheit„geerbt“ hätten. Dies führe nun geradewegs in das Herz des Problems. Denn: In den Meinungsartikeln fehle es nun bisweilen an Präzision, Fairness und „insbesondere Recherche“. Cowlings wandte sich gegen unverantwortliche Meinungsmache und Hetze. Sie wolle zwar keine Regulation in diesem Bereich. Aber man benötige Grenzen, vielleicht sogar Richtlinien. Die Diskussion um Ethik in Kommentaren müsse endlich ernsthaft beginnen.

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Christoph Plate

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Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

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