Workshop

„Investigativer Wirtschaftsjournalismus“

Know-How Seminar für Journalisten

Die Konrad Adenauer Stiftung Belgrad startete in diesem Jahr gemeinsam mit der Wochenzeitschrift „Vreme“ ein Seminar des Investigativen Wirtschaftsjournalismus.

Details

Das Ziel dieses Know-How Seminars „Investigativer Wirtschaftsjournalismus“, das in diesem Jahr von 16. bis 18. Dezember in Nis stattfand, sollte Wirtschaftsjournalisten Tipps und Tricks aus der Praxis, aber auch einige allgemeine theoretische Inhalte anbieten, um ihre Findigkeit für investigativen Wirtschaftsjournalismus zu schärfen, sowie sie für ihre journalistische Arbeit weiter zu professionalisieren. Referenten und Trainer waren hochqualifizierte Journalisten aus Serbien und Deutschland. Zu diesem Bildungsprojekt gehören noch drei thematisch bezogene Fachbücher (investigativer und kritischer Wirtschaftsjournalismus), die Dank der freundlichen Zusage des „Netzwerk Recherche“ ins Serbische übersetzt und an die Teilnehmer des Seminars verteilt wurden.

In der journalistischen Aus- und Weiterbildung an den traditionellen Bildungseinrichtungen, leider auch an vielen privaten Journalismusschulen, fehlt der Praxisbezug. Andererseitsbefinden sich serbische Medien im ständigen Abhängigkeitsverhältnis von der Politik und der Wirtschaft. Redaktionspolitik und journalistische Arbeit müssen daher von diesen Einflüssen befreit werden. Vor diesen Hintergründen haben die Konrad Adenauer Stiftung Belgrad (KAS) und die Wochenzeitschrift „Vreme“ das Konzept eines Know-How Seminars entwickelt, das Journalisten in Sachen investigativen Wirtschaftsjournalismus unterstützen soll. Das Vorhaben dabei ist, den teilnehmenden Journalisten das journalistische Rüstzeug zu vermitteln und ihren Umgang mit wirtschaftlich-politischen Themen zu professionalisieren.

Das Know-How Seminar „Investigativer Wirtschaftsjournalismus“ fand in den Räumen des Medienzentrums Nis statt. Teilnehmer waren Redakteure und Journalisten der Wirtschaftsrubrik aus den elektronischen Medien aus Südserbien – Nis, Vranje, Leskovac, Presevo, Kragujevac und Novi Pazar. Das Seminar bestand aus thematischen und interaktiven Vorträgen mit anschließenden Diskussionen. Die Teilnehmer wurden dabei aufgefordert, investigativ zu arbeiten, indem renomierte Journalisten ihre Erfahrungen vermittelten, wie Themen und Quellen zu finden sind, sowie wie man mit diesen Themen kritisch umgeht.

Bekannte Redakteure und Wirtschaftsjournalisten aus serbischen Medien waren als Referenten eingesetzt: Herr Djordje Padejski – Leiter des Zentrums für Investigativen Journalismus des Unabhängigen Journalistenverband es Serbiens, Herr Stevan Ristic – Direktor der Wochenzeitschrift „Vreme“, Herr Aleksandar Ciric – Assistent des Chefredakteurs der Wochenzeitschrift „Vreme“, Herr Dragoljub Zarkovic – Chefredakteur der Wochenzeitschrift „Vreme“, Prof. Dimitrije Boarov – renomierter Wirtschaftsjournalist und Professor für Fernsehjournalismus, Herr Mijat Lakicevic – Redakteur der Wirtschaftsredaktion des politischen Magazins „NIN“. Als exklusiver Gast des Seminars war Herr David Crawford als Referent eingesetzt, der als investigativer Journalist bei „Wall Street Journal“ arbeitet. Herr David Crawford verschaffte den Teilnehmern einen Einblick in die „Geheimnisse“ seiner erfolgreichen investigativen journalistischen Arbeit, wie man Quellen findet und öffnet.

Am Seminar wurden folgende Themen angesprochen:

Wie gelange ich an Informationen? Wie findet man Quellen und wie geht man mit ihnen um? Wie bereitet man eine Geschichte auf?

Recherche von Firmen in einheimischen und internationalen Handelsregistern

Journalismus im PR-Umfeld

Fallstudie

Wirtschaftsthemen in Medien

Energiewirtschaft - Fallstudie

Wirtschaftsjournalismus – Versuchungen und Herausforderungen.

Nach jedem Impulsreferat wurden lebhafte Diskussionen geführt. Besonders hervorzuheben ist, wie Teilnehmer den Vortrag von Herrn David Crawford empfanden. Seine Erfahrungen sowie Schilderung der Umstände, in welchen ein „westlicher“ Journalist seine Recherchen vorantreiben kann, klangen für hiesige Journalisten märchenhaft. Andererseits deuteten die Vorträge einheimischer Referenten klar darauf hin, dass es in Serbien auch möglich ist, Quellen zu finden und zu öffnen. Mit dieser anspruchsvollen Arbeit setzten sich aber serbische Journalisten kaum auseinander.

Die Teilnehmer des Seminars bewerteten es als sehr gut durchorganisiert. Laut ihren Auswertungen fühlten sie sich geehrt, von hochkompetenten und erfahrenen Journalisten aus Deutschland und Serbien unterrichtet zu werden. Einige Teilnehmer äußerten aber ihre Bedenken, ob und wie sie diese praktischen Ratschläge in ihre tägliche journalistische Arbeit einbringen könnten.

Entsprechend der Stellungnahmen der Teilnehmer, die auch zu diesem Zeitpunkt – fast zehn Jahre nach dem demokratischen Wandel in Serbien – noch immer in der Tat festzusellen sind, dass sich die Politik und Wirtschaft institutionell von Medien noch nicht im erwünschten Maße getrennt hätten, ist zu empfehlen, derartige Know-How Seminare des investigativen Wirtschaftsjournalismus als ein stetiges Angebot an künftige professionelle Journalisten weiterzuführen. Dies wäre eine zielgerechte Maßnahme der Konrad Adenauer Stiftung in Serbien, damit Medien in Richtung ihrer gesellschaftlichen Rolle einschlagen.

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Veranstaltungsort

Nis

Kontakt

Aleksandra Popović

Aleksandra Popović bild

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