Fachkonferenz

Neunte Serbien-Tagung

„Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen (Ps. 85, 10/11) - Kirche, Staat und die Herrschaft des Rechts“

Details

Seit 1999 findet das zwischenkirchliche Projekt „Serbien-Tagung“ eines dreiseitigen Austauschs zwischen der Orthodoxen, römisch-katholischen und Evangelischen Kirche statt. Seit 2003 findet die Veranstaltung wechselseitig in Serbien und Deutschland statt und wird von der Konrad-Adenauer-Stiftung regelmäßig unterstüzt.

„Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen (Ps. 85, 10/11) Kirche, Staat und die Herrschaft des Rechts“ war der Titel der neunten Serbien–Tagung, die in diesem Jahr in Serbien stattfand. Die Organisatoren der Veranstaltung waren die Serbische Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa, die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) der römisch-katholischen Kirche und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Zusammenarbeit mit der Serbischen Orthodoxen Diözese Bačka (Nordserbien), der römisch-katholischen Erzdiözese Belgrad und der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Diese Konferenz ist die neunte in der Reihe der Serbien-Tagungen, die vor genau zehn Jahren ins Leben gerufen wurden.

Auf der Konferenz diskutierten auch dieses mal Vertreter der Kirchen, der Wissenschaft, der Politik und des öffentlichen Lebens über Themen aus dem Beziehungsgeflecht von Kirche, Staat und Gesellschaft in Serbien, Deutschland und der EU. Die gemeinsame Aussage war: Die christlichen Gemeinden in Serbien sollten versuchen, noch intensiver miteinander zu kooperieren und zu gesellschaftlich wichtigen Fragen gemeinsame Positionen ausarbeiten. Dieses könne nur in einem ehrlichen und offenen Dialog erreicht werden. Während der Tagung wurde deutlich, dass nicht nur die Kirchen, sondern auch die anwesenden Vertreter der serbischen Politik an einer intensiven Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Akteure interessiert sind. Davon könne die serbische Gesellschaft insgesamt profitieren.

Neben der Arbeit im Plenum, diskutierten die Teilnehmenden auf der Tagung in vier Foren verschiedene Aspekte des Verhältnisses von Kirche, Staat und Gesellschaft: Christliche Werte in der Gesetzgebung, Menschenrechte und Antidiskriminierung, Engagement der Kirchen angesichts der sozialen Herausforderungen der Zeit sowie die Rolle der Kirchen in Bildung und Erziehung. Als Impulsgeber in den Arbeitsgruppen wirkten unter anderem der römisch-katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hočevar, der römisch-katholische Bischof von Zrenjanin, Laszlo Nemet, der Staatsekretär im serbischen Gesundheitsministerium, Dr. Željko Milošević, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Dr. Martina Köppen, der Leiter des Instituts für Europäisches Verfassungsrecht der Universität Trier, Prof. Dr. Gerhard Robbers sowie Prof. Dr. Radovan Bigović, Prodekan der Orthodoxen Theologischen Fakultät der Universität Belgrad.

Während sich die serbischen Teilnehmenden auf der Tagung vorwiegend mit den Fragen der Gegenwart, dem aktuellen Religionsgesetz und den Problemen der derzeitigen gesellschaftlichen Rezeption von christlichen Werten in der Gesellschaft beschäftigt haben, bezogen sich die deutschen Teilnehmenden häufig auf die Erfahrungen aus der neueren deutschen Geschichte, die für die Entwicklung der Beziehungen zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft in Serbien hilfreich sein könnten. So hob Bischof Martin Schindehütte, der Leiter der Ökumene- und Auslandsarbeit im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Barmer Theologische Erklärung von 1934 als eine paradigmatische Antwort auf die Probleme im Verhältnis von Kirche und Staat hervor. Schindehütte erinnerte aber auch an die neue Denkschrift der EKD Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen von 2007 und an die darin artikulierte Pflicht der Christen, sich für den Frieden zu engagieren. Indessen hob der emeritierte römisch-katholische Bischof von Hildesheim, Dr. Josef Homeyer, in seinem Vortrag exemplarisch die Bedeutung der Sozialen Seminare in katholischer Trägerschaft für die Schaffung einer „Alltagselite“ hervor, die in der Vermittlung von christlichen Werten in der Gesellschaft in Deutschland eine wichtige Rolle gespielt haben.

Am Ende der Veranstaltung herrschte Einigkeit darüber, dass die zwischenkirchlichen Serbien-Tagungen eine Bereicherung sowohl für die serbische Gesellschaft als auch für die deutsch-serbischen Beziehungen insgesamt darstellen. Daher hörte man sowohl von serbischer als auch von deutscher Seite den Wunsch, die Serbien-Tagungen fortzusetzen und das Engagement durch gemeinsame Seminare und andere praktische Aktivitäten auf eine breitere Basis zu stellen.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht privatisiert und marginalisiert werden dürfen, sondern dass sie als tätige Kraft mit öffentlichem Auftrag im Dialog mit der Gesellschaft bleiben müssen, wobei der Staat gut beraten wäre, einen Rahmen für diesen Dialog zu schaffen, wie es Claudia Crawford, die Leiterin des Auslandsbüros der Konrad Adenauer Stiftung in Belgrad in ihrem Grußwort formulierte. Gerade die Erfahrungen aus Deutschland bestätigen, dass ein Dialog zwischen Kirchen, Staat und Gesellschaft für alle Beteiligten nützlich und weiterführend sein kann.

Die Stellungnahme zum Thema eröterte Bischof Irinej mit den Worten: Die Bereitschaft und die Offenheit für die Zusammenarbeit mit den Kirchen in Fragen des Friedens und der Gerechtigkeit ist heute groß. Die Kirchen sollen sich dieser Herausforderung gemeinsam stellen. Dies bedeutet auch die Bereitschaft der christlichen Kirchen in Serbien, weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Gesellschaft in allen Bereichen, in denen sie handeln könnten, zu unternehmen.

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Veranstaltungsort

Fruška Gora

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