Veranstaltungsberichte

MediaTrends: programmatische, strukturelle und wirtschaftliche Trends in den serbischen Medien

von Aleksandra Popović

02/2011

Das Medienprojekt der Konrad-Adenauer-Stiftung Belgrad (KAS): „Medienmonitoring: Mediatrends“ hat zum Ziel, die Reform der serbischen Medien in ihrem rechtlich-politisch-wirtschaftlichen Rahmen zu beobachten und dabei auf Fehlentwicklungen und Hindernisse in diesem Reformprozess hinzuweisen.

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Medienmonitoring-Team: Tamara Skrozza, Miroljub Radojkovic, Aleksandra Popovic, Djordje Vlajic, Zoran Preradovic (von links nach rechts)

Schon sechs Jahre lang veranstaltet die KAS dieses Projekt, das aus quartalsmäßigen Berichterstattungen in Form von Pressekonferenzen besteht. Die zweite diesjährige Pressekonferenz fand am 29. Juni statt, auf der das unabhängige Medienmonitoringteam über die wichtigsten und aktuellsten Entwicklungen in der serbischen Medienlandschaft im zweiten Quartal berichtete.

Im Mittelpunkt der Pressekonferenz stand die Diskussion über Hintergründe, Inhalte, Akteure und den Aktionsplan der sogenannten Medienstrategie Serbiens. Um die Medienlandschaft in Serbien regeln zu können, wurde seitens des Kulturministeriums das Projekt der Ausarbeitung der „Medienstudie“ im Jahr 2010 gestartet. Dieses sollte als Grundstein für die Verfassung eines nächsten höherrangigen Dokuments dienen: Der Entwicklung der Medienstrategie. Denn, so die meisten Befürworter der Medienstrategie, nur eine Medienstrategie wird zuverlässige Säulen für den Ausbau der professionellen und mit Demokratie und Pluralismus gekennzeichneten Medien in Serbien darstellen.

Dieser Standpunkt ist unumstritten. Doch kommt die Regierungsinitiative nach Meinung der Anwesenden zehn bzw. elf Jahren zu spät. Erst jetzt, viele Jahre nach dem Regimewechsel im Jahr 2000, fängt das Kultusministerium an, eine Medienstrategie auszuarbeiten und dass nach vielen schon begonnenen Reformschritten im Medienbereich. Dies so lange aufgeschoben zu haben, kann entweder als politische Unreife verstanden werden oder als politisches Vorhaben, die schon chaotische Medienlandschaft noch komplizierter zu machen.

Eine aussichtslose Strategie?

Das Mitglied des Monitoringteams Prof. Dr. Miroljub Radojkovic (Fakultät der Politikwissenschaften, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften) sagte, dass der Erfolg dieser vorgeschlagenen Medienstrategie aussichtslos sei. Die vorgestellte Strategie sei kein seriöses Dokument, denn sie beinhalte nur aufgelistete Wünsche, die zwar normativ – durch Verabschiedung neuer bzw. novellierter Pressegesetze – zu verwirklichen sind. Doch deuteten widersprüchliche Vorstellungen über die Medienreform, nämlich dass einerseits der Staat seine Anteile in den Medien zu verkaufen habe, während andererseits der gleiche Staat aus eigenem Budget die Medienentwicklung und –professionalisierung unterstütze, auf den offensichtlich unveränderten Status der serbischen Medien auch in Zukunft hin: Medien bleiben unter dem zentralen Einfluss der Politik.

Die Aufgabe, bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, damit man von objektiven, professionellen, ausgewogenen, zuverlässigen Medien sprechen kann, kann im Entwurf der Medienstrategie nicht gefunden werden. Zoran Preradovic, Chefredakteur bei der Wochenzeitschrift „Econom:east“ hat seine Hoffnung geäußert, dass wenigstens die relevanten Journalistenverbände bzw. –gewerkschaften auf die Notwendigkeit hinweisen sollten über Tarifverträge, sozialen Status sowie Arbeitsumstände, in welchen Journalisten arbeiten, ihre Kritik und Lösungsvorschlägen zu verlautbaren. Tamara Skrozza und Djordje Vlajic, ebenfalls Berichterstatter des Medienmonitorings, legten besonderes Augenmerk auf die Bedeutung der ethischen Standards im Journalismus sowie auf die Transparenz der Medienbesitzer.

Monitoring als Beitrag zur Demokratisierung Serbiens

Insgesamt war das eine fachkompetente Veranstaltung mit einer sehr lebhaften Diskussion, an der neben Journalisten auch Vertreter des Rates der Rundfunkanstalt und Medienrechtsexperten teilnahmen. Das Medienmonitoring-Projekt der KAS trägt damit kontinuierlich nicht nur zur Etablierung eines gesellschaftlichen transparenten Diskurses bei. Mit den Hinweisen und Empfehlungen des Monitoringteams unterstützt die KAS auch die weitere Professionalisierung der serbischen Medien und gleichzeitig die Demokratisierung der serbischen Gesellschaft.