Veranstaltungsberichte

One Belt One Road - Gefahren und Chancen für Tunesien

von Lukas Kupfernagel

Eine Bestandsaufnahme der chinesisch-tunesischen Beziehungen

Die chinesische Handelspolitik hat sich in den letzten 20 Jahren vermehrt mit dem afrikanischen Kontinent beschäftigt. Neben konventionellem Handel ist China mittlerweile für kontroverse Rohstoffdeals mit verschiedenen afrikanischen Staaten bekannt. Im Zuge seiner „One Belt one Road“- Politik hat das Reich der Mitte auch vermehrt begonnen, mit Soft Power, Kulturdiplomatie und Entwicklungszusammenarbeit in Tunesien an Einfluss zu gewinnen.

Die Rolle Chinas in der internationalen Handelspolitik, insbesondere mit seiner neuen Seidenstraße, ist weder in Europa noch in Nordafrika unumstritten. Aus diesem Grund organisierten die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Forum der politischen Akademie eine gemeinsame Abenddebatte zu der Frage, welche Chancen und Gefahren Tunesien durch eine Zusammenarbeit mit der Volksrepublik erwarten.

Das Interesse Chinas an Tunesien ist hauptsächlich geopolitischer Natur. Tunesien ist das Bindeglied zwischen dem Subsahara Afrika und Europa und damit das Tor zum nördlichen Nachbarn. Außerdem könnte man durch ein Engagement in der Hafenstadt Bizerte oder der Kleinstadt Zarzis im Süden des Landes einen direkten Zugang zum Mittelmeer erreichen.

Gleichzeitig durchlebt Tunesien nach wie vor eine wirtschaftliche Krise, die die demokratische Transformation nachhaltig beschädigen kann. Aus diesem Grunde sind Politik und Wirtschaft bereits seit längerem auf der Suche nach neuen Absatzmärkten und Handelspartnern. Die aufstrebenden BRICS-Staaten, aus denen sich zumindest China zur wirtschaftlichen Weltmacht entwickelt hat, bieten sich neben dem traditionellen Partner, der EU, als Handelspartner an. Güter wie Olivenöl oder ätherische Kosmetikprodukte bieten für die tunesische Industrie interessante Absatzmärkte in China. Dies war der Tenor des Experten für Geopolitik des tunesischen Institutes für strategische Studien (ITES), Moez Ghribi. Außerdem könne die neue Visapolitik Tunesiens, die chinesischen Staatsbürgern Visafreiheit gewährt, den Tourismus ankurbeln.

Dem entgegen steht eine große Skepsis gegenüber den wahren Intentionen Chinas. Hat die chinesische Regierung ein ehrliches Interesse an einer Kooperation mit Tunesien oder ist man lediglich auf einen einfachen Zugang zum Mittelmeer und gegebenenfalls einer einfachen Auslagerung heimischer Arbeitskräfte in Infrastrukturprojekte aus? Dies waren die Kritikpunkte einiger Diskutanten.

Man kann davon ausgehen, dass chinesisches Engagement auch die deutsche Politik in den nächsten Jahren beschäftigen wird, wenn der Konkurrenzkampf um Handelsvorteile mit dem afrikanischen Kontinent an Fahrtwind aufnimmt. Ob China sich dann noch für Tunesien interessieren wird, bleibt fraglich.

Ansprechpartner

Dr. Holger Dix

Dr

Leiter des Regionalprogramms Politischer Dialog Subsahara-Afrika

holger.dix@kas.de +27 214 2900 401