Veranstaltungsberichte

"Wasserstoff ist nur ein Puzzleteil der Energiewende"

Veranstaltungsbericht

07.07.2021 in Brake

In der Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung wurde der Wasserstoff als möglicher Kraftstoff der Zukunft diskutiert. Als Inputgeber war Prof. Dr. – Ing. Carsten Fichter, der Geschäftsführer von EnergieSynergie und Professor an der Hochschule Bremerhaven ist, eingeladen.

Fichter begann den Vortrag mit einer Aufnahme von Europa bei Nacht, um das eindrucksvolle Elektrizitätsnetz anhand von Beleuchtungen zu zeigen. Für so ein Netz müsse jedoch viel Energie bereitgestellt werden, die aktuell zu großen Teilen aus fossilen Brennstoffen gewonnen werde. In diesem Zusammenhang machte Fichter zwei Probleme aus. Dies sei zum einen die Endlichkeit des Erdöls und zum anderen die zu langsame Umstellung auf erneuerbare Energien.

Als Lösung stellte Fichter einen 4-Punkte-Energiewendeplan vor. Dieser beinhalte das Senken des Energieverbrauchs, das Umstellen des Energiesystems auf Strom, die Verknüpfung mit anderen Sektoren und das Importieren von Energie. Die vier Punkte konkretisierte Fichter im Laufe des Vortrags. Dies tat er vor allem anhand von Beispielen aus der Region. Fichter nannte zum Beispiel das Projekttool PEL als Hilfe für Unternehmen, um den Energieverbrauch zu senken, und die zwölf E-126 Windkraftanlagen in Ovelgönne für die Umstellung auf Strom. Zum Thema Sektorenkopplung erklärte Fichter, dass sich die bestehende Kopplung mit fossilen Brennstoffen als koppelndes Medium hin zu elektrischer Energie als zentrales Medium verändern muss. Neben elektrischer Energie komme auch Wasserstoff als koppelndes Medium infrage, wobei hier abgewogen werden müsse, wann eine Umwandlung von elektrischer Energie in Wasserstoff sinnvoll sei.

Als nächstes stellte Fichter die Wasserstofftechnologie und die Chancen dieser Technologie dar. Als Beispiele für Vorteile nannte Fichter u. a. die Minimierung der Abhängigkeit von russischem Erdgas und die Einsetzbarkeit als alternativer Kraftstoff und in der Industrie. Er konkretisierte den Aspekt der Mobilität. Dabei warf Fichter mehrere Fragen in den Raum. Wird jedes Fahrzeug 1:1 ersetzt werden und in welchem Bereich der Mobilität ist der Wasserstoff besonders geeignet? Dies sei zum Beispiel der Bereich des Transports. Zum Abschluss ging Fichter auf Ziele im Ausbau der Infrastruktur und Kosten des Wasserstoffs ein.

Fichter fasste seinen Vortrag zusammen, indem er verdeutlichte, dass der Wasserstoff nur ein Puzzleteil der Energiewende sei und die Energiewende vor allem ein rechtliches und politisches anstatt ein technisches Thema sei.

Im Anschluss wurde eine Diskussionsrunde mit Dr. Urban Keussen aus dem Vorstand der Technik EWE AG und dem Kommunalpolitiker Stephan Siefken geführt. Zunächst machte Keussen seinen Standpunkt zu dem Thema deutlich, indem er ebenfalls die Wichtigkeit des Wasserstoffs betonte und eine Chance für die Region als Wasserstoffküstenregion hervorhob. Dabei stellte er mehrere Standortvorteile wie schon vorhandene Pipelines und den Hafen für den Import heraus. Anschließend machte Siefken die Wichtigkeit der Unterstützung durch die Politik deutlich. Im weiteren Verlauf wurden die fehlenden Möglichkeiten der Speicherung der elektrischen Energie, Überproduktion und die Akzeptanz der Bürger unter den drei Experten diskutiert. Keussen betonte zum Abschluss den gesellschaftlichen Aspekt des Themas und Siefken beendete die Diskussion, indem er darstellte, dass für ihn Verbote der falsche Weg seien. Man müsse Anreize schaffen, um die Bürger auf diesem Weg mitzunehmen.

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Manuel Ley

Manuel Ley

Leiter des Hermann-Ehlers-Bildungsforums Weser-Ems

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