Event Reports

Das Bildungsministerium des Kosovos in Dresden

Studien- und Informationsprogramm für Mitarbeiter des Kosovo-Bildungsministeriums

In der Zeit von 26. bis 30. November 2007 besuchte eine Delegation von fünf Mitarbeitern des Bildungsministeriums des Kosovo das Sächsische Bildungsinstitut (SBI) in Dresden. Der Besuch diente der Abrundung der Zusammenarbeit zwischen der KAS und dem Bildungsministerium des Kosovo, besonders zum Themenfeld der Entwicklung von Prüfungsstandards, Evaluierung von Prüfungsergebnissen und Zusammenarbeit Schule-Unternehmen.

Ziel der Reise

Seit Beginn des Engagements der Konrad-Adenauer-Stiftung im Kosovo besteht eine Zusammenarbeit mit dem dortigen Bildungsministerium, besonders zum Themenfeld der Entwicklung von Prüfungsstandards und zur umfassenden Evaluierung von Prüfungsergebnissen. Diese Kooperation soll mit dem vorliegenden Programm abgerundet werden.

Aufgrund der Länderhoheit im Schul- und Bildungswesen bietet sich der Besuch eines Bundeslandes an, um im umfassenden Sinne das deutsche Bildungssystem vorzustellen. Am Standort Dresden sollte den Teilnehmern vermittelt werden, wie das deutsche System funktioniert und miteinander verzahnt ist, angefangen vom Schulsystem über den Bereich der betrieblichen Bildung bis hin zum Bildungsausschuss im Landtag und dem zuständigen Landesministerium. Dresden eignet sich auch deshalb sehr gut, weil die dortigen Institutionen bereits aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit mit den Gegebenheiten im Kosovo vertraut sind und daher sehr gezielt auf Fragen der Teilnehmer eingehen können.

Das Programm diente insgesamt der Abrundung erworbener Kenntnisse in vorangegangenen Workshops im Rahmen der Kooperation der KAS mit dem Bildungsministerium im Kosovo.

Teilnehmer und Programm

An dem Informationsprogramm nahmen fünf Mitglieder des Bildungsministeriums, Abteilung für Evaluation und Lehrpläne, aus dem Kosovo teil: Herr Ramush LEKAJ, Leiter der Abteilung für Lehrpläne; Herr Mustafa KADRIU, Leiter der Abteilung für Evaluation und Standards; Herr Fatmir ELEZI, Abteilung für Evaluation und Standards; Frau Nizafete KUTLLOVCI-BARDHI, Abteilung für Evaluation und Standards und Frau Birsen SHUFTA, Abteilung für Evaluation und Standards. Das Programm liegt dem Maßnahmebericht bei.

Im Einzelnen zu den Schwerpunkten

  • Besuch der Gläsernen VW Manufaktur Dresden
Hier wurde erklärt, wie die VW-Manufaktur anfing zu arbeiten und wie sie nur durch Qualität das Überleben am Markt sicherte, indem sie eines der besten Autos der Welt, den VW-Phaeton, produziert. Dresden ist für so einen Produktionsort kein Zufall, denn die Gegend ist bekannt für beste Fachkräfte. Die Manufaktur legt sehr viel Wert auf Kundenzufriedenheit. Nicht zuletzt deshalb legt sie hohe Maßstäbe bei Ihren Mitarbeitern an. Es wurde erklärt, dass die Ausbildung innerhalb der Manufaktur nur für den eigenen Bedarf stattfindet und dementsprechend nur die Berufe, die mit Machatronik und Mechanik zu tun haben. Die Ausbildung dauert 3 ½ Jahre, die Voraussetzungen, die die Schüler mitbringen müssen, sind: 10. Klasse Abschluss, hohe Mobilität, gute Schulleistungen in Mathe, Physik und Deutsch, technisches Verständnis und Interesse für Autos, selbständiges Arbeiten, Engagment usw. Um den Erwartungen der Unternehmen gerecht werden zu können, sollte die Berufsorientierung bereits in der Schule stattfinden. Die Auszubildenden vertraten die Meinung, dass in der Schule der Stundenplan nur oberflächlich und fast nur theoretisch war - also nicht ausreichend für die Ausübung eines Berufes. Deswegen müsse die Zusammenarbeit in Bereich Schule und Berufsausbildung weiter verstärkt werden, damit die Partner zufrieden sind. Nach dem Gespräch fand eine Führung durch das Kundenforum der Gläsernen Manufaktur statt.

  • Besuch des Sächsischen Bildungsinstituts
Hier wurde sehr ausführlich der Schulsystem in Sachsen und die Arbeit der SBI - Qualitätsentwicklung, Lehrerbildung, Weiterbildung, lebenslanges Lernen und externe Eavaluation- erklärt . Die EU habe das Ziel, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Deswegen müssen die Schulen immer besser werden und die Schüler und Auszubildenden darauf vorbereiten. Herr Hansjörg Köng, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Kultus, erklärte, warum das Ministerium sehr viel Wert auf die Arbeit der SBI legt, denn nur durch Evaluationen stellt man die Schwachpunkte des Schul- und Bildungssystems fest und nur wenn man die kennt, kann gegen sie vorgegangen werden. Sachsen habe aber ein Problem mit der demografischen Entwicklung, denn sie haben jedes Jahr weniger Jugendliche im Land und dementsprächend müssen Strategien enwickelt werden, um diesem zu begegnen, sei es Familien zu überzeugen, mehr Kinder zu haben oder Jugendlichen einen gewünschen Lebensraum und -Standard anzubieten, damit Sachsen Zuzug erfährt. Evaluationen, so wurde deutlich, die von dem SBI durchgeführt werden, sind Diensleistungen. Sie basieren auf 16 Kriterien, die in jeder Unterrichtsstunde zu beobachten sind. In der SBI wurde der Delegation ebenfalls der Prozess der Lehrerfortbildung und der Personalgewinnung erklärt, der immer mehr Haushalt und Zeit brauchen. Aufgrund der Ergebnisse der PISA-Studie 2002, wurden im Freistaat Sachsen neue Lehrpläne entwickelt, mit den Ziel, die Unterrichtsqualität zu steigern. So wurden beispielsweise die Wochenstunden der Lehrer von 40 auf 30 Unterrichtsstunden pro Woche gesenkt, damit die Lehrer sich mehr Zeit für die Schule und die Vorbereitung des Unterrichts nehmen. Eine SBI Referentin erläuterte der Delegation im Anschluss die Lehrplanentwicklung im Freistatt Sachsen.

Nach einer Führung durch den Landtag Sachsen, fand ein Treffen mit einigen Abgeordneten statt. Hier nahmen ein Abgeordneter aus der CDU, einer aus der SPD und einer aus der linken Fraktion teil. Auf die Frage nach der Reaktion der Regierung auf die PISA-Studie, bei der Deutschland nicht so gut abgeschnitten habe, antworten die Vertreter der Fraktionen, dass dies zuallererst innerhalb des Bildungsausschusses besprochen wurde, um zu sehen, was am besten für die Schulen und Schülern sei, um die Qualität zu steigern. Sie erklärten, dass solche Gespräche wie überall auf der Welt nicht leicht sind, am Ende aber dennoch Kompromisse gefunden wurden.

Begleitung eines Evaluatorenteams in die 116. Mittelschule in Dresden: Von den Eavluatoren wurde der Evaluationsprozess in ausführlicher Weise erklärt und die Evaluationsbögen und der Evaluationsplan wurde der Delegation mitgegeben – Dokumente die eine sehr grosse Hilfe für die weiterarbeit der Gruppe in Kosovo sein wird. Die Delegation hatte auch die Möglichkeit zusammen mit den Evaluatoren die Evaluation vor Ort durchzuführen.

Bewertung der Maßnahme und Empfehlungen

Die geplanten Ziele, also die Abrundung der Zusammenarbeit zwischen KAS und Bildungsministerium des Kosovo, besonders zum Themefeld der Entwicklung von Prüfungsstandards, Evaluierung von Prüfungsergebnissen und Zusammenarbeit Schule-Unternehmen, sind durch die Informations- und Studienreise nach Dresden voll erreicht worden. Mit so einem runden Programm, mit nutzvollen Informationen und mit der Möglichkeit der Zusammenarbeit mit dem SBI-Evaluatorenteam und der Möglichkeit der direkten Teilnahme an Unterrichtsstunden, war die Delegation sehr zufrieden und äußerst dankbar. Sie sind mehr denn je überzeugt, dass es sich loht, auch unter sehr schwierigen Arbeits- und Unterrichtsbedingungen die Qualitätssteigerung in den Schulen als prioritäres Ziel zu haben, denn nur das bereitet die Schüler und die Auszubildenden darauf vor, am Wirtschaftsraum Europas anzuschließen.