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Event reports

Die andere Bedeutung des “Nie wieder”

Veranstaltung 28.01.2026 Oldenburg

Aktuelle Erinnerungskultur seit dem 07. Oktober 2023

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Wie sieht jüdisches Leben in Deutschland aktuell aus? Welche Herausforderungen gibt es im Alltag und wie hat sich Erinnerungskultur seit dem 7. Oktober 2023 verändert. Diese und viele weitere Fragen diskutierten wir anlässlich des Holocaust-Gedenktages in Kooperation mit der Casino-Gesellschaft Oldenburg und dem Referenten Dr. Achim Dörfer in Oldenburg. Herr Dörfers Großmutter und Mutter gehörten zu den wenigen Jüdinnen, die den Holocaust in Deutschland überlebten und nach 1945 im Land blieben. Sein Bruder ist 1999 nach Israel ausgewandert und dort mittlerweile Rabbiner. Er ist Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Göttingen und tritt als solches öffentlich gegen Antisemitismus ein. Im Juni 2022 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen gewählt und im Mai 2025 in diesem Amt bestätigt. Er ging in seinem Eingangsvortrag auf die über 1700-jährige Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland ein und legte einen besonderen Fokus auf die jüdische Selbstwirksamkeit. Er plädierte dafür, dass Jüdinnen und Juden nicht als Opfer stigmatisiert werden, sondern als aktiver, wehrhafter Teil der Gesellschaft gesehen werden. 

Des weiteren ging er auf die Perspektive des “Nie wieder” ein. Anders als die gesamtdeutsche Täterperspektive des “Nie Wieder”, hieße dies für Jüdinnen und Juden, “Nie Wieder” Opfer zu sein, Nie wieder wehrlos sein, “Nie Wieder” Behandlung 2. Klasse durch die Justiz, “Nie wieder” versteckte Religionsausübung und “Nie wieder” Ausschluss aus der Gesellschaft und keinen sicheren Rückzugsort haben. Jüdinnen und Juden sind aktiver Teil der Gesellschaft, müssen jedoch in Anbetracht der aktuellen gesellschaftlichen Lage besonders durch den Staat geschützt werden. Anschläge auf Synagogen, jüdischen Einrichtungen, Polizeipräsenz bei Veranstaltungen sind an der Tagesordnung. 

 

In der Diskussion kamen Fragen zur aktuellen Tagespolitik in Israel auf, bei denen der Referent eine deutliche Trennung zwischen jüdischen Leben in Deutschland und der Politik der Regierung Netanjahu setzte. Nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 sind die Fallzahlen antisemitischer Übergriffe deutlich gestiegen. Abschließend plädierte Dr. Dörfer für eine andere Betrachtung auf die Jüdinnen und Juden in Deutschland, dies finge im Schulunterricht und in Schulbüchern an. Hier sei frühzeitige Präventionsarbeit gefragt. Insgesamt gab es eine sehr rege Diskussion mit vielen Fragen aus dem Publikum. 

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Contact Manuel Ley
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Head of the Hermann Ehlers Educational Forum Weser-Ems (temporarily on leave from June 1, 2024, to November 30, 2025)
Manuel.Ley@kas.de +49 (0) 441 2051799-5 +49 (0) 441 2051799-9

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