Notas de acontecimientos

„Der Mercosur ist vom Kurs abgekommen“

Was geschieht mit dem Mercosur und welchen Weg soll Uruguay in Zukunft außen- und wirtschaftspolitisch gehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Runde renommierter Wirtschaftsexperten bei einem Kolloquium organisiert von der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. und dem CED.

Der Mercosur sei ein „vom Kurs abgekommenes Schiff, das dabei ist zu versinken“. So begann Ignacio Munyo, Direktor des Zentrums für Wirtschaft, Gesellschaft und Unternehmen des IEEM, seinen Vortrag über die wirtschaftlichen Perspektiven Uruguays. Es sei daher unerlässlich, dass man außerhalb des Mercosur nach anderen Wirtschaftsunionen suche, mit denen man in der Zukunft zusammen arbeiten könne. Sich nicht zu öffnen, bedeute eine Stagnation des Wachstums hinzunehmen. Eine Aussage, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Vorträge an diesem Vormittag ziehen sollte. Verträge mit neuen Wirtschaftspartnern kämen dabei nicht nur dem für Uruguay so wichtigen Export zu gute. Auch der Import könnte in diesem Fall von qualitativ besseren Gütern profitieren. Die mit Chile in der Vergangenheit abgeschlossenen Verträge könnten ein lehrreiches Beispiel für zukünftige Verhandlungen sein, erklärte Munyo.

Auch Gabriel Oddone, Wirtschaftsexperte und Partner bei CPA Ferrere, fand klare Worte. Der Mercosur sei, „ein Gefängnis für Uruguay“. Es gebe keinen Ort auf der Welt, der sich von der Welt so stark abschotte. Der Mercosur habe ein Führungsproblem, was auch daran liege, dass eine große Asymmetrie zwischen den einzelnen Mitgliedern herrsche. So befinde sich der Mercosur im „Limbus“ und Uruguay gefangen darin. Um Uruguay voran zu bringen gebe es folglich nur eine Lösung, man müsse sich in Richtung anderer Handels- und Wirtschaftsunionen bewegen. Die Probleme die sich daraus gegenüber den anderen Staaten des Mercosur ergeben müsse man hinnehmen, erklärte Oddone. Dass Uruguay deswegen aus dem Mercosur ausgeschlossen werden könnte, halte er für äußerst unrealistisch. Darum müsse man es wagen mit anderen Wirtschaftsblöcken in Verhandlungen zu treten. Solche Verhandlungen zu führen, mit dem Wissen, dass der Mercosur Uruguay nicht ausschließen werde, nannte Oddone: „ein Spiel am Rande des Erlaubten“. Die Missgunst der anderen Mitglieder sei ein Risiko, das man bereit sein müsse einzugehen.

Eine Öffnung Uruguays zu den internationalen Märkten sei entscheidend, pflichtete auch Pablo Rosselli, Wirtschaftsexperte, bei. Der Mercosur sei rückständig, ein Relikt vergangener Tage. Das Wachstum der Handelszone Mercosur liegt sowohl unterhalb des Weltwachstums, als auch unter dem vieler anderer lateinamerikanischer Staaten, erklärte Rosselli. Außerdem sei die Bedeutung des Mercosur für seine Mitglieder vollkommen unterschiedlich. Während das Handelsabkommen für Paraguay von essenzieller Wichtigkeit sei, habe es für Brasilien vergleichsweise wenig Bedeutung. Die Welt schreite voran und überall bildeten sich neue Freihandelszonen. Man müsse darauf achten, nicht den Anschluss zu verlieren und dürfe daher nicht auf eine Erlaubnis Brasiliens warten, sondern müsse selbst die Initiative ergreifen. Dabei sei entscheidend, zuerst innerhalb Uruguays einen Konsens über das weitere Vorgehen zu erzielen. Es liegt in unserer Hand, sagte Rosselli, man dürfe nicht noch eine Gelegenheit verpassen.

Marcel Vaillants Antwort auf die Frage was man mit dem Mercosur machen solle fiel kurz aus: „Gar nichts“, sagte der Experte für internationalen Handel. Das Wichtigste für Uruguay müsse sein, neue Märkte zu erschließen. Dabei sei es wichtig, international Partner zu finden, die das kaufen, was Uruguay verkauft. Uruguay exportiere hauptsächlich Güter, welche besonders stark protektioniert würden. Besonders beim Fleisch gebe es vielerorts hohe Schutzzölle. Darum müsse man sich sorgfältig nach Handelspartnern auf der ganzen Welt umsehen. Gleichzeitig müsse Uruguay wettbewerbsfähiger für den globalen Handel gemacht werden. Infrastruktur und Bildungswesen müssten entscheidend verbessert werden.

Der Mercosur kann nicht die Zukunft für Uruguay sein, darin waren sich alle vier Experten einig. Wie groß das Interesse an diesem Thema war, zeigte sich an dem bis auf den letzten Platz vollbesetzten Saal und den zahlreich anwesenden Reportern.

Victor Walther

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