Présentations & compte-rendus

Erfolgreich lernen

Was gehört zu einem guten Unterricht? Viel hängt vom Lehrer ab!

Was macht ein erfolgreiches und effektives Lernen aus? Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei der Lehrer. Das ist nur ein Ergebnis der internationalen Studien von Prof. John Hattie. Die weltweite Mega-Analyse des Bildungsforschers aus Neuseeland vergleicht eine riesige Zahl von Daten und liefert jede Menge Hinweise für gutes Lernen. So stellt sich etwa die Frage, in welcher Weise Lehrer bei ihrer Aufgabe begleitet und gefördert werden etwa durch Feedback, Supervision und Training.Interessenten für eine solche Einführungs- und Diskussionsveranstaltung können sich gerne bei uns melden.

In fünf Veranstaltungen, die vor allem Lehrer als Zielgruppe hatten, stellte die KAS-Brandenburg in Potsdam, Königs Wusterhausen, Lübben, Bernau und Oranienburg die internationale Schulbildungsforschung von Prof. John Hattie vor. Referenten waren zum einen Ulrich Steffens, der Direktor am hessischen Landesschulamt in Wiesbaden ist und sich seit langem schon den Hattie-Studien befasst, zum anderen Werner Weiss, Schulrat a.D. im Dahme-Spreewaldkreis.

Anhand von Power Point Präsentationen werden die wichtigsten Fakten der Hattie-Studien jeweils vorgestellt, die Grundlagen der Forschung der Forschung erläutert und die Ergebnisse in Bezug auf ihre Relevanz für unser Bildungssystem und den Unterricht in der Schule diskutiert.

Dabei geht es insbesondere um die Einordnung der 138 von Hattie identifizierten Lern-Faktoren und ihrer Effektstärke für ein erfolgreiches Lehren und Lernen. Im Gespräch mit den Teilnehmern können Verständnisfragen geklärt und einzelne Aspekte vertieft werden. Als Ergänzung und Vertiefung steht die KAS-Broschüre mit dem Beitrag des Oldenburger Erziehungswissenschaftlers Prof. Klaus Zierer: "Kernbotschaften aus John Hatties Visible Learning" zur Verfügung.

Die Lausitzer Rundschau berichtete am 11. September 2014 von der Veranstaltung mit Werner Weiss am 4. September im Lübbener Wappensaal, an der über 60 Lehrer von verschiedenen Schulen aus der Region teilnahmen.

Lausitzer Rundschau, Lübben, 11. September 2014:

Gutes Lernen: Am Lehrer hängt viel

Kreisschulrat a.D. Werner Weiss stellt Mega-Studie des Bildungsforschers John Hattie im Lübbener Wappensaal vor

Von Ingvil Schirling

Lübben. Was macht gutes, erfolgreiches und effektives Lernen aus? Zu einem großen Teil der Lehrer. Das ist das Hauptergebnis der Hattie-Studie. Die weltweite Mega-Analyse des Bildungsforschers John Hattie aus Neuseeland vergleicht eine kaum vorstellbare Anzahl von Daten und liefert jede Menge Antworten, bis auf eine.

Werner Weiss, Schulrat a.D., referierte im Lübbener Wappensaal über die wichtigsten Ergebnisse der Hattie-Studie. Sie fasst Daten von 250 Millionen Schülern weltweit zusammen und gibt Antworten auf die Frage, was effektives Lernen ausmacht. Am Ende eines langen und spannenden Vortrags stand eine entscheidende Frage. "Wie erkenne ich als Elternteil, ob meine Kinder an einen guten oder schlechten Lehrer geraten sind?", wollte LDS-Bildungsdezernent Carsten Saß (CDU) von Referent Werner Weiss wissen. Nach den gerade vorgestellten Aspekten der Studie "müssten doch 80 Prozent der Lehrer denken, sie sind auf der guten Seite des Spannungsfeldes. Sie haben studiert, unterrichten gerne – theoretisch müsste das doch super sein."

Theoretisch. Theoretisch ist der ideale Lehrer ein lässiger Superheld. Wenn sein Unterricht so richtig fetzt und die Schüler schlauer in die Pause gehen, war er wertschätzend, ermutigend und herausfordernd, hatte die Kinder wie gebannt an seinen Lippen hängen und jederzeit im Griff, sprach klare Worte, ermöglichte erfolgreiches Problemlösen und gab die Liebe zu seinem Fach direkt weiter.

Diese Erfolgsfaktoren von gutem Unterricht hat sicher jeder schon immer gekannt und für gut befunden. Der Neuseeländer John Hattie allerdings hat sie bewiesen. Anhand von 50 000 Einzelstudien, die bereits in 800 Metastudien vorverarbeitet waren und letztlich auf weltweit mehr als 250 Millionen untersuchten Schüler beruhen, hat er eine Mega-Analyse angefertigt.

"Das Effektmaß des Lernerfolgs"

Am Ende stand das Effektmaß des Lernerfolgs. Es gibt Auskunft darüber, welcher Faktor gelingendes Lernen wie stark beeinflusst – positiv oder negativ. Dass Umzüge und exzessives Fernsehen beispielsweise negativ auf das Lernen in der Schule wirken, ist nicht neu und gilt mit der Hattie-Studie aber als endgültig bewiesen. Dass jedoch beispielsweise Sitzenbleiben ein negatives Effektmaß aufweist (-0,16), ebenso der Bezug von Hartz IV bei den Eltern (-0,12), dürfte auf Grundlage dieser schier unvorstellbaren Datenmasse nachdenklich stimmen.

Spitzenreiter effektiven Lernens sind Faktoren wie die Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus (1,44) oder das vorausgehende Leistungsniveau (0,67). Heißt nichts anderes als: Wer in der Schule schon gut ist und einen realistischen, positiven Bezug dazu hat, hat die besten Voraussetzungen, um gut zu bleiben. Konzentration, Ausdauer, Engagement und Motivation helfen dabei (0,48). Wichtig sind aber auch frühkindliche Förderung (0,47), Vorschulprogramme (0,45) oder möglichst angstfreies Lernen in der Schule (0,4). Wenn die Eltern Zuhause mal die Vokabeln abfragen oder Hausaufgaben kontrollieren, ergibt das ein Effektmaß von starken 0,57. Auf gleichem Niveau liegt der sozio-ökonomische Status.

Unterm Strich dürfte das die zahlreichen Lehrer und Praktiker im vollen Lübbener Wappensaal nicht überrascht haben. Auch nicht, dass die Veranstaltung von der CDU-nahen Adenauer-Stiftung organisiert worden war und die Hattie-Studie von Werner Weiss präsentiert wurde, der seit langem als scharfer Kritiker des SPD-geführten Bildungsministeriums gilt. "Wer zu wenig verlangt, versündigt sich am Kind", war nur einer von vielen prägnanten Sätzen.

Auf Rückfrage von CDU-Landtagskandidat Olaf Schulze, der unter anderem über seine Erfahrungen als Elternvertreter in die Politik gekommen war, unterstrich Weiss: "Politik kommt bei Hattie nicht gut weg. Er hält viel von Beständigkeit, Verlässlichkeit, Kontinuität – wenn denn das System richtig ist."

Was die Lehrer und Zuhörer eher bewegte, war die entscheidende Frage, wie mit den Lehrern umgegangen werden kann, die keine lässigen Superhelden im Sinne der Hattie-Studie sind. Wie trennt man die Spreu vom Weizen? Die Mega-Analyse gibt darauf keine Antwort. Werner Weiss hingegen führte das bayrische Hospitierungs- und Beförderungssystem als gutes Beispiel an. "Kein vernünftiger Betrieb in der Wirtschaft verzichtet auf Qualitätskontrolle", sagte er. Brandenburg wende dieses Instrument bislang nicht an, kritisierte er. Er machte die Bandbreite unter den Lehrern – wie bei jedem anderen Berufsstand auch – pointiert deutlich: "Es gibt die Spitzenleute, die muss man in Ruhe lassen und aufpassen, dass sie sich nicht selbst ruinieren. Dann gibt es die Mehrheit, die man gut unterstützen kann und die auch gerne darauf eingeht. Und dann gibt es den kleinen Rest, bei dem muss das Dienstrecht was hergeben. Wer nicht will und nicht kann, muss was anderes machen."

Kommentar von Ingvil Schirling: Am Lehrer hängt nicht alles

Es ist Statistik, es ist Mathe, es sind spröde Daten. Doch bei der Vorstellung der Mega-Studie des Bildungsforschers John Hattie über effektives Lernen war der Lübbener Wappensaal voll besetzt.

Das zeigt: Das Interesse ist groß. Viele Schulleiter, viele bekannte Lehrer aus Lübben waren da und zeigten damit ihr Engagement für ihre Herzensangelegenheit, das Unterrichten. Dass sie das Beste wollen und dabei so manches mal am System scheitern, muss frustrierend sein. Deshalb muss zuallererst das Lehrer-Bashing aufhören, dieses Stammtisch-Geschimpfe auf die angeblich so unfähigen Pädagogen. Dass eine Minderheit versagt und eine ganze Zunft zum Sündenbock gemacht wird, ist nicht fair.

Gerecht ist aber auch nicht, Lehrern die gesamte Verantwortung für gelingendes Lernen zuzuschieben. Sie sind eine zentrale Person im Bildungsprozess - doch neben weiteren Faktoren liegt der Lernerfolg zur Hälfte beim Schüler. Auch das ist ein Ergebnis der Hattie-Studie. Wie da rankommen? Wenn Motivation, Konzentrationsfähigkeit, Engagement und vor allem Ausdauer so entscheidende Faktoren sind, wie können sie gestärkt werden?

Auch dazu gibt es Meta-Analysen, beispielsweise vom US-amerikanischen Forscher und Psychologen Martin Seligman. Das wäre ein tolles Thema für die nächste Veranstaltung der CDU-nahen Adenauer-Stiftung. Gerne auch eher als zehn Tage vor der nächsten Landtagswahl.

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Stephan Georg Raabe

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Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Brandenburg

Stephan.Raabe@kas.de +49 331 748876-0 +49 331 748876-15
Werner Weiss, Lübben 4.9.14 Lausitzer Rundschau, 11.9.14, Ingvil Schirling