Présentations & compte-rendus

„Berufsschulen verdienen mehr Aufmerksamkeit“

Der Reutlinger Staatsminister a.D. Anton Pfeifer zu 60 Jahren Baden-Württemberg und den Perspektiven des Landes

„Baden-Württemberg ist eine Erfolgsgeschichte. Und großen Anteil daran hat nicht zuletzt unser hervorragendes, duales Ausbildungssystem!“. Vor 80 Gästen reflektierte Staatsminister a.D. Anton Pfeifer im Festinsaal des Ludwigsburger Schlosses über 60 Jahre Baden-Württemberg, seine Geschichte und Perspektiven.

Pfeifer, langjähriger Bundestagsabgeordneter aus Reutlingen und heute Mitglied des Vorstandes der Konrad-Adenauer-Stiftung, blickte zunächst zurück auf die Gründungszeit des nicht von allen geliebten Südweststaates. Gerade der Widerstand aus dem Badischen gegen die Landesgründung sei in den ersten Jahren eine Hypothek gewesen. Pfeifer: „Es gab erst mal kein Baden-Württemberg-Gefühl!“

Die Bündelung regionaler Stärken sei aber eines der Erfolgsrezepte des Landes. Zu deren Ergebnissen zählten die Energieversorgung, die Landesbank sowie die einst eigene Rundfunkanstalt. „Jede Tendenz zum Zentralismus hat hierzulande keine Chance gehabt, und es wäre falsch, nun in zentralistische Strukturen zu verfallen“, würdigte Pfeifer die föderale Vielfalt.

Der Staatsminister a.D. identifizierte vier Punkte, die entscheidend für die Erfolgsgeschichte Baden-Württembergs seien:

  • Die Bereitschaft der Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren
Die Kultur des ehrenamtlichen Engagements zeichne Baden-Württemberg vor allen anderen Bundesländern aus: „41 Prozent aller über 14-Jährigen engagieren sich im Ehrenamt“, würdigte Pfeifer. Dies gelte es zu erhalten

  • Ungebrochene Spitzenwerte bei der Innovationskraft
2009 seien fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung geflossen, davon 80 Prozent aus privater Hand. „Mit neun Unis, 22 Fachhochschulen und den privaten Hochschulen haben wir heute die leistungsfähigste Forschungslandschaft in Europa“, freute sich Pfeifer. Mut, Weitblick und Reformbereitschaft früherer Landesregierung hätten den Weg für diesen Erfolg und eine der stärksten Industrieregionen des Kontinents geebnet. Kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen: „Hochschulen und Wissenschaft müssen ihre Exzellenz bewahren und ausbauen können!“ Wir brauchten ein Klares Ja zur Entwicklung moderner Technologien. „Mit Industriefeindlichkeit hat dieses Land keine Zukunft“

  • Weltoffenes Baden-Württemberg
Die wachsende Bedeutung Asiens habe bereits Lothar Späth erkannt. Sein Kalkül: Der Transfer von Technologien z.B. nach China werde uns später nutzen. Heute exportierten 1300 baden-württembergische Unternehmen nach China, 400 importierten von dort. Hiesige Unternehmen besäßen 190 Niederlassungen im „Reich der Mitte“, 115 unterhielten eigene Produktionsstätten. „Weltoffenheit“, so Pfeifer, „zahlt sich aus … doch sie bedeutet nicht Heimatvergessenheit!“

  • "BaWü": Land der Ausbildungschancen
Pfeifer würdigte den hohen Rang, den Baden-Württembergs Schüler bei internationalen Vergleichsstudien belegten. Jetzt sei es bedeutsam, wie sich das Schulwesen weiterentwickle. „Bitte ohne Ideologie und an der Sache orientiert“, formulierte Pfeifer seine Erwartungen an eine offene Debatte. Mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung stiegen die Anmeldezahlen für die Gymnasien. „Jetzt ist es wichtig, dass wir das Niveau halten.“ Vital seien insbesondere die Berufsschulen, die in der Qualität ihrer Ausbildung zusammen mit den Betrieben internationale Maßstäbe setzten. „Hier ist die Diskussion unausgewogen!“ In der schulpolitischen Diskussion sollten die Berufsbildenden Schulen die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie etwa Gymnasien. „Sorgen wir uns darum, dass junge Menschen auch leistungsfähige Berufsschulen finden!“

Anton Pfeifer ist Staatsminister a.D. und Mitglied des Vorstands der Konrad-Adenauer-Stiftung. Anton Pfeifer, geboren 1937, war 15 Jahre alt, als der Südweststaat gegründet wurde. Von 1969 bis 2002 war er als Abgeordneter aus unserem Land Mitglied des Deutschen Bundestages. Er stand in der gesamten Regierungszeit von Helmut Kohl von 1982 bis 1998 in mehreren Ministerien, zuletzt acht Jahre als Staatsminister im Bundeskanzleramt, in der Regierungsverantwortung des Bundes.

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Dr. Stefan Hofmann

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Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Baden-Württemberg

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