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„Es fehlt noch immer die politische Kultur“

Interview mit Klaus D. Lötzer, Leiter des KAS-Büros in Tunis, zur Wahl in Tunesien

Zwei Tage vor der ersten demokratischen Wahl in Tunesien seit über 50 Jahren zieht Klaus D. Lötzer, Leiter des KAS-Büros in Tunis, im Interview mit kas.de ein positives Fazit aus den Vorbereitungen: „Die Wahlvorbereitung war mit sieben Monaten relativ kurz, die Zeit ist aber gut genutzt worden. Wir sind alle sehr optimistisch, dass die Wahl am Sonntag gut verläuft und gewaltfrei bleibt“, sagte er.

Über 100 Parteien und unabhängige Listen bewerben sich am 23. Oktober um die Gunst der tunesischen Wähler. Nach Einschätzung von Lötzer haben aber maximal zehn Parteien die realistische Chance, in die verfassungsgebende Versammlung einzuziehen. „Nach den Umfragen liegt Ennahda, das sind die Islamisten, mit zwischen 20 und 30 Prozent vorne. Danach folgt mit nur acht Prozent die PDP, Parti démocrate progressiste, das sind die Sozialisten.“ Jede Liste musste mindestens zur Hälfte aus Frauen bestehen. Dennoch erwartet Lötzer keine große weibliche Beteiligung in der verfassungsgebenden Versammlung, da die Kandidatinnen meistens auf den hinteren Listenplätzen stehen.

Erstaunt ist Lötzer darüber, dass in der Mittelschicht nach wie vor keine große Wahlbegeisterung herrscht. „Dazu fehlt die politische Kultur, die unter dem Ben-Ali-Regime verloren gegangen ist. Auch dies wird letztlich eine Stärkung für die Islamisten bedeuten.“ Daher müssten in der Partei die moderaten Kräfte unterstützt werden - die Basis der Ennahda fordert die Scharia.

Hören Sie das ganze Interview nach einem Klick auf den Medienplayer rechts.

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Dr. Holger Dix

Dr. Holger Dix

Directeur du programme régional du dialogue politique en Afrique subsaharienne, Directeur par intérim du bureau de la fondation en Afrique du Sud

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