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"OpTunisme" - Politische Einblicke zum dritten Jahrestag der Revolution

Zu den Umbrüchen in Tunesien haben JONA-Stipendiaten und Studenten der Universität La Manouba ein Magazin herausgegeben

Wer sich erinnert und erinnern kann, bei dem werden die Bilder des 14. Januar 2011, dem Tag der Flucht des tunesischen Langzeitherrschers Zine El Abidine Ben Ali, nicht nur tiefgreifende Emotionen, sondern auch ebensolche Reflexionen wach rufen. Die Umwälzungen, die unter den Begriffen „Freiheit“, „Würde“ und „Arbeit“ im Stammland des alten Karthago begannen, beschäftigen die Tunesierinnen und Tunesier natürlicherweise bis heute.

Anders als in vielen anderen arabischen Staaten verläuft der vor drei Jahren begonnene Transformationsprozess weniger gewalttätig, gleichwohl jedoch auch nicht geradlinig und ohne Rückschläge oder Umwege.

Zum dritten Jahrestag der Revolution veröffentlicht das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Tunis das Magazin „OpTunisme“. Der Titel des Magazins soll dabei weder Euphemismus noch Ironie widerspiegeln, sondern dem berechtigten Gefühl, das die Teilnehmer der deutsch-tunesischen Journalistenakademie im Herbst 2013 hatten, Ausdruck verleihen. Unter dem Motto „Politikberichterstattung und die Herausforderungen der Umbrüche in Nordafrika“ hatten sich Stipendiaten der Journalistischen Nachwuchsförderung der KAS sowie Studierende des Instituts für Presse- und Informationswissenschaften (IPSI) der Universität La Manouba zehn Tage in gemischten Teams auf den Weg gemacht, um aktuelle und relevante politische Themen zu recherchieren und Beiträge für dieses Magazin zu erstellen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf dem spezifischen Thema der Politikberichterstattung, das sich gerade im Nachgang zu den Umbrüchen in Tunesien wie der Region als besonders wichtiger Bereich erwies. Zu politischen Themen zu recherchieren, sogar investigativ ein Thema aufzugreifen und aufzubereiten, ist immer wieder eine Herausforderung für guten Journalismus, und das in Tunesien wie in Deutschland.

Die jungen Nachwuchsjournalisten trafen auf ein Land, das mit dem Datum des 14. Januar 2011 in eine neue Ära eingetreten ist. Wenngleich die Sommermonate in Tunesien von einer gewissen politischen Stagnation und immer offensichtlicher werdenden Gefahren wie des Terrorismus geprägt waren, machten sich die Journalisten auf die Suche nach neuen Themen, die zwangsläufig ausgetretene Pfade verlassen wollten und sollten. Dass dabei das Schicksal der beiden ermordeten Oppositionspolitiker und ihrer Familien zum Thema wurde, bestätigt dies nur. Denn auf die Familien, und wie sie mit dem Verlust umgehen, schauen nur wenige.

Die Revolution hat vieles verändert – das zeigen sowohl die Geschichten, die sich dem Privatleben mancher Aktivisten widmen als auch den Journalisten, die sich im dritten Jahr der Umbrüche mit Blich auf die Presse- und Medienfreiheit auch neuen Herausforderungen gegenüber sehen.

OpTunisme wirft Licht auf Bereiche, die sonst weniger belichtet werden; vor allem ist es aber auch ein Magazin, das von der intensiven Auseinandersetzung der Recherchierenden untereinander zeugt. Dadurch ist es zugleich ein Nachweis inter-kultureller Auseinandersetzungen, die die Teilnehmer hat immer enger zusammenwachsen lassen. Dass trotz der Hindernisse, der Rückschritte und der Gefahren, die auf dem Weg zu einem demokratischen und rechtsstaatlich verfassten Staat drohen, Hoffnung überwiegt, ist nicht einem irgendwie gearteten Zweck-Optimismus geschuldet, sondern der Erfahrungen und Begegnungen mit den Menschen vor Ort und ihren Geschichten.

Und so können die Tunesierinnen und Tunesier den dritten Jahrestag der Revolution gewiss nicht mehr in der ersten Euphorie verbringen, aber mit einer Portion berechtigter Hoffnung. Oder wie es der Vorsitzender der KAS und ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Dr. Hans-Gert Pöttering MdEP, bei seinem jüngsten Tunesien-Besuch Anfang Januar zusammenfasste: „Tunesien hat alles, was es zum politischen Erfolg braucht!“

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