In Israel war Reuven Pedatzur, ein ehemaliger Kampfjetpilot, weithin bekannt und hoch geschätzt als führender Militär-Analyst der Tageszeitung Haaretz und als Gastgeber der Sendung „The Security Strip“ im sehr angesehenen israelischen Armeeradio.
Mit einer politikwissenschaftlichen Arbeit über „The Influence of ‚Decision Kitchens’ on National Security Decision-Making: The Eshkol Government and the Territories, 1967-1969“ war er 1992 an der Universität Tel Aviv zum PhD promoviert worden. Von 1993 bis 1994 war er Gastwissenschaftler am Center for Srategic Studies des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Später lehrte er an der Universität Tel Aviv und am Netanya Academic College. Zudem arbeitete er als Flugkapitän bei den Arkia Airlines.
Zu den Themen, mit denen sich Reuven Pedatzur auf publizistischer und akademischer Ebene befasste, gehörten Raketenabwehr, Kernwaffen und andere nicht-konventionelle Waffen, die strategische Doktrin der Israelischen Streitkräfte (IDF) und verschiedene Aspekte des israelisch-palästinensischen Konflikts. Seine Publikationen und Debattenbeiträge zeugen von großer Sachkenntnis und scharfem analytischen Verstand.
Reuven Pedatzur zeichnete sich durch intellektuelle Unbestechlichkeit aus. Er scheute sich nicht, Entwicklungen der israelischen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die er für falsch hielt, offen zu kritisieren. Seine Kritik entsprang einer tiefen Loyalität zum eigenen Land. Er war ein großer israelischer Patriot, der jede Form von aggressivem Nationalismus ablehnte. Er war ein Weltbürger, der für ein offenes, eng mit Europa verbundenes und in die Region integriertes Israel eintrat.
In den vergangen Wochen sprach Reuven Pedatzur gleich zweimal auf Veranstaltungen der Konrad-Adenauer-Stiftung: am 6./7. April 2014 in Istanbul bei einer türkisch-deutsch-israelischen Kooperationstagung der KAS Türkei, der Bahçeşehir-Universität, des Netanya Academic College und des Aspen Institute; am 9. April 2014 in Jerusalem bei einer Konferenz der KAS Israel, der Genfer Initiative und des Netanya Academic College über Grundsatzfragen der gegenwärtigen Friedensgespräche und über die regionalen Auswirkungen der Gründung eines Palästinenserstaates.
Die von der KAS Israel unterstützte, aus einem EU-Projekt hervorgegangene Studie „The regional implications of the establishment of a Palestinian state“ ist ein bleibendes Zeugnis für das weitsichtige politische Engagement Reuven Pedatzurs.
Wir hatten noch viele Pläne mit ihm. Wir werden sein Andenken nicht zuletzt dadurch ehren, dass wir zusammen mit dem S. Daniel Abraham Center for Strategic Dialogue in seinem Sinne weiterarbeiten werden.