Veranstaltungsberichte

20 Jahre Wiedervereinigung - Konrad Adenauer und die Deutsche Einheit

von Ralf Altenhof
Veranstaltungsbericht

Das BWK Bremen unternahm im Frühjahr eine Studienreise nach Cadenabbia - dorthin, wo Konrad Adenauer von 1957 bis 1966 mehrmals seine Arbeitsurlaube verbrachte.

"20 Jahre Wiedervereinigung - Konrad Adenauer und die Deutsche Einheit" lautete das Thema.

Zu den Referenten gehörten u. a. Hartmut Perschau, bis vor kurzem stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Bremen, sowie Jürgen Bubendey, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Mailand.

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Die Teilnehmer der Cadenabbia-Reise

Christopher Beckmann zeigte, wie früh (nämlich 1919) Konrad Adenauer schon ein Befürworter der europäischen Integration war. Die Haltung des ersten deutschen Bundeskanzlers zur deutschen Frage umschrieb der Mitarbeiter des Archivs der christlichen Demokratie in Sankt Augustin mit der Trias: "Freiheit, Frieden, Einheit - und zwar in dieser Reihenfolge".

Beim Bundestagswahlkampf 1961 standen sich die beiden Spitzenkandidaten Konrad Adenauer und Willy Brandt gegenüber. Beckmann kommentierte dies folgendermaßen: "Wiewohl der 'Alte' die Wahl gewann, sah er gegenüber dem wesentlich jüngeren Kanzlerkandidaten der SPD im wahrsten Sinne des Wortes alt aus".

In diesem Moment sprang die Tür des Kaminzimmers in der Villa La Collina auf - als könnte der "Geist" des "Alten" mit dieser Deutung schwerlich einverstanden sein.

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Hartmut Perschau

Hartmut Perschau, der von 1991 bis 1993 als Innenminister in Sachsen-Anhalt fungierte, berichtete von seinen Erfahrungen aus den neuen Bundesländern. Er sieht in der deutschen Einheit eine Erfolgsgeschichte - gemessen an den Hypotheken der deutschen Historie.

Denn man müsse stets wissen, wo man herkommt, um die Gegenwart korrekt einzuschätzen. Perschau warnte vor der "Mischung aus Hybris und Arroganz" mit der bisweilen aus dem Westen auf die neuen Bundesländer geblickt werde. Sein Fazit wies den ehemaligen Politiker als Optimisten aus: In knapp elf Monaten nach dem Mauerfall wurde die deutsche Einheit erreicht. Das sollte man nicht unterschätzen.

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Jürgen Bubendey

Der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Mailand, Jürgen Bubendey, zeichnet für den Norden Italiens verantwortlich. Er unterstützt z. B. deutsche Firmen bei der Ansiedlung in Italien und steht mit Rat und Tat bei auftretenden Problemen zur Verfügung. Bubendey gewährte einen tiefen Einblick in die italienischen Verhältnisse, gleichsam in eine ganz andere politische Kultur. Wiewohl der Norden Italiens sehr reich sei, gebe es - anders als in Deutschland - kaum Sozialneid.

Als problematisch erachtet Generalkonsul Bubendey die mangelhafte Aufarbeitung des Faschismus sowie die korrupte Justiz in Italien.

Die Studienreise des BWK Bremen bot über die Vorträge hinaus hinreichend Gelegenheit, die Gegend um Cadenabbia zu erkunden - etwa durch eine Fahrt auf dem Comer See, einen Ausflug nach Bellagio, eine Wanderung zur Kapelle San Martino oder eine Besichtigung Mailands.

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