Veranstaltungsberichte

Wie das Internet unser Denken verändert

von Matthias Busse, Ralf Altenhof
Das Internet gewinnt kontinuierlich an Einfluss auf unser tägliches Leben. Kaum eine Tätigkeit ist ohne Online-Angebote überhaupt noch vorstellbar. In der Podiumsdiskussion „Wie das Internet unser Denken verändert“ referierten Dr. Hendrik Speck, Professor für Digitale Medien an der FH Kaiserslautern, und Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur des Computermagazins c't, vor über 100 Gästen über Veränderungen in der Gesellschaft und des Denkens, die mit dem Internet einhergehen.

Jürgen Kuri zitierte Prof. Weizenbaum, einen Informatiker, der das (zu) schnelle Fortschreiten in das Informationszeitalter immer wieder kritisierte: „Das Ganze ist ein riesiger Misthaufen, der Perlen enthält“. Diese provokante Aussage war der Startschuss zu einer anregenden Debatte. Als eine Kernthese stellt sich die Frage nach dem Herausfiltern der „richtigen“ Informationen – der Perlen. Die Informationsflut sei zugleich Segen und Fluch und besonders hier offenbare sich der Wandel des Denkens. Teile der jüngeren Generation stellen sich zu selten die Frage, aus welchen Quellen sie ihr „Wissen“ beziehen.

Prof. Speck führte an, dass staatliche Zensur kein Heilmittel sei, um auf „unliebsame Aspekte im Netz“ zu reagieren. Vielmehr müsse sich die Politik auf die neue Denkweise einstellen. Prof. Speck illustrierte dies an dem Beispiel der Einführung des Automobils. Auch diese Erfindung veränderte die Gesellschaft grundlegend und initialisierte einen Prozess der Anpassung und Regulierung in Form von Verkehrsregeln. Reibungskonflikte werden nicht ausbleiben, aber gerade diese Auseinandersetzungen fördern das öffentliche Bewusstsein. Kuri zeigte, wie das Internet auch als Lösung für die vom Internet ausgelösten Probleme fungieren kann. Facebook – das größte soziale Netzwerk im Internet – wurde durch Initiativen, organisiert auf dieser Plattform selbst, dazu gedrängt, Datenschutzbestimmungen nicht zum Leid der Konsumenten zu verändern.

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Jürgen Kuri

Das Internet stellt auch einige fundamentale Werte und Normen in Frage, welche die Gesellschaft und das Denken nachhaltig verändern könnten. Die beiden Gastredner veranschaulichten diesen Wandel anhand der aufgekommenen „Sharing-Kultur“. Geistiges Eigentum wird im Internet weniger beachtet oder sogar komplett abgelehnt. Der Fall der Musikindustrie ist hier ein Beispiel. Prof. Speck stellte indes klar, dass Tauschen von Produkten keine Unsitte sein muss, wenn die eigentliche kreative Person für seine Arbeit weiter entsprechend entlohnt wird. Dieses kontrovers diskutierte Thema zeigte, obgleich beide Redner eine ähnliche Grundeinstellung haben, dass sie in speziellen Themenbereichen gegensätzliche Auffassungen vertraten.

Die Ausführungen boten zahlreiche Denkanstöße für weitere, tiefergehende Diskussionen. Veranstaltungsteilnehmer hatten noch viele Fragen und eigene Kommentare auf dem Herzen, so dass viele Gäste nach Veranstaltungsschluss blieben, um mit den Rednern angeregt zu diskutieren.

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