Veranstaltungsberichte

Hannah Arendt: Reflexionen über die moderne Gesellschaft

von Peter Hefele

Ein Workshop mit chinesischen und deutschen Experten

Am 21. Januar 2015 veranstaltete die KAS Shanghai einen Workshop anlässlich der Übersetzung des "Arendt-Handbuchs". Experten aus Deutschland, China und Taiwan diskutierten die Relevanz Hannah Arendts im modernen China und Europa.

Was ist unsere Rolle und Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger in der modernen Gesellschaft? Wie sieht ein sinnvoller Gebrauch von Freiheit aus? Anlass dieser Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung am 21. Januar 2015 in Shanghai war die Veröffentlichung einer chinesischen Ausgabe des "Arendt-Handbuches".

Wolfgang Heuer, einer der Herausgeber dieses Kompendiums, führte in seinem Eröffnungsvortrag zum Wirken Hannah Arendts in die zentralen Begriffe ihres philosophischen Ansatzes ein: Denken–Urteilen–Handeln. Eine Kette, die den Spannungsbogen vom Individuum über die Gesellschaft hin zu aktiven politischen Engagement beschreibt. In dem Zusammenhang betonte Heuer auch die Bedeutung von "Anständigkeit" im Umgang miteinander. Gerade heute sei dies in der Auseinandersetzung mit Rassismus und sozialer Diskriminierung wichtig. Nur Respekt, Offenheit, Flexibilität und Empathie gegenüber dem Fremden ermögliche ein friedliches Miteinander, auch auf globaler Ebene.

Arendt hat in ihren Werken immer wieder scharfe Kritik an der klassischen politischen Philosophie geübt. Ziel müsse das politische Handeln sein – gestützt auf ein kritisches Denken und Urteilen. Hier sieht sie einen engen Zusammenhang mit der Sicherung und Ausübung von Freiheit. Diese konstituiert sich eigentlich erst im politischen Raum und ist mehr als ein bloßes Abwehrrecht. Dabei greift sie auf die Tradition der klassischen athenischen Demokratie zurück und analysiert die Gefahren, die dem modernen Menschen in der Massengesellschaft drohen. Diese zeichnet sich durch den Verlust von Individualität und ökonomische „Verzweckung“ des Menschen aus. Einem unkontrollierten Zuwachs an materiellen Wohlstand gilt es, soziale Verantwortung gegenüberzustellen und einzufordern.

Für die Gegenwart uneingeschränkt gültig bleibt die Erkenntnis Arendts, dass der Rückzug in den privaten Raum gegen die Pflicht zu verantwortungsvollem Handeln im öffentlich-politischen Raum verstößt. Jedoch steht Politik ebenfalls in der Pflicht, den Raum für Dialog und Mitspracherechte zu schaffen. In dieser Hinsicht stehen Europa und in China vor großen, teilweise sehr unterschiedlich gelagerten Herausforderungen.

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Tim Wenniges