Seminar

Schule der Christlichen Demokratie – das zweite Treffen

Nach dem ersten Treffen der Schule der Christlichen Demokratie fand am Samstag, den 07. Mai in den Räumlichkeiten der Konrad Adenauer Stiftung das zweite Treffen zum Thema Christliche Demokratie aus dem Blickwinkel der christlichen Kirchen statt.

Details

Das Ziel dieses Treffens war, den Begriff der Christlichen Demokratie aus der theologischen und kirchlichen Perspektive der drei christlichen Konfessionen zu erläutern: der Orthodoxen, der Römisch-Katholischen und der Protestantischen.

Der erste Referent war der Erzpriester Prof. Dr. Radovan Bigovic, der zum Thema Christliche Demokratie aus dem Blick der Orthodoxen Kirche sprach. Der Vortrag dieses exzelenten Professors der Orthodoxen Theologischen Fakultät in Belgrad fing mit der Analyse des Verhältnisses des Christentums und der Demokratie an, wobei er auf die Unterschiede zwischen diesen zwei Phänomenen hinwies. Prof. Bigovic hat die Antonomie der Kirche und der Demokratie hervorgehoben wie auch die Kritik der Christlichen Demokratie, wenn es um praktische Politik geht, indem er das Beispiel der Abstimmung der Christlichen Demokraten über das Gesetz über Abtreibung im Parlament nannte. Neben der Kritik an der Christlichen Demokratie hat er auch Gründe erwähnt, die für die Christliche Demokratie sprechen. In der ersten Linie handelt es sich hier um das Recht der christlichen Gläubigen auf die Profilierung und Expression ihrer politischen Ansichten, die auf ihrer Weltanschauung und ihrem Glauben basieren. Darunter ist auch der Begriff der „Theodemokratie“ zu verstehen, über den schon in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts Mitropolit aus Montenegro Dr. Amfilohije Radovic gesprochen hat. Neben diesen Argumenten wurde auch die Bedeutung der russischen religiösen Philosophen und Denker erwähnt.

Nach einem sehr informativen, kritischen und inhaltsreichen Vortrag von Prof. Bigovic fand eine dynamische Diskussion statt, in der eine ganze Reihe von Fragen eröffnet wurde. Die erste Frage bezog sich auf die Säkularisierung der Gesellschaft und die zweite auf die Position der Agnostiker in der Gesellschaft und die Einstellung der Kirche gegenüber einer solchen Weltanschauung. Prof. Bigovic meint, dass man das Göttliche und das Menschliche nicht trennen sollte und dass der Ausweg sich im göttlich-menschlichen Realismus befindet. Die Antwort auf die zweite Frage war, dass die agnostische Einstellung, auch wenn sie nicht in Einklang mit dem orthodoxen christlichen Blick auf die Welt steht, trotzdem manchmal eine nützliche Kritik sein könnte und dass man sie manchmal respektieren sollte.

Die Diskussion entwickelte sich immer weiter und die Fragen, die gestellt wurden bezogen sich auf die Einstellung der Kirche gegenüber der Arbeit wie auch auf ihre Einstellung gegenüber der Armut und des Reichtums, ferner bezogen sie sich auf die Probleme des Nationalismus in der Kirche, die Globalisierung und die Politik, sowie auf die Parallele zwischen der christlichen und der liberalen Position, um abschließend wurde die Frage in Bezug auf den Schutz der Rechte des ungeboreren Kindes gestellt.

Es gab keine Zeit, an die vielen und komplexen Fragen länger zu antworten, so dass nur kurz auf alle Fragen eingegangen wurde. Die Kirche betet auch für „die Fülle der Früchte der Erde“, so dass man nicht den Schluß ziehen kann, dass der Reichtum im Gegensatz zur Othodoxie steht. Reichtum und Armut können auf gute und schlechte Weise genutzt werden. Wenn es um die Globalisierung geht wurde gesagt, dass die Serbische Orthodoxe Kirche keine öffentlich formulierte Stellungnahme zu diesem Phänomen vertritt. Die letzte Antwort stand in Zusammenhang mit der Abtreibung und es wurde unterstrichen, dass Verbote nicht die Lösung dieses Problems sein können sondern nur das Zeugnis, dass das Leben mit dem Augenblick der Zeugung anfängt.

Der zweite Referent war Vater Bela Halas, der Pastor der Reformatorischen Christlichen Kirche zum Thema Christliche Demokratie aus dem Blick der Protestantischen Kirche. Vater Bela hat seinen Vortrag mit der Behauptung angefangen, dass für die Christen die „Christokratie“, die Herrschaft des Christus das Beste sei. Dann sprach er über die Grundlagen des Protestantismus, der Reformatorischen Kirche wie auch über ihre Position gegenüber der Demokratie. Er sagte, dass die Christen am politischen Leben teilnehmen sollten und dass sie nicht passiv sein können wenn es um Politik geht. Die Christen sollen ihre gesellschaftlichen Beziehungen sowie ihre Beziehungen zum Staat in Einklang mit der Botschaft über die Liebe zum Gott und die Nächstenliebe aufbauen und sie sollten dabei nicht nur ihre Rechte sondern auch ihre Pflichten berücksichtigen.

Nach dem Vortrag des Pastors Bela Halas hat Monsignor Dr. Andrija Kopilovic seinen Vortrag Christliche Demokratie aus dem Blick der Römisch-katholischen Kirche gehalten. Der Vortrag fing mit der Geschichte über die Einstellung des Menschen zur Freiheit an wobei die Tatsache betont wurde, dass der Mensch als freie Person geschaffen wurde. Ein richtiges Beispiel der Demokratie, die aus der christlichen Tradition herauswächst, sind für Monsignor Kopilovic kleine Mönchengesellschaften, denen der Mensch freiwillig beitritt und in denen er sich um das Allgemeinwohl kümmert. Er sagt, dass die römisch-katholische Kirche heutzutage die Demokratie unterstützt und dass sie in der Vergangenheit die totalitären Regime des Faschismus, National-sozialismus und Kommunismus nicht offiziel unterstützt hatte. Die Wahrheit ist der wichtigste Bestandteil der Demokratie und gerade junge Menschen sind diejenigen, die heute die Entwicklung der Demokratie auf der Grundlage der Wahrheit unterstützen sollen. Er hat allen Teilnehmer der Schule der Christlichen Demokratie empfohlen sich mit der Soziallehre der katholischen Kirche bekanntzumachen, in der die Verhältnisse zwischen der Kirche, dem Staat und der Gesellschaft näher erklärt werden. (Die Konrad Adenauer Stiftung hat die Herausgabe der Soziallehre der römisch-katholischen Kirche in 2006 unterstützt).

Nach dem Vortrag von Monsignor Kopilovic fand eine neue Debatte statt, in der die Teilnehmer die Möglichkeit genutzt haben, viele Fragen zum Thema der interreligiösen Zusammenarbeit, des Dialogs und der Gemeinsamkeit zu stellen, wie auch über die Bedeutung der Enzyklika RERUM NOVARUM für die Entwicklung der Arbeiterrechte, ihrer Einstellung zu Familienwerten, der Säkularisierung des europäischen Kontinentes und deren Abweichung von den christlichen Werten.

Auf die Fragen über das Familienleben hat Pastor Bela Halas (Vater von fünf Kindern) Antworten aus der Bibel gegeben und hat erwähnt, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau ihre Wurzeln ebenfalls in der Bibel hat.

Monsignor Kopilovic ist inspiriert und begeistert auf die Fragen eingegangen und hat besonders betont, dass die Krise in Europa sehr ernst sei und dass „diese Krankheit tödlich sei“. Die Säkularisierung und der Abzug der Europäer aus dem Christentum kann Nichteuropäischen Völkern die Möglichkeit geben, dem Christentum beizutreten. Dabei hat er die Werte der nichteuropäischen Zivilisationen und Kulturen wie der chinesischen, der japanischen und der lateinamerikanischen betont. Was Monsignor Kopilovic besonders beachtet hat, ist die Rolle der Jugendlichen in der Gesellschaft und den Optimismus, die Hoffnung und den Glauben, den sie mit sich tragen.

Das dritte und letzte Seminar der Schule der christlichen Demokratie wird am Samstag, dem 28. Mai zum Thema Christliche Demokratie heute in Serbien und in Deutschland stattfinden. Als Referenten haben wir Herrn Vlajko Senic aus den Vereinigten Regionen Serbiens, Herrn Petar Petkovic aus der Demokratischen Partei Serbiens und Christophe Darley aus der CDU eingeladen.

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Belgrad

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