Seminar

Schule des Investigativen Journalismus

Die Konrad-Adenauer-Stiftung Belgrad startete in diesem Jahr gemeinsam mit der Zeitschrift „Vreme“ eine Schule des Investigativen Journalismus. Die von Februar bis Juni 2009 dauernde Schule fand in zwei Kursen statt,

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und bot mehr als zwanzig derzeitigen und künftigen Journalisten allgemeine theoretische Inhalte sowie Tipps und Tricks aus der Praxis an. Referenten und Trainer waren hochqualifizierte Journalisten. Da derartige Möglichkeiten zur Ausbildung in Serbien leider sehr selten sind, wurde diese Schule durch die Teilnehmer als Bildungsangebot hochgeschätzt.

Die Zeitschrift „Vreme“ erscheint seit 1990 und gehört seit jeher zu den Medien mit sehr kritischer Berichtserstattung gegenüber der offiziellen Politik. Ebenso typisch für „Vreme“ ist, dass immer Themen aufgegriffen werden, die am Rande der alltäglichen politischen Agenda stehen, aber von großer Wichtigkeit für die Gesellschaft sind. Vor diesem Hintergrund ist „Vreme“ für diese Kooperation ein ausgezeichneter Partner.

In der journalistischen Aus- und Weiterbildung an den traditionellen Bildungseinrichtungen in Serbien fehlt meist der Praxisbezug. Journalismus-Akademien oder Journalistische Schulen, die in westlichen Ländern oft von Verlagshäusern gegründet werden, um den journalistischen Nachwuchs zu rekrutieren und professionelle Pressearbeit zu fördern, haben sich noch nicht entwickelt. Deshalb führte die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Belgrad in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Vreme“ die Schule des Investigativen Journalismus mit dem Ziel durch, den teilnehmenden Journalisten das journalistische Rüstzeug zu vermitteln und ihren Umgang mit vielfältigen Themen zu Professionalisieren.

Die Schule des Investigativen Journalismus fand in den Räumen der Wochenzeitschrift „Vreme“ statt. Insgesamt wurden zwei Kurse durchgeführt, die alle jeweils aus Vorträgen und Diskussionen bestanden. An Hand von kurz gefassten theoretischen Einführungen in das jeweilige Thema, von Diskussionen und mit praktischer Medienarbeit wurde allgemein die Wirkungsweise der Medien erläutert, sowie der kritische Umgang mit bestimmten Themen vermittelt. Neben den bekannten Journalisten der Zeitschrift „Vreme“, die als Referenten fungierten, wurde zusätzlich noch eine Anwältin eingesetzt, die den Teilnehmern einen Einblick in die Mediengesetze, in das Strafgesetz sowie in die gesetzlichen Rechte und Pflichten der Journalisten verschaffte.

Im ersten theoretisch-thematischen Teil der Schule wurden folgende Themen angespro-chen:

Einführung in den investigativen Journa-lismus

Internet – Praktische Anwendung

Verhaltensweise des Journalisten vor Ort

Verwendung von Fotografien, Unterlagen, Stenogrammen

Verwendung von persönlichen und öffentlichen Unterlagen

Journalistische Teamarbeit – Bedeutung und Regeln

Auseinandersetzung mit einem unbekanntnen Thema

Auseinandersetzung mit einem heiklen Thema

Wie „Vreme“ gemacht wird

Anfertigen eines Aufsatzes

Fallstudie

Advertising, Marketing und PR in Medien

Rechtliche Aspekte der journalistischen Arbeit

Technik der Gesprächsführung und des Interviews

Auswahl und Überprüfung von Informationen.

Nach diesem zweiwöchigen theoretisch-thematischen Teil, begannen die Teilnehmer in Koordination mit Mentoren ihre Recherche zu ausgewählten Themen und erprobten dabei, wie man möglichst vielen Facetten eines Themas gerecht werden kann. In diesem zweiten Bestandteil der Schule übten die Teilnehmer den Einsatz der im ersten Teil erlernten journalistischen Werkzeuge.

Dritter Teil der Schule war das Anfertigen von Aufsätzen, die dann in der Wochenzeitschrift „Vreme“ veröffentlicht wurden:

Interreligiöser Dialog: „Gegebenenfalls vom Staat getrennt“, vom 2.4.2009.

Elektronik und Kinder: „Nomofobie und andere Krankheiten“, vom 9.4.2009.

Psycho-Profil der Studenten: „Wachsen, Freiheit und die Folgen“, vom 16.4.2009.

Spezialeinheiten in Serbien: „Geübt für Alles“, vom 28.5.2009.

Spezialeinheiten in Serbien: „Fallschirmjäger, Taucher, Pfadfinder, Diversant und `Kobra`-Einheit“, vom 4.6.2009.

Studieren in Serbien: „Die fünf besten Fakultäten“, vom 11.6.2009.

Diese Schule besuchten Personen, die den Einstieg in den Journalismus finden und das Handwerk des journalistischen Schreibens von Grund auf erlernen wollten. Andererseits war diese Schule auch geeignet für Personen, die bereits in einem Fachgebiet ausgebildet sind, ihre Fachkenntnisse aber auch journalistisch publizieren wollten.

Die Teilnehmer der Schule bewerteten diese Kurse als sehr gut durchorganisiert. Laut ihren Auswertungen waren sie „begeistert, von ausgezeichneten Journalisten, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen uneigennützig vermitteln wollten, unterrichtet werden zu dürfen“. Besonders die Zusammenarbeit mit den „Vreme“-Journalisten beeindruckte die Teilnehmer, da sie „diese Journalisten bisher für unantastbar gehalten haben“. Die Teilnehmer wiesen auf die Offenheit der „Vreme“-Redaktion hin, denn es sei sehr selten, dass eine Redaktion gern ihre Türen für künftige Journalisten öffnet. Entgegen ihrer einstigen Erwartungen konnten die Teilnehmer „unglaublich“ viele praktische Ratschläge mitnehmen, so dass sich einer der Teilnehmer sehr überrascht zeigte, als er vier volle Seiten nur mit „Tipps und Tricks“ gesammelt hatte. Die Teilnehmer empfanden es als besonders interessant und gar mutig, dass „Vreme“ ihre journalistischen Beiträge publizieren möchte - besonders im Zusammenhang damit, dass die Teilnahme an den Kursen kostenlos war. Diese Entscheidung der KAS und der „Vreme“ trug zusätzlich zur Ermutigung künftiger Journalisten bei. Die Teilnehmer erwähnten nur eine einzige Tatsache negativ: Die Fotografie als sehr wichtiges, den Text ergänzendes Element wurde nicht behandelt.

Die Teilnehmer machten deutlich, dass ein enormer Bedarf für diese Form und Inhalte journalistischer Bildung besteht. Entsprechend der Stellungnahmen der Teilnehmer ist zu empfehlen, eine derartige Schule des investigativen Journalismus als ein stetiges Angebot an künftige professionelle Journalisten weiterzuführen, besonders weil sie dabei ihre Medienkompetenz weiterenwickeln können. Diese ist zugleich eine demokratische Kompetenz, denn gerade die Medien sollten zur Meinungsbildung und Schaffung einer kritischen Öffentlichkeit in Serbien beitragen.

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Venue

Belgrad

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Aleksandra Popović

Aleksandra Popović bild

Project Coordinator

Aleksandra.Popovic@kas.de +381 11 4024-163 +381 11 3285-329
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