Veranstaltungsberichte

„Alle Bezirke wachsen“

Bilanz der Stadtteilgespräche 2016

Vor einem halben Jahr wurde die Serie „Wachsende Stadt Berlin – Herausforderungen und Chancen“ ins Leben gerufen und tourte seitdem durch ausgewählte Bezirke der Hauptstadt. Bei den Diskussionsforen in Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Reinickendorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schönefeld haben die Teilnehmer ihre Wünsche und Ideen für die künftige Entwicklung ihrer Stadtteile in die Diskussion eingebracht.

Es entstand ein umfassendes Bild von den Erwartungen und Forderungen an die Stadtentwicklung und Stadtverwaltung Berlins. Bei der abschließenden Diskussionsveranstaltung in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung wurden die Ergebnisse präsentiert.

Moderator Christian Blum brachte es auf den Punkt: „Alle Bezirke wachsen, allerdings mit Wachstumsschmerzen.“ Doch die Bewohner seien positiv gestimmt und erfreut über die Möglichkeiten, die ihnen ihr Kiez biete. Wo nun die Herausforderungen und Chancen liegen und wie die Vorschläge umgesetzt werden können, erläuterten Fachexperten zu den einzelnen Themenschwerpunkten.

Verkehr

  • Viele Kiezbewohner fordern den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs insbesondere in den Randbezirken sowie den Ausbau der Radwege. Kai Wegner MdB, Großstadtbeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sprach sich dafür aus, dass Berlin vom Beispiel Kopenhagen viel lernen könne. Dort werden Radwege geschaffen ohne dabei den Autoverkehr lahm zulegen. Es gebe dort kein entweder oder. Er warb für einen „fairen Mix der Mobilität“. „Wir brauchen eine Baustellenkoordinierung um dem Stauaufkommen Herr zu werden.“

Sicherheit

  • Ordnungswidrigkeiten, Verwahrlosung des öffentlichen Raumes, Vandalismus, gestiegene Einbruchszahlen und Drogenhandel verunsichern viele Bürger. Sabine Schumann, Polizeihauptkommissarin und stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Berlin, appellierte an die Bürger, wachsam zu sein und auffällige Vorgänge der Polizei zu melden. „Wir sind auf ihre Mithilfe angewiesen“, sagte sie. Als ein Leuchtturmprojekt beschrieb sie die neu eingerichtete Fahrradstaffel in Mitte.

Stadtbild und Wohnen

  • Die Sorge der Bürger über steigende Mieten wächst. Auch das Thema Eigentumsquote und wie man damit umgehen sollte, treibt die Bewohner der Kieze um. In Bezug auf das Stadtbild sind Parks, Kinderspielplätze oder Hochhäuser ein viel diskutiertes Thema.
  • Stefan Evers MdA, stellvertretender Vorsitzender und Sprecher für Stadtentwicklung der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sprach sich für den Erhalt der Eigentumswohnungsquote aus. Neben Familiendarlehen, Wohnungsbauförderung und dem Erhalt der landeseigenen Grundstücke setzt er sich auch für die Digitalisierung des Kudamms ein. Um mehr Wohnraum zu schaffen, sprach er sich für die Nutzung von Supermarktparkplätzen aus. Senat, Bezirke und Betreiber müssten an einen Tisch geholt werden um die Parkplätze in den Untergrund zu verlagern um so mehr Wohnraum zu schaffen.
  • Zum Stadtbild gehört auch die Club- und Kreativitätsszene. Während in den 1990er Jahren viele Gebäude brach lagen und sich daraus die Kultur- und Musikszene etablieren konnte, steht sie heute vor großen Herausforderungen. „Die Orte werden weniger und teurer“, bemängelte Marc Wohlrabe von der Clubcommission. Neue innovative Finanzierungsmöglichkeiten müssten entwickelt werden, damit auch das Kulturbedürfnis im Innenstadtring abgedeckt werden.

Digitalisierung

  • Im Bereich Digitalisierung und Smart City ist auf dem Kudamm einer der ersten Schritte getan. Neben LED-Werbeflächen gibt es Internetsurfstationen an manchen Bushaltestellen. Doch Prof. Dr. Ina Schieferdecker, Direktorin des Frauenhofer Instituts, geht einen Schritt weiter. „Wir brauchen digitale technologische Lösungen für den urbanen Raum z.B. zur Kriminalitätsprävention". Darüber hinaus müsste mehr open data für die Auswertung und Nutzung veröffentlicht werden. Für Bürger, die die digitalen Medien nicht nutzen, werde derzeit jede Entwicklung auch analog mitgedacht und bereitgestellt. Mit Blick auf Datensicherheit dürfe der Dialog mit dem Bürger nicht fehlen. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs darüber, in welche Richtung sich die Technik entwickeln soll“, betonte sie.