Veranstaltungsberichte

„In Spandau wohnen und in Hamburg arbeiten“

Das Stadtteilgespräch Spandau zeigte, welche Rolle Mobilität und eine gute Verkehrsinfrastruktur spielen

Spandau besitzt zwar keinen eigenen Flughafen. Die Berliner Airports haben jedoch eine große Bedeutung für den wachsenden Stadtteil. So hängt vieles von der Eröffnung des BER und der Schließung von Tegel ab. Doch auch die Rolle des Spandauer Fernbahnhofs und der Schienenanbindung sind nicht zu unterschätzen.

„Wem alles gelungen ist, der hat nichts versucht“: Volker Hassemer ist der Vorsitzende der Stiftung Zukunft Berlin. Er ist Beobachter und Akteur zugleich, unter anderem war er Senator für Stadtentwicklung und Umwelt. Auch in Berlin sei in den letzten Jahrzehnten vieles misslungen: „Ich kann Ihnen aufzählen, was alles nicht gelungen ist“, so Hassemer.

Vieles aber klappte: Den Flugplatz Tegel errichteten die Alliierten 1948 beispielsweise innerhalb von 90 Tagen. Und auch für die Flughafenanlagen Tegel-Süd ging es für heutige Verhältnisse schnell: 1970 Baubeginn, 1974 Eröffnung. Für Rita Schorpp von der Konrad-Adenauer-Stiftung bedeutete das: „Die Berliner können zupacken.“ Sie begrüßte die Gäste im Novum Winters Hotel Spiegelturm. Hier, in der 15. Etage, konnten die Spandauer den Blick schweifen lassen – und Spandau beim Wachsen zusehen.

„Seit 2010 explodiert die Stadt.“

Denn: Der Stadtteil vergrößert sich gewaltig – und zwar um bis zu 55.000 Menschen bis zum Jahr 2030, glaubt man den Prognosen. Momentan hat der kleinste Berliner Bezirk 200.000 Einwohner, sagt Matthias Brauner. Er ist der Sprecher für Bauen und Wohnungspolitik der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und seine Biografie ist seit Schülertagen im Schwerpunkt von Berlin geprägt. Für ganz Berlin seien es sogar 30.000 bis 40.000 neue Bewohner jedes Jahr: „Seit 2010 explodiert die Stadt.“

Baupotenziale biete vor allem die Wasserstadt. Ihre Attraktivität steige, sobald kein Flugzeug mehr über sie hinwegfliege, so Brauner. In diesem Beispiel spiegelt sich Spandaus Abhängigkeit von einem gelingenden BER: „Wir Spandauer haben maßgebliches Interesse daran, dass dort alles gut läuft“, so Brauner. Und wenn Tegel schließt, werde auf dem Flughafengelände gebaut, es entstehen Wohnungen und die Beuth-Hochschule zieht mit etwa 6.000 Studienplätzen ins Terminal ein.

„Strengen Sie sich an, Berlin hat es verdient.“

Natürlich gibt es auch Probleme, berichtet Brauner. So sei Spandau von den Außenbezirken schlecht mit der Schienenanbindung versorgt. Doch eine gute Wohnungspolitik und der Bau von 20.000 Wohnungen würden ein gutes Argument für einen Infrastruktur-Ausbau liefern. Und auch der ICE-Anschluss des Fernbahnhofs habe seine Berechtigung: So könnten Menschen in Spandau wohnen und in Wolfsburg oder Hamburg arbeiten.

Gewaltige Herausforderungen kämen auf die Bezirke zu, und ob die Anstrengungen die Berliner Verwaltung überforderten, ist eine Frage: „Mit einer schrumpfenden Verwaltung kann ich keine wachsende Stadt machen“, so Brauner. Tatsächlich habe Berlin „Verwaltung trainiert“, befand Hassemer. Deswegen forderte er unternehmerisches Handeln, das zu mehr Erfolg führen kann. Seine Bitte: „Strengen Sie sich an, Berlin hat es verdient.“