Veranstaltungsberichte

„Unglaubliche Verdichtung von Gedenktagen“

Das DHM ist für das Super-Jubiläumsjahr gut gerüstet

Das Jahr 2014 ist ein besonderes Jahr in der Erinnerungskultur, bündelt es doch so viele geschichtsträchtige Jubiläen wie selten zuvor.

Den Anfang macht der zehnte Jahrestag der EU-Osterweiterung (1. Mai 2004). Es folgen der hundertste Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges (28. Juli 1914), der 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges (1.9.1939) und schließlich der 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer (9.11.1989). Institutionen, die sich auf das Erinnern spezialisiert haben wie etwa das Deutsche Historische Museum, das sich zudem der „Aufklärung und Verständigung über die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Europäern“ verpflichtet, kommt 2014 somit schon qua Auftrag eine besondere Rolle zu.

Wie diese aussieht und wahrgenommen werden wird, das berichtete in der Reihe „Frühstücksgespräche“ der Akademie der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum Berlin, Prof. Dr. Alexander Koch. Er sprach von einer unglaublichen Verdichtung von Gedenktagen, an die das DHM erinnern wolle. Auch wenn vieles derzeit noch „work in progress“ sei und sich „manches noch entwickeln“ müsse, verriet er, dass sich sein Haus nicht einseitig auf ein Thema stürzen wolle. Zwar könne man schon wegen der öffentlichen Erwartungshaltung gar nicht anders als „auf vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen“ aber man sei gut beraten, „das eine zu tun und das andere nicht sein zu lassen“, so Koch. Mit einem fast schwindelerregenden Maßnahmenpaket werde man alle Jubiläen des sogenannten „Europäischen Jahres der Zeitgeschichte“ gebührend würdigen. Ob Ausstellungen, Projekte, Tagungen, Veranstaltungen; ob in Berlin, im gesamten Bundesgebiet oder europaweit; ob in Fotografie, Originaldokumenten und –objekten; ob analog oder digital – für jeden Geschmack in (fast) jeder Region wird etwas dabei sein.

Besonderes Augenmerk legt das DHM auf den Ersten Weltkrieg, stellt dieser doch die Kulminationskatastrophe des 19. Jahrhunderts und Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts dar. Die am 5. Juni beginnende halbjährige Sonderausstellung - laut Koch die einzige Überblicksausstellung in Deutschland - wird den Fokus auf die Eskalation der Gewalt legen und dabei stets die europäische und globale Dimension des Kriegsgeschehens im Blick behalten. Erstmalig kann dank neuer Quellenlage auch das Geschehen an der Ostfront näher vorgestellt werden.

Bei allen Jubiläen steht laut Koch vor allem ein Aspekt im Vordergrund: Es soll deutlich gemacht werden, wie stark die Geschichte des 20. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert nachwirke.

Nach dem Super-Jubiläumsjahr geht es übrigens gleich weiter: 2015 jährt sich zum 25. Mal die Deutsche Einheit, 2016 wird an das Ende des deutschen Kolonialreiches, 2017 an die Oktoberevolution und 2018 an die Weimarer Republik erinnert werden.