Veranstaltungsberichte

„Wenn sich jemand wehrt, knallst du ihn einfach ab“

von Josephine Landertinger Forero
Wenn von Krieg die Rede ist, beispielsweise aktuell in Lybien, oder auch in anderen Konfliktländern der Welt, wie Somalia oder dem Kongo, dann spricht man über Panzer, Armeen und Rebellen. In den Medien liest man, wer wen angegriffen hat, und im Fernsehen laufen Bilder von mutigen Reportern, die sich in die Kampfzonen wagen.

Doch wie erleben Kinder einen Krieg? Darüber wird kaum berichtet. Dabei sind Kinder „genauso wie Erwachsene ein gleichberechtigter Teil unserer Gesellschaft“, so Christoph Waffenschmidt. Der Vorstandsvorsitzender World Vision Deutschland will mit der Wanderausstellung „Ich krieg dich“ die Aufmerksamkeit auf die Situation von Minderjährigen in Konfliktregionen richten. World Vision würde nicht nur mit solchen Projekten ein Augenmerk auf die Rechte von Kindern lenken. Die Organisation versuche auch die Politik so zu beeinflussen, dass konkrete Maßnahmen ergriffen werden, wenn Kinder in Kriegsgebieten leiden, so Waffenschmidt. So konnte beispielsweise im Juli dieses Jahres unter deutscher Federführung eine UN-Resolution verabschiedet werden, die Sanktionen gegen Staaten verhängt, die im Krieg Schulen und Krankenhäuser angreifen.

Zur Ausstellungseröffnung in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) kam ebenfalls Thomas Just vom international agierenden Verein Grünhelme. Er berichtete über Erfahrungen aus der Feldarbeit in Ruanda und im Kongo, wo Grünhelme e. V. mit Dorfbewohnern zusammen Schulen aufbaut. „Nach einem Krieg fehlt den Menschen die Hoffnung. Wenn sie dann zusammen etwas aufbauen und mitanpacken können, zeigt es den Leuten, dass es nach vorne geht und es eine Zukunft für sie gibt.“ Kinder und Erwachsene seien dann stolz auf ihre Schule, die sie selber errichtet haben, sagte Just.

Schule und Bildung – das ist für die rund eine Milliarde Kinder, die von Kriegen und Konflikten betroffen sind, keine Selbstverständlichkeit. Von diesen, sind laut World Vision, etwa 250.000 selbst als Kindersoldaten in Kampfhandlungen involviert. Es sind 22 Länder auf der „Liste der Schande" der UN, die Minderjährige zwangsrekrutieren, wie zum Beispiel Somalia, Uganda, Indien oder Kolumbien.

Die Besucher der Wanderausstellung konnten ähnliche Informationen auf den Tafeln lesen, auf denen auch Fotos von Kindern in Kampfhandlungen zu sehen sind. Auf den zwei Meter hohen Platten stehen Zitate der Kinder, wie dieses: „Turnschuhe von adidas, Nike-Kappen und Sonnenbrillen von Ray-Ban – lauter Sachen, die du sonst nie bekommen würdest. Jetzt kriegst du sie, du musst nicht bezahlen. Wenn sich jemand wehrt, knallst du ihn einfach ab.“ Daneben ist ein Foto eines Jungen mit einer Pistole in der Hand – die Waffe auf den Betrachter gerichtet.

Die Wanderausstellung, die unter anderem bereits im Auswärtigen Amt und in der Bayerischen Vertretung in Berlin zu sehen war, macht bis zum 2. November 2011 halt in der Akademie der KAS.

Ansprechpartner

Christian Schleicher

Christian Schleicher bild

Stellvertretender Leiter Politische Bildungsforen und Leiter Politische Bildungsforen Nord

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