Veranstaltungsberichte

Sehnsucht nach Sprache

von Christian Schleicher

„Wer mehr als 2.000 SMS im Monat schreibt, wird sprachlich verkrüppeln“

In der Aula des Gymnasiums Steglitz lauschten 100 Schülern und Schülerinnen interessiert und aufmerksam dem Georg-Büchner-Preisträger Josef Winkler, der ihnen aus sein neuem Buch „Die Realität so sagen, als ob sie nicht wär oder die Wutausbrüche der Engel“ vorlas und anschließend noch lange mit ihnen diskutierte.

Er gab den jungen Menschen Einblicke in das Leben eines Autors und berichtete wie er zum Schreiben gekommen ist und was es ihm bedeutet. Da in seiner Familie kaum gesprochen wurde, entwickelte Winkler sehr früh eine Sehnsucht nach Sprache und entdeckte für sich die Welt der Literatur. Er verschlang Bücher regelrecht und über das Lesen kam er dann selbst zum Schreiben, was ihn dann auch nicht mehr losließ. „Dennoch, so Winkler, lebe man als Autor ständig mit der Angst, dass einem die Ideen ausgehen.“ Er gestand den Schülern, dass er beim Schreiben zunächst kein Konzept habe und es sehr stark darauf ankomme einen ersten guten Satz zu finden. Der Rest käme dann von allein. Seine ersten Bücher kreisen um seine Heimat Kärnten und da er diesen Stoff nahezu verarbeitet hat, reist er durch die Welt, um in interessanter Umgebung Interessantes zu finden, was sich dann in Buchform verarbeiten lässt. „Ich laufe ständig mit einem Notizblock und einem Stift in der Hand herum, schreibe mir Eindrücke in kurzen Sätzen auf, mit denen ich dann spiele. So entwickeln sich dann Geschichten, die dann zu Büchern werden können.“

Der Autor betonte, dass es beim Schreiben nicht auf die Geschichte, sondern auf die Art des Schreibens ankomme. Auf die Bedeutung der Sprache angesprochen, antwortete er: „Jeder von euch, der mehr als 2.000 SMS im Monat schreibt, wird sprachlich verkrüppeln.“

Für die größte Erheiterung sorgte der Autor, als er einen Schüler, der förmlich gebeugt zum Mikrophon schlich, um seine Frage zu stellen, folgendermaßen ansprach: Sie bewegen sich ja, als ob sie zum Schafott gehen. So schlimm bin ich ja nun auch nicht!“