Veranstaltungsberichte

Wenn Gründer eine Idee haben, aber ein Markt bereits existiert

Start-Ups aus dem Service-Dienstleistungssektor präsentieren sich in der Reihe „Erfolgsgeschichten“

Männer kaufen in der Regel nur drei bis vier Mal im Jahr neue Kleidung. Bequemer ist es da, wenn sie ihre neuen Hosen, Hemden und hippen Halstücher im Internet bestellen können. Für alle männlichen Shoppingmuffel bietet das Start-up-Unternehmen „Outfittery“ den perfekten Service: Es schickt ganze Outfits, persönlich ausgewählt, bis zur Haustür. In der Reihe „Erfolgsgeschichten“ berichteten Vertreter von „Outfittery“, „Book a Tiger“, „Blacklane“ und „Foodora“ über Wachstumsphasen, Markteroberung und Fusionen in der Akademie.

Die Idee von „Outfittery“ kam den beiden Gründerinnern Julia Bösch und Anna Alex im New-York-Urlaub. Dort lernten sie über einen guten Freund den personal shopping service für Männer kennen. Jetzt fünf Jahre später arbeiten 300 Mitarbeiter in dem Berliner Unternehmen. Kleine Boxen mit Kleidung und persönlichen Nachrichten werden an die männlichen Kunden versendet. „Mit jeder neu gepackten Box, die wir versenden, werden die Retouren weniger“, berichtete Dominic O. Gaspary, Head of New Business Development bei Outfittery. Seine Erfahrung zeige, dass Männer eher weniger zurücksenden als Frauen. Bisher beraten 150 Stylisten die Kunden per Telefon oder online. Maschinenlernen sei zwar auch ein Thema, aber: „Es geht uns um Persönlichkeit und das ist mehr Wert als der perfekte Warenkorb“, sagte Gaspary. Eine Vollautomatisierung für das Unternehmen könne er sich nicht vorstellen.

Anders sieht es da bei „Foodora“ aus. Der Essenslieferservice setzt stark auf Datenanalyse um der Dienstleistung gerecht zu werden. „Wir brauchen eine große Dichte an Kunden und Restaurants“, erklärte Julian Dames, einer der Mitbegründer. Die Herausforderung seien die Wartezeiten in den Restaurants. Die Lieferanten bringen dann das Essen per Fahrrad zum Kunden. Das Unternehmen mit 800 Mitarbeitern ist unter anderem auch in Skandinavien, Kanada und Australien vertreten. Doch dort herrscht ebenfalls große Konkurrenz.

Als der Reinigungsdienstleister „Book a Tiger“ an den Markt gehen wollte, startete „Helpling“ eine Woche vorher. Was für viele Startups der GAU wäre, sah Claude Ritter gelassen. „Mitbewerber schaffen Interesse und da kann man ein bisschen vom Windschatten des Mitbewerbers profitieren“, sagte der Mitbegründer des Unternehmens. Doch Zeit sei ein wesentlicher Schlüsselfaktor. „Wenn Gründer eine Idee haben und es existiert bereits ein Markt dafür, dann muss man sofort handeln“, gab er anderen Gründern den Tipp.

„Book a Tiger“ vermittelt Reinigungskräfte an Privathaushalte und an Firmen in Deutschland, Österreich, Schweiz und in den Niederlanden. Zuvor gründete Ritter zusammen mit seinem Business-Partner „Lieferheld“. Eine leerreiche Zeit sei dies für ihn gewesen, aber auf Dauer habe sich das Aufgabenfeld verschoben. „Ich bin jung und liebe es ein Unternehmen aufzubauen, mit dem managen kann ich dann immer noch mit 46 anfangen.“ Bei einem schnell wachsenden Unternehmen müssen viele Prozesse vereinfacht werden. Bei „Book a Tiger“ läuft vieles bereits automatisiert beziehungsweise digital ab – so auch die Schichtplanung.

Beim global agierenden Fahrdienstservice „Blacklane“ in über 50 Ländern liegt der Fokus auf Geschäftsreisenden. Der Limousinen Service ist eine gehobene Alternative zum Taxi am Flughafen. „Wir fokussieren das Kerngeschäft und es geht uns um Qualität nicht um Masse“, erläuterte Julia Gebert das Konzept. Obwohl das Unternehmen eigentlich kein Start-up mehr ist, genießt die Senior PR Managerin das besondere Arbeitsklima. „Wir stehen immer im Dialog und es gibt eine gute Informationskultur, wie Prozesse angegangen werden“, sagte Gebert.

Alle vier Unternehmen sind bereits stark gewachsen. Beim Thema „Fusionen“ hat der ein oder andere bereits Erfahrungen gesammelt.“Foodora“ wurde jüngst von „Delivery Hero“ gekauft. „Es ist ein Vorteil, wenn man aufgekauft wird, denn man erhält frisches Fremdkapital“, sagte Dames. Ulrich Schmeiser, Gründerberater vom Business Angels Club Berlin-Brandenburg, bewertet einen Fusion ebenfalls nicht als negativen Schritt eines Unternehmens. „Die Entwicklung und Energie kauft man sich damit ein oder man verzichtet auf eine Fusion und wächst langsamer organisch“. Auch wenn der Markt für bestimmte Dienstleistungsangebote gesättigt scheint, haben Start-up-Unternehmen trotzdem eine Chance wie die Gründer der Gesprächsrunde bewiesen haben.