Veranstaltungsberichte

Wohnungsnot nur im Dreiklang von öffentlicher Hand, Privatwirtschaft und Wohnungsbaugenossenschaften zu meistern!

von Christian Schleicher
Das Pankower Gespräch setzte sich mit dem Thema „Wohnraum und Integration – wie schaffen wir das in Berlin?“ auseinander.

Dr. Ulrike Hamann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung, führte aus, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund meist dort ansiedeln wollen, wo bereits viele Migranten leben, um dort ihre Netzwerke aufzubauen. Sie machte deutlich, dass bezahlbarer Wohnraum nur durch die öffentliche Hand geschaffen werden kann. Andernfalls fehle ihrer Meinung nach die Nachhaltigkeit öffentlicher Förderung, wenn die Bindungen nach der Förderung verloren gehen.

Der Wohnungsunternehmer Rainer Bahr erläuterte, dass Berlin allein bis Ende dieses Jahres 50.000 neue Wohnungen benötige, von denen aber nur 10.000 erstellt würden. Das Problem der fehlenden Wohnungen kann aus seiner Sicht nur durch den Wohnungsneubau gelöst werden, wobei allerdings klar sein müsse, dass für 6,50 € Miete ohne weitere Förderungen keine Wohnungen der privaten Hand für sozial Schwache gebaut werden könnten. Der Unternehmer machte deutlich, dass nur dann sozial und integrativ gebaut werden könne, wenn Vielfalt hergestellt wird und man seitens der Regierung mehrere Architekten zulasse. Seiner Überzeugung nach brauchen wir eine gute soziale Mischung im Wohnungsangebot, was nur im Dreiklang öffentliche Hand, private Hand und Wohnungsbaugenossenschaften hinzubekommen sei. Anders sei es seiner Meinung nach nicht zu schaffen, in den kommenden 5-10 Jahren jährlich die 50.00-60.000 erforderlichen Wohnungen fertigzustellen. Er machte sich für das Genossenschaftsmodell stark, dass er für eine intelligente und gute Lösung hält, um den Wohnungsbau zu fördern. Er kritisierte, dass man in Berlin mehr über bezahlbaren statt über Wohnraum im Allgemeinen spreche.

Bezirksstadtrat Dr. Torsten Kühne führte aus, dass die Politik natürlich nicht auf den großen Ansturm von Flüchtlingen und Asylsuchenden vorbereitet gewesen sei. Insofern müssten die Dinge im laufenden Betrieb geregelt werden. Er mahnte allerdings zu Besonnenheit und machte sich dafür stark, die Herausforderungen als Chancen und nicht als Risiken zu sehen. Das größte Problem Berlins sieht er im Bereich der öffentlichen Verwaltung, die seiner Meinung nach personell zu schwach aufgestellt sei, es sehr oft ungeklärte oder doppelte Zuständigkeiten gäbe und er klare Vorgaben vermisse. Der Politiker machte deutlich, dass Planungssicherheit gefragt sei und dass die öffentliche Hand die Herausforderungen Wohnen und Integration nicht alleine, sondern nur gemeinsam mit der Privatwirtschaft und den ehrenamtlichen Helfern meistern könne. Dr. Kühne führte aus, dass die Integration der Flüchtlinge und Migranten aus seiner Überzeugung nur durch die enge Zusammenarbeit von Staat und Ehrenamt zu meistern sei. Er machte deutlich, dass wir alle an einer guten sozialen Mischung in den Wohnquartieren interessiert sein müssten, da keiner Ghettos wolle. Generell machte er sich bei der Lösung der Herausforderung für ämterübergreifendes Denken, mehr Flexibilität und Bürokratieabbau stark. Hier stimmte ihm Frau Dr. Hamann zu, die die flächendeckenden Flüchtlingsinitiativen lobend erwähnte und ausführte wie wichtig die politische Anerkennung deren Arbeit sei. Überdies erwähnte sie noch mehrere Projekte, die Flüchtlingen bei der Unterbringung in Wohnungen unterstützen.

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Christian Schleicher

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