Veranstaltungsberichte

Podiumsdiskussion „Zeit, dass sich was dreht? - Cannabiskonsum und Drogenpolitik“

von Jana Glose
Die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen lud am 19. Januar in Kooperation mit dem RCDS zur Podiumsdiskussion „Zeit, dass sich was dreht? - Cannabiskonsum und Drogenpolitik in die Universität Bremen ein. Gegner und Befürworter diskutierten über die Gefahren des Cannabiskonsums sowie die Vor- und Nachteile einer Cannabis-Legalisierung.

Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. med. Rainer Holm-Hadulla, Professor für Psychotherapeutische Medizin an der Universität Heidelberg, Steffen Geyer, Hauptinitiator der Hanfparade in Berlin, Jochen Kopelke, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, und Prof. Dr. jur. Sebastian Scheerer, Professor (em.) für Kriminologie an der Universität Hamburg. Moderiert wurde die Diskussion von Rainer Bensch, CDU-Abgeordneter und gesundheitspolitischer Sprecher in der Bremischen Bürgerschaft.

Nach Begrüßung und Vorstellung aller Podiumsteilnehmer seitens Ralf Altenhof, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen, konnten die Gäste mittels Online-Umfrage darüber abstimmen, ob sie bereits Cannabis konsumiert haben. Während 23% noch nie konsumiert haben, gaben 44% an, bereits einige Male konsumiert zu haben. 23% aller Teilnehmer an der Umfrage konsumieren regelmäßig Cannabis. Bei der Frage nach der Legalisierung von Cannabis stimmten etwa 60% für dafür und 40% dagegen.

Im Impulsreferat informiert Holm-Hadulla über die Gefahren des Cannabiskonsums. Er zeigte auf, dass Cannabis kein harmloses Genussmittel sei, sondern das Gehirn schädige und die Kreativität beeinträchtige. Außerdem betonte er die massive Diskrepanz zwischen der öffentlichen Meinung und den klinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bezug auf den Konsum von Cannabis. In den letzten beiden Jahren haben sich die Cannabis-Psychosen verdoppelt, so Holm-Hadulla.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sprach sich Geyer für die unbedingte Notwendigkeit einer Legalisierung aus. „Die meisten Probleme sind die des Schwarzmarktes“, sagte er und spielte besonders auf den nicht vorhandenen Jugendschutz auf dem Schwarzmarkt an. Das momentan geltende Strafrecht sei das falsche Werkzeug, um Risiken vorzubeugen. „Erst der Legalmarkt gibt dem Staat die Möglichkeit, Kontrolle zu schaffen“, so Geyer.

Scheerer, der nach eigener Aussage „kein Befürworter der Legalisierung, sondern ein Kritiker der Kriminalisierung“ ist, sieht das aktuelle Cannabis-Verbot als einen Eingriff in die Freiheit des Menschen an. „Zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gehört, gefährlichen Aktivitäten nachzugehen“, so Scheerer.

Jochen Kopelke, der als Streifenpolizist bei der täglichen Arbeit unter anderem bei Verkehrsunfällen, Ladendiebstählen oder Personenkontrollen an der Diskomeile sehr häufig mit Drogenkonsumenten zu tun hatte, sagte: „Eine Legalisierung führt bei der Polizei nicht zur Erleichterung.“ Er appellierte für mehr Aufklärung und eine bessere Prävention.

Auch während der Diskussion wurde das Publikum durch Umfragen miteinbezogen. Unter anderem wurde gefragt, wie die gesundheitlichen Gefahren des Konsums eingeschätzt werden. Während 2% keine Gefahren sahen, schätzte die Mehrheit mit 40% die Gefahren als mittelmäßig ein. 22% der Befragten sahen die Gefahren als hoch, 20% sogar als sehr hoch an. Bei der Frage ob eine Cannabis-Legalisierung zum Abbau krimineller Strukturen führt, stimmten 71% für ja und 29% für nein.

Nicht nur mittels der Online-Umfrage, sondern auch in der Diskussion hatte das Publikum die Möglichkeit mitzudiskutieren. Dabei wurden die Umfrageergebnisse durchaus bestätigt, denn es meldeten sich sowohl Gegner als auch Befürworter der Legalisierung zu Wort. Dieses Bild bestätigte sich auch in der von Rainer Bensch eingeleiteten Fazit-Runde der Podiumsdiskutanten. Als Hauptargumente führten diese auf der einen Seite die Gefahren und Risiken und auf der anderen Seite die Freiheit der Menschen an. Zum Abschluss bedankte sich Karoline Hagemann, Vorsitzende des RCDS Bremen, bei den Referenten und der Konrad-Adenauer-Stiftung und betonte die Wichtigkeit, „kritische Themen in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen“.