Veranstaltungsberichte

Umgang mit Radikalisierungstendenzen in der Schule

von Eva Winkler

Pädagogische Fortbildung zur Islamismusprävention

Die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen veranstaltete am 19. November 2016 eine pädagogische Fortbildung zum Thema „Umgang mit Radikalisierungstendenzen“. Die Referenten Dr. Behnam T. Said, wissenschaftlicher Referent am Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg, und Dr. Götz Nordbruch, Islam- und Sozialwissenschaftler sowie Co-Geschäftsführer des Vereins ufuq.de, vermittelten Grundlagen für den Umgang mit radikalisierten, islamistischen Jugendlichen.

Said gab im ersten Teil der Fortbildung einen Überblick über Islamismus, Salafismus, Jihadismus und Terrorismus, bevor er mögliche Ursachen, Anzeichen und Verläufe eines Radikalisierungsprozesses erläuterte. Er unterschied zwischen Push-, Pull- und Triggerfaktoren und erklärte, dass die Attraktivität des Salafismus für Jugendliche sowohl auf der individuellen als auch auf der politischen und der ideologischen Ebene bestehe. Salafisten verstehen es Said zufolge, diverse Bedürfnisse von Jugendlichen mit vielfältigen sozialen und religiösen Hintergründen anzusprechen. Um damit umzugehen, sei es wichtig, zunächst nicht auf rationaler Ebene mit den Jugendlichen zu kommunizieren, sondern zu verstehen, welche Bedürfnisse sie auf emotionaler Ebene in ihrer Hinwendung zum Salafismus zu erfüllen versuchten.

Nordbruch erläuterte im zweiten Teil der Fortbildung, dass seitens der Jugendlichen oft Fragen von Identität, Zugehörigkeit und tatsächlicher ebenso wie subjektiv wahrgenommener Diskriminierung/Marginalisierung eine Rolle in der Radikalisierung spielten. Er gab praktische Ratschläge und Beispiele für den Unterricht sowie Empfehlungen für konkrete Situationen, die von den Seminarteilnehmern geschildert wurden. Gesellschaftliche Kontroversen und Fragen der Jugendlichen sollten im Unterricht aufgegriffen und ernstgenommen werden, so Nordbruch. Lehrkräfte sollten versuchen, Alternativen und Wahlmöglichkeiten zu den verbreiteten Schwarz-Weiß-Denkmustern anzubieten, um „Irritationen“ bei den Jugendlichen auszulösen und um sie dabei zu unterstützen, kritisch mit Absolutheitsansprüchen umzugehen.

Im Gespräch mit den anwesenden Lehrkräften wurde deutlich, dass insbesondere Ideen für Prävention sowie „Handwerkszeug“ und Handlungssicherheit im Umgang mit Jugendlichen, bei denen ein Verdacht auf Radikalisierung besteht, wichtig sind.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Bremen

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Gütesiegel
60 Jahre Politische Bildung KAS