Veranstaltungsberichte

Wenn am Service-Point beim Check-In upgegradet wird

von Nina Siemer
Das Thema Anglizismen in der deutschen Sprache wird immer wieder sehr kontrovers diskutiert, wie auch bei der letzten Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung, an der rund 100 Gäste teilnahmen. So ist es nicht verwunderlich, dass der nach Bremen eingeladene Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Hoberg und sein Diskussionspartner Dr. Wolfgang Schönfelder, der Regionalleiter des „Verein Deutsche Sprache“ (VDS) in Bremen, grundsätzlich unterschiedlicher Meinung waren, bei der Frage, wovon die größte Gefahr für die deutsche Sprache ausgeht.

Schönfelder erläuterte mit Nachdruck, dass es vor allem die Anglizismen seien, die einen bedenklichen Einfluss auf die deutsche Sprache der Gegenwart hätten. Unter Anglizismen verstand er vor allem englische Verben, an die eine deutsche Vorsilbe gehängt würde, obwohl es in der deutschen Sprache durchaus eine passende Entsprechung dafür gäbe. Dass man statt ‚gebattelt’ lieber ‚gekämpft’ sagen sollte, wird laut Schönfelder spätestens klar, wenn man sich vor Augen führt, dass dieses neudeutsche Wort in der Aussprache identisch mit ‚gebettelt’ ist und somit zu Verwirrung führen kann. Negativ bewertete er auch die unüberlegte Übernahme von ganzen Wendungen aus dem Englischen: Das allseits beliebte ‚Public Viewing’ meint im ursprünglichen Wortsinn die Leichenschau, ‚it makes no sense’ wird richtig ‚es ist nicht sinnvoll’ übersetzt. Weiter ergänzt Schönfelder: „ ‚At the end of the day’ markiert im Englischen eine Schlussfolgerung oder ein Ergebnis, das ‚Ende des Tages’ ist in Deutschland um 23:59“.

Sprachwissenschaftler Hoberg stellte die Situation deutlich anders da. Zunächst entlarvte er die fünf am häufigsten genannten Gründe, die gegen den Gebrauch von Anglizismen sprechen, als unhaltbar. Anglizismen seien weder überflüssig, da sie nie genaue Synonyme darstellen, noch erschweren sie die Kommunikation. Insgesamt seien nur 3,5% der Wörter im Duden Anglizismen, ihr Einfluss auf die Sprache also deutlich geringer als gemeinhin behauptet wird. Viel entscheidender schätzte Hoberg die Verbreitung der Englischen Sprache in der Welt ein. Noch nie hat es eine derartige ‚Weltsprache’ gegeben, die in allen Schichten und allen Themengebieten die Vorherrschaft übernimmt. Deshalb sei es wichtig, zum Schutz der kulturellen Vielfalt auch weniger ‚nützliche’ Sprachen zu lernen, möglichst oft in der Muttersprache zu kommunizieren und Veröffentlichungen nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch zu schreiben.

Das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion. Das in der Presse oft sehr negativ dargestellte Image des VDS als ‚Anglizismenjäger’ wurde ebenso hinterfragt wie die vermeintlich realitätsferne Sicht des Wissenschaftlers Hoberg. Dr. Ralf Altenhof, Leiter des Bildungswerks Bremen der Konrad-Adenauer-Stiftung, moderierte die hitzige Debatte. Dabei kamen einige neue Aspekte zur Sprache, wie die Frage, ob Deutsch im Grundgesetz verankert werden sollte. Hoberg war nicht der Meinung, dass sich dadurch eine Verbesserung der Sprachsituation erzielen ließe und plädierte für einen bewussteren Umgang eines jeden einzelnen mit diesem Kulturgut. Schönfelder setzte dagegen, dass ein solcher Zusatz im Grundgesetzt kein Ver- oder Gebot wäre, wohl aber die Rahmenrichtlinien festlegen würde. Dieser Position schlossen sich viele der Zuhörer an. Zum Ende hin herrschte zumindest in einem Punkt Einigkeit zwischen den Referenten: Die deutsche Sprache muss geschützt werden, denn – wie Schönfelder passend sagte – „ohne Sprache sind Sie sprachlos!“

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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