Veranstaltungsberichte

China and Chinese Media in the World

Studenten der Kölner Journalistenschule zu Besuch in Shanghai

Am 11. Juni 2014 organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung Shanghai zum vierten Mal einen gemeinsamen Workshop mit der Kölner Journalistenschule, diesmal zum Thema „China and Chinese Media in the World“.

Am 11. Juni 2014 führte die Konrad-Adenauer-Stiftung Shanghai zum vierten Mal einen gemeinsamen Workshop mit der Kölner Journalistenschule zum Thema „China and Chinese Media in the World“ durch. Zweiundzwanzig Studierende der Kölner Journalistenschule, die sich auf einer zweiwöchigen Studienreise durch China befinden, nahmen am Workshop teil. Dieses Mal waren auch Dozenten und Studierende der Shanghai University, dem lokalen Partner der Kölner Journalistenschule, unter den Teilnehmern.

Dieses Jahr lag der Schwerpunkt auf der Globalisierungsstrategie der chinesischen Regierung und den – zumeist staatlichen – Medien. Außerdem wurden nochmals, wie in den letzten Jahren, die Veränderungen der chinesischen Medienlandschaft unter dem Einfluss sozialer Medien erörtert.

Zu Beginn referierte Herr ZHOU Lei, Medienanalyst an der Nanjing University, zum "Verständnis der Rolle der Chinesischen Medien im Verhältnis zu Chinas neuer Soft Power“. Er präsentierte eine alternative Sichtweise auf die Rhetorik und den Stil chinesischer Medien am Beispiel der größten staatlichen Nachrichtenagentur XINHUA. Für ein richtiges Verständnis sei mehr Wert auf den sozialen und politischen Hintergrund der jeweiligen Nachricht als auf die tatsächliche Rhetorik zu legen. Des Weiteren sprach Herr Zhou über das Verhältnis von Chinesischen und internationalen Nachrichtendiensten.

Anschließend stellte Professor JIA Min (China Executive Leadership Academy (CELAP)Shanghai) die strategische Herangehensweise chinesischer Medien auf dem Feld der internationalen Kommunikation vor. Er führte die Teilnehmer in die nationale und internationale Bedeutung des staatlichen Entwicklungskonzepts vom „chinesischen Traumes“ (Zhongguo meng) ein. Besondere Aufmerksamkeit widmete er den negativen Konnotationen in der Berichterstattung westlicher Medien über die Olympischen Spiele in Peking im Sommer 2008. Dasselbe gelte für die westliche Berichterstattung zu Spannungen in Tibet. Diese Erfahrungen haben zu einer Strategieänderung in der Herangehensweise staatlicher chinesischer Medien gegenüber internationalen Medien geführt. Das aktuelle Konzept des chinesischen Traumes könne nur dann voll verstanden werden, wenn auch die Biographien der aktuellen Führungsgeneration Chinas berücksichtigt würden.

In der anschließenden Fragerunde zeigten die Kölner Teilnehmer großes Interesse an der Arbeitsweise der staatlichen Propagandaabteilung und ihrem Einfluss auf die Berichterstattung chinesischer Medien.

Der Journalist Philipp MATTHEIS, Korrespondent der WIRTSCHAFTSWOCHE gab den deutschen Studierenden anschließend einen Einblick in die Arbeitsbedingungen internationaler Journalisten in China sowie die Rolle chinesischer Medien im globalen Mediensystem. In den letzten Jahren habe es eine beindruckende Modernisierung innerhalb der chinesischen Medien gegeben. Im Westen sind sich nur wenige des Ausmaßes dieser Entwicklung bewusst. Dennoch bliebe ein fundamentaler Unterschied zwischen westlichen und chinesischen Medien bestehen, insbesondere was die Meinungsfreiheit und die Unabhängigkeit von Journalisten und Medien angehe.

Im zweiten Teil des Workshops gab der Journalist und TV-Moderator WEI Lai, Global Times Beijing, eine Einführung in den Online-Journalismus in China. Herr Wei wies auf die immensen Wachstumsraten sozialer Medien in China hin. So hat beispielsweise Wechat (die chinesische Version von WhatsApp) zum jetzigen Zeitpunkt mehr als 600 Millionen Nutzer. Dennoch seien die traditionellen Medien nicht zwingend dem Untergang geweiht. Zwar seien auch bei fast allen chinesischen Printmedien deutliche Einnahmeverluste festzustellen. Gleichzeitig aber gibt es Gegenbeispiele, etwa die Wiedereröffnung schon geschlossener Tageszeitungen. Zeitungen wie die Global Times würden sogar steigende Erlöse erzielen.

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Tim Wenniges