Veranstaltungsberichte

Corporate Social Responsibility in der Praxis

Erfolgreiches Management von CSR Projekten

Gemeinsam mit dem Magazin "Business Ecology", der XJL-Universität Suzhou und der CSR Alliance des Suzhou Industrial Parks organisierte die KAS Shanghai einen "CSR-Learning Day" in Suzhou. Experten und Unternehmensvertreter diskutierten neue Wege um CSR-Programme erfolgreich in chinesischen Unternehmen zu etablieren und umzusetzen.

Chinas rasantes Wirtschaftswachstum hat in den letzten drei Jahrzehnten erhebliche Schäden in der Umwelt und eine Zunahme an sozialen Spannungen verursacht. Es ist also von großer Notwendigkeit das aktuelle chinesische Wachstumsmodell neu zu strukturieren und einen umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Entwicklungspfad zu etablieren. Corporate Social Responsibility (CSR) kann wesentlich zur Verbesserung von Sozial- und Umweltstandards in einer Gesellschaft beitragen und stellt damit ein zentrales Werkzeug dar, mit dem Unternehmen sowie andere beteiligte Akteure einen Beitrag zu deren Umsetzung leisten können.

Mehr als 90 Teilnehmer aus unterschiedlichen Unternehmen, Non-Profit-Organisationen, verschiedene Medienvertreter und Wissenschaftler nahmen am Workshop teil und unterstrichen die zunehmende Wichtigkeit von CSR in der chinesischen Gesellschaft.

Im ersten Panel gab Professor William VALENTINO, Professor für Gesundheitskommunikation am Forschungszentrum für Gesundheit der Tsinghua-Universität in Peking, einen Überblick über die Entwicklung von CSR-Projekten in China. Valentino arbeitet seit 26 Jahren in China und referierte aus der Perspektive eines ehemaligen Mitarbeiters des Unternehmens Bayer und aus der eines CSR-Praktikers. Er wies auf die Bedeutung der Strategien eines Unternehmens hin, um eine engere Verbindung zwischen dem Geschäfts- und dem Nachhaltigkeitsgedanken zu schaffen. Dabei ging es grundlegend um die Frage, wie ein Unternehmen seinen Mitarbeitern, der Gesellschaft, der Gewinnerzielung sowie der Umweltfreundlichkeit gerecht werden kann. Letztendlich gehe um die Errichtung eines nachhaltigen Mehrwerts für Unternehmen und Gesellschaft. Valentino zeigte sich sehr zuversichtlich, dass CSR stark zu einer nachhaltigeren Entwicklung Chinas beitragen könne.

Prof. LIN Yaonan, Direktor der Abteilung für Globale Entrepreneurial Management an der Fu Jen-Universität Taipei in Taiwan, führte die zunehmende Bedeutung von Social Enterprises an. Social Enterprises sind meist von einer klaren Vision und Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Gesellschaft und Umwelt geleitet, wodurch der Profit-Gedanke des Unternehmens im Hintergrund steht. Der Experte präsentierte dabei mehrere Fallstudien von Social Enterprises in Taiwan. Er betonte die wertvolle Aufgabe eines Social Enterprises als eine Art „Lückenfüller“. Der Staat, Unternehmen und NGOs bieten keine flächendeckenden Lösungen für soziale und ökologische Fragen in der Gesellschaft. Hier kommen nun die Social Enterprises ins Spiel, die sich für einen langfristigen und innovativen Wandel zugunsten der Gesellschaft einsetzen.

KEE Chi Hong, Vorsitzender der "Fullness Social Enterprises Society Limited " in Hongkong sowie Professor der Hong Kong Baptist University, stellte das umfassende staatliche Rechts- und Bewertungssystem für Social Enterprises in Hong Kong vor. Seit 2001 fördert die Regierung Hongkongs die Entwicklung von Social Enterprises und unterstützt diese in ihrer Finanzierung und Ausbildung. Mr. Kee erklärte, dass Social Enterprises in Hongkong eine durchschnittliche Lebensdauer von 9 Jahren haben und somit knapp dreimal länger als übliche Klein- und mittelständische Unternehmen in Hong Kong existieren. Die Auswertung von empirischen Datensätzen zeige, dass Social Enterprises zwar in den ersten zwei Jahren nach ihrer Gründung finanziell kämpfen müssten, innerhalb der ersten fünf Jahren dann aber bereits zunehmen Einnahmen generieren würden. KEE Chi Hong schlussfolgerte, dass die Unterstützung der HK-Regierung ein gewichtiger Grund für das hohe Niveau und die deutlich höhere Zahl von Social Enterprises in Hong Kong sei. So existieren in Hongkong 63 Social Enterprises auf eine Million Einwohner. In Singapur dagegen 33, in Taiwan 43 und in Korea 19 Social Enterprises pro eine Million Einwohner.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Experten die Rolle von Social Enterprises zur Förderung von CSR. Prof.LIN argumentierte, dass sich die Führung eines Social Enterprises von der einer NGO grundlegend unterscheide. Somit könne man nicht erwarten, dass NGOs zunehmend die Rolle von Social Enterprises übernehmen könnten. Prof.VALENTINO führte an, dass ein stärkerer Fokus auf langfristigem Denken notwendig sei. Das nachhaltige Denken eines Unternehmens dürfe jedoch nicht allein auf der Idee eines eigenen Geschäftsmodells basieren. Auch für andere Akteure wie NGOs sei es erforderlich, Anpassungen und Veränderungen vorzunehmen. Unternehmen sollen durch das vermehrte Angebot von Ausbildungsprogrammen an das Konzept von CSR herangeführt werden.

Im Rahmen des CSR Workshops eröffnete die Chefredakteurin des Business Ecology Magazins SUN Haiyan, die Ausstellung " The wisdom of CSR ", die zahlreiche Beispiele für CSR-Initiativen in China und im Ausland bis zum 24. April 2015 zeigt. SUN Haiyan präsentierte auch die Entwicklung ihrer Zeitschrift "Business Ecology" hin zu einem Social Enterprise. Das Business Ecology Magazin ist die erste zweisprachige Zeitschrift in China, die zu Themen wie Nachhaltigkeit, Green Business Development und Corporate Social Responsibility berichtet.

Im zweiten Teil des Workshops gab Eason Chen, Stellvertreter der Delta Umwelt- und Bildungsstiftung in China, Einblicke in die CSR-Programme seiner Stiftung. Die Delta-Stiftung fördert die Stärkung des individuellen Nachhaltigkeitsverständnisses gegenüber Umwelt und Energie. Im Rahmen eines umfassenden Schulungsprogramms hat die Stiftung bereits mehr als 60.000 Schüler und ihre Familien in Taiwan und China erreicht. Die Delta Stiftung fördert nachhaltiges Denken und umweltbewusste Lebensweisen, in dem sie Schüler und Studierende aufklärt und diese schließlich als Multiplikatoren fungieren sollen.

Im Rahmen des CSR-Workshops fanden am Nachmittag zwei interaktive Sitzungen statt, in denen mehr als 50 Teilnehmer neue Standards und Möglichkeiten diskutierten um einen Mehrwert für beide Seiten, Unternehmen wie auch die Gesellschaft, zu schaffen. Das Team des Business Ecology Magazines koordinierte den Workshop und stellte die Aufgabe, neue Strategien und Konzepte zu erarbeiten um nachhaltige CSR-Projekte etablieren zu können. Die neuen Projektideen wurden anschließend von den CSR-Experten kommentiert und diskutiert und dazu beigetragen, dass Schwerpunkte und mögliche Zukunftsprojekte herausgestellt werden konnten.

Ein Video mit Impressionen des Workshops ist unter folgendem Link abrufbar:

Impressionen CSR Learning Day Suzhou

Ansprechpartner

Tim Wenniges