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Der Weg nach Rio+20

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung durch mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz

Am 2. Dezember 2012 veranstaltete die School of Public Policy (SPP) der Universität Xiamen, das Bundesumweltministerium (BMU), das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung (MWKEL) Rheinland-Pfalz und die KAS|Shanghai einen Workshop zum Thema "Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Ressourceneffizienzsteigerung" in Xiamen / Provinz Fujian.

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Der Workshop ist Teil des deutsch-chinesischen Umweltdialogs und verfolgte u.a. das Ziel, weitere mögliche Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Partnern aufzuzeigen. Dazu wurden veränderte politisch-rechtliche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Wirtschaft gefordert und praktische Erfahrungen zur Ressourceneffizienz sowie die Rolle der Zivilgesellschaft beim Klimaschutz erörtert.

In ihren Grußworten betonte Prof. Zhan Xinli, Vizepräsidentin der Universität Xiamen, die wachsende Bedeutung der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung in China und verwies darauf, dass die KP Chinas auf ihrem jüngsten 18. Parteitag den Umweltschutz in ihr Parteistatut aufgenommen habe.

Die Kooperation mit der Stadt Xiamen und der Universität Xiamen – als Teil der Partnerschaft zwischen Rheinland Pfalz und der Provinz Fujian – skizzierte Dr. Gottfried Jung vom Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz (MWKEL).

Andreas Dittrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung|Shanghai, betonte in seinen Grußworten, dass China im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes ein "Land zweier Geschwindigkeiten" sei. Da in vielen Teilen des Landes immer noch ein rein quantitatives Wirtschaftswachstum im Vordergrund steht, seien Modelle einer kohlenstoffarmen Entwicklung, wie sie etwa in der Stadt Xiamen zu finden sind, wichtig, um alternative Entwicklungspfade aufzuzeigen. Hierzu könne eine internationale - insbesondere deutsche - Unterstützung nützlich sein.

Im ersten Panel ging es zunächst um den rechtlichen Rahmen in Deutschland und China. Dr. Haiko Pieplow vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), stellte in diesem Kontext das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm von 2012 vor. Im Rahmen des Programms soll eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Rohstoffeinsatz erreicht werden. Dazu schafft das BMU Marktanreize, bietet Informationen und Trainingsprogramme an und fördert freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft.

Prof. Dr. Peter Heck vom Institut für Stoffstrommanagement des Umwelt-Campus Birkenfeld / Universität Trier, stellte den Null-Emissions-Campus vor, der seit 15 Jahren betrieben wird. Auf diesem Campus werden etwa Abfälle für die Stromproduktion verwendet. Er unterstrich zudem, dass China das Entwicklungsmodell des Westens nicht übernehmen könne, da die weltweiten Ressourcen dafür nicht ausreichen. Er erläuterte dies an der Konzeption von Kläranlagen und Mülldeponien, die wesentlich kleiner gestaltet werden könnten, wenn wieder verwertbare Ressourcen und nicht verwertbare Materialien getrennt genutzt werden und diese ihren eigenen Strom produzieren.

Prof. Dr. Zhu Yuan von der China Executive Leadership Academy in Shanghai / Pudong (CELAP), verglich die „grüne“ Wettbewerbsfähigkeit von 13 Städten im Jangtse-Delta. Um die Ressourceneffizienz zu steigern, seien hohe Anfangsinvestitionen nötig. Er zeigte jedoch auf, dass sich diese innerhalb kurzer Zeit amortisierten und sich demnach langfristig lohnen.

Im zweiten Panel wurde insbesondere die Rolle von Unternehmen im Umwelt- und Klimaschutz diskutiert. Die Verantwortung der Produzenten und des Vertriebes für eine Steigerung der Ressourceneffizienz diskutierte Dr. Dirk Grünhoff, MWKEL, in seinem Vortrag. Der Hersteller sei verantwortlich für die Qualität und Beschaffenheit seiner Produkte, während der Vertreiber bestimmt, welche Produkte aus dem In- und Ausland angeboten werden. So müssen die Produzenten etwa eigene Rücknahme und Recycling-Systeme aufbauen, wodurch wiederum auch eine Beteiligung der Konsumenten notwendig wird.

Werner Maass vom Verband Deutscher Ingeniere (VDI) erläuterte Erfahrungen aus der mittelständischen Wirtschaft. Dort seien die Materialkosten häufig der größte Kostenfaktor. Schaffe es ein Unternehmen, diese mit Hilfe neuer Produktionsstrukturen zu senken, führe dies gleichzeitig zu einem höheren Gewinn und einem geringeren CO2-Ausstoß. Deutschland unterstützt KMUs dabei, indem der Staat 50% der Beratungskosten zur Energieeffizienzsteigerung übernimmt.

Im dritten und vierten Panel wurden der Beitrag der Zivilgesellschaft beim Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft diskutiert. Die Wahrnehmung der chinesischen Bevölkerung bezüglich des Klimawandels stellte Prof. Dr. Hong Dayong von der Volksuniversität in Peking vor. Er erklärte, dass der Klimawandel im Bewusstsein der Bevölkerung bislang kaum als Problem erkannt worden ist. Dies stelle ein erheblicher Hindernis für einen umfassenden Klimaschutz dar. Zudem seien erhebliche Wissensunterschiede zwischen der urbanen und der ländlichen Bevölkerung sichtbar.

Dr. Patrick Schröder, International Adviser der China Association for NGO Cooperation (CANGO), diskutierte Perspektiven für einen Konsum, der einen Beitrag zur Steigerung der Ressourceneffizienz leisten kann. Neben der Produktion stellt ein nachhaltiger Konsum einen wichtigen Punkt im Abschlussdokument der diesjähirgen Rio+20 Konferenz dar. Er erläuterte zudem, dass wesentlich der Konsument und sein Lebensstil darüber entscheide, ob Recycling stattfinde oder nicht.

Prof. Dr. Berthold Kuhn, von der SPP der Universität Xiamen, stellte zum Abschluss der Veranstaltung erste Ergebnisse eines von der Konrad-Adenauer-Stiftung|Shanghai finanzierten Forschungsprojekt zum Klimaschutz in Xiamen vor. Die Stadt Xiamen verfolgt insbesondere das Ziel, die Effizienz der industriellen Produktion zu steigern sowie energiebewusstes Wohnen und nachhaltigen Verkehr zu fördern.

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Tim Wenniges

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