China befindet sich in einem ökonomischen Paradox: Zum einen stagniert der Konsum und das Land befindet sich in einer Immobilienkrise und deflationären Tendenzen. Zum anderen bilden sich staatlich geförderte, hochproduktive Innovationscluster mit starkem Skalierungspotenzial. Um sich einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen zu verschaffen, standen die Industrie- und Innovationscluster Shanghai, Hangzhou und Shenzhen im Mittelpunkt der Gespräche von David Gregosz. Begleitet wurde er von Tim Peter, Referent für Europäische Wettbewerbsfähigkeit bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin.
Europäische Unternehmen begegnen den rasanten technologischen Entwicklungen in China durchaus selbstbewusst. Viele Akteure investieren gezielt in Forschung und Entwicklung (F&E) vor Ort, um von der hohen Innovationsgeschwindigkeit und den günstigen Rahmenbedingungen zu profitieren.
Ein zentrales Thema, das vor Ort deutlich wurde, ist die stark zunehmende vertikale Integration chinesischer „Ökosysteme“ in Bereichen wie Robotik, Life Sciences, Chemie und bei den Anbietern digitaler Plattformen. Während Europa weiterhin in vielen Schlüsseltechnologien führend ist, verlagern sich langfristig wichtige Wertschöpfungsanteile nach China. Dieser Trend verschärft die Diskussion darüber, wie und zu welchen Bedingungen deutsche und europäische Unternehmen ihre Präsenz in China gestalten können und wie sie zwischen dem Zugang zu Innovationen und der Gefahr wachsender Abhängigkeiten navigieren.
Besuche bei Unternehmen vor Ort zeigten, wie stark Geschwindigkeit und Skalierungsfähigkeit den chinesischen Markt definieren. Auf Ebene der Provinzen und Kommunen wird um die Ansiedelung von Investoren und Unternehmen im Bereich der Zukunftstechnologien gebuhlt. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb auf Ebene der Provinzen, Kommunen und den zahlreichen ihnen zugeordneten Industrieparks. So sind über die Jahre viele hocheffiziente Innovationszentren entstanden, die international oft nur schwer einzuholen sind.
Einige Beispiele zeigten auf, wie staatlich flankierte Strategien private Unternehmen in die Lage versetzen, komplette Wertschöpfungsketten – etwa im Energie- und Mobilitätssektor – eigenständig abzudecken. Vertikal integrierte Strukturen und große F&E-Kapazitäten verschaffen ihnen dabei erhebliche globale Wettbewerbsvorteile.
Die Eindrücke vor Ort unterstrichen: Europa muss seine industriepolitischen und technologischen Prioritäten weiter schärfen, um im globalen Wettbewerb langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.