Veranstaltungsberichte

Eine Pflicht zum Ungehorsam

Schulveranstaltung mit Roman Grafe am 10. Dezember 2010

Roman Grafe sagte zunächst einige einleitende Worte über die Motivation zu seiner Arbeit und über die Aufklärung der damaligen Situation in der DDR. Er stellte als Person Chris Gueffroy vor, der das letzte Todesopfer an der Berliner Mauer war, das durch Waffeneinsatz im Februar 1989 ums Leben kam.

Des Weiteren begrüßte er in diesem Zusammenhang die Mutter, Karin Gueffroy sowie Theodor Seidel, Vorsitzender Richter im Chris-Gueffroy-Prozess, dem ersten Berliner Mauerschützen-Prozess.

Die Mutter von Chris Gueffroy wurde einen Tag nach dem Tod ihres Sohnes „zur Klärung eines Sachverhalts“ ins Ost-Berliner Polizeipräsidium Keibelstraße gefahren. Erst nach der Vernehmung teilte man ihr mit: „Ihr Sohn hat ein Attentat auf eine militärische Einheit begangen. Ihr Sohn ist vor wenigen Stunden gestorben.“

Nach dem Fall der Mauer und der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurde gegen die vier beteiligten Grenzsoldaten vor dem Landgericht Berlin Anklage erhoben. Zwei von ihnen wurden freigesprochen, ein Grenzsoldat erhielt eine Bewährungsstrafe. Ingo Heinrich, der den tödlichen Schuss ins Herz gegeben hatte, wurde 1992 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, aber das Urteil wurde in der Berufungsverhandlung vor dem Bundesgerichtshof 1994 auf zwei Jahre mit Bewährung reduziert.

Nach dem Roman Grafe den Sachverhalt und die Situation verdeutlich hatte, konnten die Schüler unter der Anleitung des Referenten die Rollen des Richters, Staatsanwalts, des Verteidigers und der Angeklagten nachspielen. Die anderen Teilnehmer übernahmen die Rolle der Öffentlichkeit und der Presse.

Durch diese Rollenspiele bekamen die Schüler einen intensiven Einblick über die Auswirkungen der Diktatur der DDR.