Veranstaltungsberichte

Globalisierung der Migration, Anti-Immigrant Parteien und Xenophobie in der EU

von Luka Blaić
Die Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltete mit dem Institut für Migrationen und Ethnizitäten (IMIN) am 26. Oktober 2019 in Split eine internationale Konferenz zum Thema: "Globalisierung der Migration, Anti-Immigrant Parteien und Xenophobie in der EU". Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten Migrationexperten und Universitätsvertreter aus den Vereinigten Staaten von Amerika und zahlreichen Ländern Europas über die Herausforderungen und Folgen der Migration weltweit.

Herr Maurizio Ambrosini von der Universität Mailand in Italien sprach über die Bemühungen um Inklusion in italienischen Städten. Er wies auf eine wachsende Entschlossenheit der politischen Entscheidungsträger mehr Kontrolle über die Einwanderung zu erreichen. Herr Arjun Appadurai von der NYU in den USA stellte das Paradox eines Vaterlandes in einer im Umbruch befindenden Welt. Die Idee von „Heimat“ sei mit anderen Ideen, wie z.B. Boden und Ethnizität, verbunden und deshalb oft den nicht-dokumentierten Migranten und Flüchtlingen gegenüber nicht gastfreundlich. Für diese Menschen sei eine andere Vorstellung von Heimat wichtig, bei ihren Anstrengungen, sich in einer neuen Gesellschaft ein neues Leben zu leisten.

Herr Daniele Archibugi von der Universität London im Vereinigten Königreich sprach über die aktuell existierenden Institutionen und Verfahren in der EU, die sich mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern befassen und unterstrich, dass das Dubliner Übereinkommen nicht ausreichen sei, sich diesen Herausforderungen zu stellen.

Herr Kristian Berg Harpviken vom Institut für Friedensforschung in Oslo sprach über die Versicherheitlichung von Migrationen und wies darauf hin, dass eben Unsicherheit Migration erzeuge, Migration selbst Konflikte hervorrufen könne, und die Steuerung der Migration äußerst umstritten sei. Herr Hans-Georg Betz von der Universität Zürich sprach über den Einfluss rechtsradikaler politischer Parteien in Westeuropa. Ihre Strategie, sich als Verteidiger der Bevölkerung zu präsentieren, habe sich als äußerst erfolgreich erwiesen - zum Nachteil etablierter linker Parteien, die einen erheblichen Teil ihres traditionellen Wahlkreises an die populistische Rechte verloren haben.

Frau Marita Brčić Kuljiš von der Universität Split sprach über die Gegenüberstellung von Prinzipien Anti-Immigranten-Partien und liberaler Demokratie. Herr Zoran Kurelic, Dekan der Politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zagreb, sprach über illiberale Demokratien in der EU und wie die Migrationskrise in diesen Ländern als ein historischer Kampf um das kulturelle Überleben des Westens beschrieben werde. Frau Branka Likić Brborić von der Universität Linköping in Schweden sprach über die globale und europäische Verwaltung von Migrationsströmen. Sie identifizierte mehrere Lücken zwischen politischen Zielen und Ergebnissen, die ihrer Meinung nach zu antidemokratischen Reaktionen und Reaktionen gegen Einwanderer geführt hätten.

Herr Tariq Modood von der Universität Bristol im Vereinigten Königreich sprach über einem multikulturellen Nationalismus. Er argumentierte, dass es ein Modell der Integration sei, welches die Zentralität der Identität von Minderheitengruppen betone. Anders als der Kosmopolitismus sei dieser multikultureller Nationalismus national ausgerichtet und mit bestimmten Einwanderungskontrollen einverstanden. Herr Andreas Niederberger von der Universität Duisburg-Essen sprach über Migration als eine Herausforderung kosmopolitischer politischer Philosophie. Er verwies auf die Diskrepanz zwischen dem Ziel eines globalen Systems innerstaatlicher gerechter Grundstrukturen und die Migration als Verlust lokal wichtiger Ressourcen und Kompetenzen hin. Frau Jadranka Polovic von der Universität Libertas in Kroatien sprach über die Wahrnehmung der Einwanderer als Risikogesellschaft in der EU. Ihrer Meinung nach überwinden diverse politische, wirtschaftliche und individuelle Risiken die Möglichkeiten des institutionellen Krisenmanagements, weshalb sich die Frage der Zukunft der Integration sowie der Veränderung ihrer soziokulturellen Identität stelle.

Herr Zarko Paic von der Universität Zagreb sprach über die Politik eines verantwortlichen Interkulturalismus. Die Analyse befasst sich daher mit der Frage, wie der Mensch in Bezug auf den Anderen reagiert, einschließlich der verschiedenen Arten seiner Präsenz in der Welt.  Herr Viseslav Raos von der Universität Zagreb verglich Wahlprogramme verschiedener Parteien in der EU in den letzten 30 Jahren. Durch eine longitudinale Analyse der Veränderungen dieser Programme versuchte er, langfristige Tendenzen der Parteipositionen in den EU-Mitgliedstaaten zu erkennen und zu interpretieren. Herr Roman Savenkov von der Universität Voronezh in der Russischen Föderation sprach über die Vorschläge polnischer Parteien bezüglich der EU-Migrationspolitik.

Herr Zan Strabac von der Universität für Wissenschaft und Technologie in Norwegen sprach über die muslimische Migration in die „alten“ und „neuen“ Länder der EU. Herr Ugo Vlaisavljevic von der Universität Sarajevo sprach über Xenophobie und die wachsende Angst von „Anderen“ in der heutigen Welt.

Herr Alejandro del Valle-Galvez von der Universität Cadiz sprach über Migrationsströme im Mittelmeerraum. Seiner Meinung nach brauche die Union neue Instrumente und Konzepte für diese Herausforderung, da Europa ein rationales Konstrukt sei, ein Projekt des zivilisatorischen Fortschritts. Als solches müsse es die eigenen Werte und die Achtung der Menschenrechte dauerhaft in alle seine Politiken, Regulierungsmaßnahmen und Aktionen mit Ausländern und Drittstaaten einbeziehen, sowohl an seinen Außengrenzen als auch darüber hinaus.

Im Rahmen der Konferenz fand ein Workshop für Studenten der Universität Split statt. Frau Carly Bagelman von der Liverpool Hope Universität debattierte mit dem Publikum, wie Schulen ein Zufluchtsort schaffen können, wo Neuankömmlinge als Akteure und nicht als passive Nutznießer der häuslichen Gastfreundschaft wahrgenommen werden. Frau Andrea Bullivant und Frau Elzbieta Kielak von der Liverpool Hope Universität verglichen zuletzt Methoden zur Erforschung komplexer und kontroverser Themen in Bildungs- und Gemeinschaftskontexten.

Kontakt

Holger Haibach

Holger Haibach

Leiter des Auslandsbüros Kroatien

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