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Südafrika: Mehr als nur Vuvuzela

Robert von Lucius berichtete über das WM-Gastgeberland

Der FAZ-Korrespondent Robert von Lucius las in Bückeburg anlässlich des Mittagsgesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung aus seinem Buch „Nicht von hier und nicht von dort: Umbruch und Brücke in Südafrika“, das über Politik, Sport, Kunst, Kultur und Religion zwischen Johannesburg und Kapstadt berichtet.
Seine Journalisten-Karriere begann von Lucius in Kapstadt, wo er sich als Redakteur der Schulzeitung versuchte. Ab 1987 war er dann als FAZ-Korrespondent für das südliche Afrika tätig, seit 1996 ist er zusätzlich in Zentral-, West- und Ostafrika aktiv gewesen. Aus vielen Artikeln ist sein Buch entstanden, aus dem er einige Kostproben gab.

Den Anfang machte Johannesburg, eine Stadt, die von Lucius als „Frontstadt der Pioniere“ bezeichnete. Bekannt wurde die im Großraum acht Millionen Einwohner zählende Metropole durch die Goldvorkommen in der Region. „Ohne Gold gäbe es Johannesburg nicht“, erklärte der Journalist die Geschichte der „mit impulsiver Energie gefüllten Stadt“, die 1886 als Goldgräber-Siedlung entstand. Damals stiegen die Einwohnerzahlen es so schnell, dass Johannesburg für von Lucius noch heute eine „Stadt ohne Planung“ ist, die sich noch immer auf der Suche nach sich selbst befände. Bekannt ist Johannesburg auch für Soweto, dem größten Township in Südafrika. Als Townships werden die Wohnsiedlungen bezeichnet, die für die schwarze, farbige und indische Bevölkerung zu Zeiten der Apartheid in Südafrika eingerichtet wurden.

Wieder sehr gut besucht: der Bückeburger Ratskeller
Wieder sehr gut besucht: der Bückeburger Ratskeller

In den letzten Jahrzehnten gibt es in Südafrika für Robert von Lucius viele positive Entwicklungen zu beobachten. „Demokratie und Rechtsstaat mit einer in Afrika vorbildlichen Verfassung“, das zeichne das Land am Kap aus. Ebenso eine vorbildliche Pressefreiheit, die laut dem Pressefreiheitsindex (Press Freedom Index) sogar vor Ländern wie Frankreich und Italien liegt. Die südafrikanische Gesellschaft sei von „Frechheit und Fantasie“ geprägt und durch die solide Wirtschafts- und Geldpolitik gab es vor der Finanzkrise 14 Jahre Wirtschaftswachstum. Auch in der Sozialpolitik gäbe es Fortschritte. Immerhin ein Viertel der Bevölkerung werde durch staatliche Hilfen unterstützt. Doch es gibt noch viel zu tun: 43 % der 48 Millionen Südafrikaner leben unter der Armutsgrenze. Und auch die Wirtschaftskrise hat das Land nicht verschont: 2009 verloren 500.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Zudem spiele Kriminalität weiterhin eine Rolle, was auch aktuelle Raubüberfälle auf ausländische Journalisten bestätigen.

Von Lucius las aus seinem Südafrika-Buch
"Nicht von hier und nicht von dort: Umbruch und Brüche in Südafrika"

„Durch die WM wurde der längst überfällige Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Johannesburg und Pretoria vorangetrieben“, erklärt von Lucius und ergänzt: „Allerdings werden nach der WM die Strompreise steigen, das steht schon heute fest.“

Steffen Lühning