Die zwei wichtigsten Ereignisse während des ersten Quartals 2011 sind die veröffentlichten Dokumente der PLO und die Revolten in vielen arabischen Ländern. Eine deutliche Mehrheit von 92% sympathisiert mit den Bewegungen in Ländern wie Ägypten, Tunesien und Jemen und nur 7% sprachen sich gegen diese aus.
Die Ereignisse schlagen sich indessen unterschiedlich auf die Meinung der Palästinenser aus. Die PA und ihre Regierungsführung wurden negativ von den al-Jazeera-Dokumenten beeinflusst. Die Zustimmung für Präsident Mahmoud Abbas steht bei 46%, während 52% mit seiner Leistung unzufrieden sind. Diese Ergebnisse sind eine Verschlechterung zur vorherigen Umfrage, bei der die Zustimmung noch bei 50% lag. Die Gründe dafür finden sich in der Tatsache, dass al-Jazeera der am meisten gesehene und am meisten respektierte Fernsehsender in den Palästinensergebieten ist. Währen die PA versucht sich mit Anschuldigungen gegen al Jazeera zu verteidigen, glaubt eine Mehrheit von 59% der Bevölkerung, dass der Sender nur versucht hat die Wahrheit rauszufinden. 36% glauben stattdessen, dass al-Jazeera der Regierung absichtlich schaden wollte.
Die Ereignisse in den arabischen Ländern stellen eher eine Bedrohung für die Hamas und nicht die Fatah da. Zum Beispiel zeigt die Umfrage, dass 67% der Einwohner von Gaza an die Notwendigkeit von Demonstrationen für einen Regimewechsel glauben. Noch dramatischer für die Hamas ist die Tatsache, dass rund 50% an solchen Demonstrationen teilnehmen würden. Im Westjordanland zeigt sich ein anderes Bild. Dort sehen nur 36% den Bedarf von Demonstrationen zum Zwecke eines Regierungswechsels.
Zuletzt zeigen die Ergebnisse noch, dass, wenn es zu Protesten im Gazastreifen kommen würde, die Banner und Slogans sich nicht nur mit dem Ende der Teilung der Palästinensergebiete befassen würden. Auch die Abwesendheit von politischen sowie persönlichen Freiheiten wäre ein Thema. Im Vergleich dazu würden mögliche Demonstrationen im Westjordanland primär die Teilung und das Ende der israelischen Besatzung thematisieren.
Für die Umfrage des PSR (Palestinian Center for Policy and Survey Research) wurden vom 17. bis 19. März 2011 1270 erwachsene Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen persönlich befragt. Die Befragungen fanden an 127 zufällig ausgewählten Orten statt. Die Fehlerquote liegt bei 3 Prozent. Für weitere Informationen bezüglich der Umfrage kontaktieren Sie den Direktor des PSR, Dr. Khalil Shikaki, oder Walid Ladadweh unter der Nummer 02-296 4933 oder per E-Mail (pcpsr@pcpsr.org). Diese Umfrage wurde durch die Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Ramallah ermöglicht.
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