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VI. Wirtschafts-politisches Forum

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Die Konrad Adenauer Stiftung organisierte in Kooperation mit der ProCredit Bank am 24. September 2009 das sechste wirtschaftspolitische Forum. Ziel dieser Foren ist, einen Anstoß für eine ordnungspolitische Debatte in Serbien zu geben.

Details

Thema war diesmal die Frage: „Ist Energiesicherheit und Energieunabhängigkeit für die europäischen Länder möglich?“

Die KAS Belgrad wollte das Thema „Energiepolitik“ aus verschiedenen Gründen thematisieren. Das Land Serbien strebt einerseits die EU-Mitgliedschaft an und ist andererseits traditionell gut mit Russland, dem größten Energielieferanten Europas, befreundet und wirtschaftlich vernetzt.

Deswegen wurden Herr Aleksandar Popovic, Energieminister a. D. der Republik Serbien und Herr Erik Riedel, Direktor für Westbalkan des Energiekonzerns RWE aus Essen, eingeladen. Die Teilnehmer waren sehr an den Stellungnahmen der beiden Referenten auf die aufgeworfenen Fragen interessiert. Das wurde schon allein an der hohen Teilnehmerzahl an diesem Forum von über 60 deutlich.

Nachdem Frau Crawford (KAS) und Frau Getejanc (ProcreditBank) die Gäste begrüßten, leitete die Moderatorin Frau Biljana Stepanovic das VI Forum ein. Herr Riedel begann seine Präsentation mit der Feststellung, dass eine erfolgreiche Energiepolitik zwischen drei verschiedenen Parametern austariert werden muss – dem sog. Energiepolitischen Dreieck:

Versorgungssicherheit

Umweltschutz - Wirtschaftlichkeit

Da sich die drei Ziele prinizipiell widersprechen, muss die Energiepolitik dazwischen ausbalanciert werden, ohne dabei einen Bereich zu benachteiligen.

Regionen auf der Welt mit einem höheren Wohlstandsniveau haben auch einen höheren Energieverbrauch. Daraus folgt, dass bei einer steigenden wirtschaftlichen Entwicklung, wie sie jedes Land anstrebt, die Energiesicherheit in Gefahr gerät. Eine ausreichende Energieversorgung ist daher entscheidend für wirtschaftliche Weiterentwicklung.

Was versteht man unter Energieunsicherheit? Bezieht ein Wirtschaftsraum einen hohen Anteil seiner Energieversorgung aus Importen von nur wenigen Lieferanten, entsteht eine Importabhängigkeit. Durch diese Abhängigkeit ist eine sichere Energieversorgung nicht mehr gewährleistet (Energieunsicherheit) – so wie für die Gasversorgung der EU für das Jahr 2030 prognostiziert. Eine Energieunsicherheit kann nicht nur einen Mangel an Energieversorgung bedeuten, sondern hat auch einen Einfluss auf die Preisentwicklung, was sich negativ auf jede Volkswirtschaft auswirkt: Ist der Energieverbrauch größer als die Versorgung, kommt es zu Verknappung, Preissteigerung und –schwankungen.

Dem kann mit einer höheren Energieeffizienz entgegengewirkt werden, indem dadurch negative Effekte einer Energieunsicherheit in ihrer Auswirkung abgemildert werden. Möglichkeiten zur Förderung einer besseren Energieeffizienz sind – wie in der EU geschehen – z. B. eine Energieverbrauch-Klassifizierung bei Kühlschränken (dadurch werden Produkte mit hohem Energieverbrauch auf dem Markt stigmatisiert und verlieren an Attraktivität), der sog. Top-Seller-Ansatz (marktführende Technik / Produkte werden als Maßstab für einen zukünftigen Standard genommen), Gebäudedämmung / -isolierung, Einsatz von fortschrittlicherer Technik bei der Energieerzeugung (dadurch wird ein höherer Wirkungsgrad bei der Energieerzeugung erreicht) oder einer Reduzierung von Energieverlusten bei der Stromversorgung (in Ungarn beispielsweise konnte RWE bzw. deren ungarisches Tochterunternehmen die Energieverluste im Stromnetz durch Modernisierungsmaßnahmen und Investitionen zwischen 1997 bis 2007 um 32% reduzieren).

Eine Steigerung der Energieeffizienz hat daneben auch positive Auswirkungen auf die Umwelt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Steigerung des Wohlstands die Abhängigkeit von Energielieferanten und damit die Energieunischerheit erhöht. Dem kann durch eine optimiertere Energieeffizienz entgegengewirkt werden.

Herr Popovic machte in seinen Ausführungen deutlich, dass Serbien durchschnittlich so viel Strom herstellt, wie das Land das ganze Jahr über verbraucht. Grundlage dafür sind Rohstoffe, die in einem erheblichen Teil importiert werden müssen. Zudem unterliegt der Stromverbrauch saisonalen Schwankungen. Im Winter entsteht so häufig das Problem, dass zusätzlich Energie importiert werden muss. Da der Energieverbrauch höher liegt als die Energieerzeugung, ergeben sich erhebliche Probleme für die wirtschaftliche Entwicklung Serbiens.

Außer Russland kann kein Land in Europa wirklich Energieunabhängig sein. Serbien bezieht den Großteil seiner Energie vor allem aus Russland und ist damit im hohen Maße von den russischen Energieimporten abhängig. Die Qualität der Kohle reicht nicht aus, um ausreichend Energie zu produzieren und um sich aus dieser Importabhängigkeit von Russland lösen zu können. Zusätzlich gibt es erhebliche Probleme im serbischen Energieversorgungsnetz: Das Durchschnittsalter serbischer Kraftwerke liegt bei 30 bis 40 Jahren, woraus hohe Wartungs- und Umweltschutzkosten entstehen. Vor allem bei Gas zeigt sich die einseitige Abhängigkeit Serbiens von Russland, da Russland hier der einzige Lieferant ist. Bei eventuellen politischen oder technischen Problemen kann durch den langen Transportweg über die Pipelines kaum etwas unternommen werden, wodurch sich Serbien machtlos der Gasversogung ausgeliefert sieht.

Durch das NATO-Bombardement enstand für das serbische Energieversorgungsnetz ein Schaden von 700 Mio. Dollar, was bis jetzt noch nicht zurückerstattet wurde. Serbiens Strompreis ist der niedrigste oder wenigstens der zweitniedrigste Europas.

Nach den Präsentationen wurde die Möglichkeit, an der folgenden Diskussion teilzunehmen, reichlich genutzt.

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Veranstaltungsort

Belgrad

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Saša Hadžiahmetović

Saša Hadžiahmetović bild

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