Veranstaltungsberichte

Internationales Kolloquium „Religionsfreiheit heute in Europa“

von Gabriela Tibenská, Werner Böhler

zu Ehren der Adalbert-Preisträgerin Prof. Dr. Hanna Suchocka in Bratislava

Am 13. Juni 2015 nahm Prof. Dr. Hanna Suchocka, frühere Ministerpräsidentin der Polnischen Republik, den Internationalen Adalbert-Preis für Frieden, Freiheit und Zusammenarbeit in Europa aus den Händen des slowakischen Staatspräsidenten Andrej Kiska entgegen. Am Vortag veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Bratislava zusammen mit der Adalbert-Stiftung Krefeld (ASK) und der Comenius Universität Bratislava ein Internationales Kolloquium im Moyzes Saal der Comenius Universität in Bratislava mit dem Titel Religionsfreiheit heute in Europa.

Religionsfreiheit in Europa heute

Bratislava, 12. Juni 2015

Am 13. Juni 2015 nahm die ehemalige Ministerpräsidentin der Republik Polen, Frau Prof. Dr. Hanna Suchocka, den Internationalen Adalbert-Preis für Frieden, Freiheit und Zusammenarbeit in Europa aus den Händen des slowakischen Staatspräsidenten Andrej Kiska entgegen. Die Laudatio hielt Fürst Karl von Schwarzenberg, Außenminister a. D. der Tschechischen Republik.

Am Vortag, den 12. Juni 2015 veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Bratislava gemeinsam mit der Adalbert-Stiftung Krefeld (ASK) und der Comenius Universität Bratislava unter der Schirmherrschaft des slowakischen Staatspräsidenten zu Ehren der Preisträgerin ein Internationales Kolloquium im Moyzes Saal der Comenius Universität in Bratislava unter dem Titel Religionsfreiheit heute in Europa.

Die Veranstaltung, zu der rund 150 Teilnehmer kamen, darunter Parlamentsabgeordnete, Botschafter, Kirchenvertreter, Akademiker, Studenten und Mitglieder der Partnerorganisationen der KAS, wurde vom Rektor der Comenius Universität Prof. Karol Mičieta sowie Dr.Werner Böhler (KAS Bratislava) und Prof. Hans Süssmuth (Adalbert-Stiftung) eröffnet. Den einführenden Beitrag in Form eines Prologs hielt Frau Prof. Dr. Hanna Suchocka. Frau Suchocka nahm direkt Bezug auf ihren großen Landsmann Papst Johannes Paul II., der 1997 die Religionsfreiheit als das wichtigste Menschenrecht bezeichnete.

Dem Prolog folgte eine Podiumsdiskussion mit dem Dominikanerpater, Theologen und Publizist Tomasz Dostatni (Polen), Prof. Dr. Balázs Schanda, Katholische Péter-Pázmány-Universität, Budapest (Ungarn), Prof. Dr. Marek Šmid, Rektor der Universität von Trnava (Slowakei) sowie Dr. Pavel Vošalik, Vizeaußenminister a. D. und Botschafter der Tschechischen Republik am Heiligen Stuhl . Moderiert wurde die Diskussion vom verantwortlichen Chefradakteur der Tageszeitung Der Standard in Wien, Josef Kirchengast.

In den Beiträgen wurde immer wieder die fundamentale Bedeutung der Religionsfreiheit hervorgehoben. Die Erfahrung aus den totalitären Regimen zeige, so der tschechische Redner Dr. Vošalík, dass die Religionsfreiheit und die Gewissensfreiheit das prioritäre Ziel der totalitären Machtangriffe waren. In diesem Zusammenhang betonte Vosalik: „Der Angriff auf einen Teil der Menschen- und Freiheitsrechte ist jedoch immer auch ein Angriff auf die Freiheit als solche und ein Angriff auf die Würde des Menschen“. Weiter fügte er hinzu: „Obwohl heutzutage die Menschenrechte per Gesetz bis ins kleinste Detail geregelt werden, habe ich das Gefühl, dass wir das wichtigste Ziel außer Acht lassen, nämlich den Menschen selbst und seine Würde.“ Zum Thema Bewahrung der christlichen Wurzeln Europas meinte Dr. Vošalík, dass es nicht nur um eine Krise der Werte gehe, sondern auch um eine Krise der traditionellen Institutionen: der Kirche, der Religionen und des Staates. Den rechtlichen Aspekten der Religionsfreiheit und der Frage der Gewissensfreiheit und des Gewissensvorbehalts widmete sich der Rektor der Universität Trnava Prof. Šmid. Der polnische Redner Dostatni sprach von den neuen Mauern, die immer wieder unseren Kontinent teilen und nannte die Mauern der Aggression und Angst, Mauern, die aus einer ungenügenden Wahrnehmung der Menschenwürde entstehen, Mauern gegenüber den Migranten, Mauern gegenüber denen, die anders sind. Wir müssten lernen auf der Bank, auf der wir selbst sitzen, Platz auch für jemanden anderen zu haben. „Ich kann nicht alleine da sitzen, ich muss die anderen aufnehmen und sie mit deren Freiheit akzeptieren. Freiheit heißt nicht nur Freiheit für mich, sondern auch Freiheit für den Anderen.“ Auch weitere hochaktuelle Themen wie Versöhnung, Dialog und friedliche Konfliktlösungen wurden besprochen. Prof. Schanda aus Ungarn begann mit Worten vom Papst Benedikt XVI.: „In dieser Wüste der Abwesenheit Gottes verspürt die neue Generation einen großen Durst nach Transzendenz …“ und unterstrich, dass die neuen Herausforderungen nicht im Bereich der Rechte zu suchen sind, sondern im Bereich der Ontologie und wir sollten deshalb nach der verlorenen Sensibilität für die Religion und Gewissensentscheidungen suchen. In diesem Sinne äußerte sich auch die ehem. Präsidentin des Deutschen Bundestages Prof. Dr. Rita Süssmuth, die in ihrem Beitrag drei wichtige Aufgaben des Glaubens und der Religion unterstrich: Glaube als Quelle der Hoffnung und des Lebenssinnes auch in scheinbar hoffnungslosen Situationen, Glaube als Antwort auf die Frage nach dem Anfang des Kosmos und schließlich das wichtigste – Glaube als Botschaft de Liebe. Die einzelnen Themen und Fragen wurden weiter in einer Diskussion und in den darauffolgenden informellen Gesprächen vertieft.

Mit dieser Veranstaltung und der sich anschließenden feierlichen Preisverleihung an Prof. Dr. Hanna Suchocka wurde ein weiterer wichtiger Beitrag zum Dialog zwischen Staat, Kirche und der akademischen Welt geleistet. Damit fügte sich das Symposium in eine Reihe von Veranstaltungen des Büros der KAS in Bratislava ein, das in Zusammenarbeit mit der rechtstheologischen Fakultät der Universität Trnava bereits in zwei aufeinander folgenden Veranstaltungen das Thema Religionsfreiheit und Kirche in der Gesellschaft bearbeite. Es ist das Ziel des KAS-Büros in Bratislava und seiner Partner diesen Dialog zu fördern und Themen wie Religion, Kirche in der Gesellschaft, verfolgte Kirche, christliches Engagement der Laien, Religions- und Gewissensfreiheit in den gesellschaftspolitischen Dialog einzubringen.

Gabriela Tibenska, Dr.Werner Böhler, KAS Bratislava