Details
Am 06. Mai 2026 laden wir herzlich zu einer Lesung und anschließenden Diskussion mit der lettischen Schriftstellerin Inga Žolude ein. Der Abend wird moderiert von Gints Grūbe, lettischer Regisseur und Filmproduzent.
Ausgangspunkt des Abends ist Žoludes aktuelles Buch „Tēvs“ (Vater). Eines der zentralen Motive des Buches ist das Vergessen. Die Autorin rekonstruiert die Erinnerungen ihres an Alzheimer erkrankten Vaters sowie die ihrer Familie und verwebt sie auf eindrucksvolle Weise mit historischen Ereignissen der Sowjetunion und der Lebensrealität des Homo sovieticus. Die Schriftstellerin sucht nach Antworten auf Fragen des Erinnerns und Vergessens: Was machen Erinnerungen mit uns?
Was machen wir mit Erinnerungen? Was wählen wir bewusst und unbewusst aus, um es aus unserem Gedächtnis zu verdrängen? Wie beeinflussen individuelle Erinnerungs- und Vergessensprozesse die Gesellschaft als Ganzes – und umgekehrt? Wie prägen Individuum und Gesellschaft die im Laufe der Geschichte entstandenen Traumata?
Žoludes „Tēvs“ lädt dazu ein, Parallelen zwischen dem „Homo sovieticus“ und ostdeutschen Sozialisationserfahrungen zu ziehen und regt damit eine Reflexion darüber an, wie politische Systeme, Familiengeschichten und gesellschaftliche Narrative unser Gedächtnis formen und prägen.
Inga Žolude über ihr Buch:
„Dies ist ein Lebensroman, denn er erzählt die Geschichte meiner Familie. Meine zweisprachige lettisch-russische Familie wurde zum Gegenstand meiner Überlegungen in dem Versuch, die Wahrheit unter dem Schleier der Geschichte freizulegen, die vom aktuellen militärischen Konflikt hier in Europa überschattet wird. Bei der Erforschung der Familienerinnerungen waren mir viele davon nicht mehr zugänglich, da bei meinem Vater Alzheimer, die Krankheit des Vergessens, diagnostiziert wurde – eine Form der Demenz, die derzeit die am weitesten verbreitete Erkrankung ist und in Zukunft immer mehr Menschen weltweit betreffen wird. Es ist beängstigend zu erkennen, dass das Vergessen global werden wird, doch noch erschütternder ist die Erfahrung, wie innerhalb von nicht einmal hundert Jahren das historische Vergessen die durch den Totalitarismus verursachten Tragödien begraben hat.“
(www.dgramata.lv)*
Sprachen:
Lesung: Lettisch mit deutscher Übersetzung.
Diskussion: Simultanübersetzung Lettisch-Deutsch, Deutsch-Lettisch, Lettische Gebärdensprachdolmetschung
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bitte melden Sie sich an!
„Tēvs“ ist ein Roman von Inga Žolude, erschienen 2025 im Verlag „Dienas Grāmata“.
Die Veranstaltung wird vom Goethe-Institut Riga und Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert.