Event Reports

Studien- und Dialogprogramm für Vertreter von Arbeitgebern und Wissenschaft aus Südafrika

Inlandsprogramme der Adenauer-Stiftung

Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung ist in dieser Woche eine Delegation von Vertreter von Regierung, Unternehmen, Wissenschaft und gesellschaftlichen Organisationen aus Südafrika zu Gast in Erfurt und Berlin, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die Sozialpartnerschaft gestärkt und eine besser Einbindung aller von den Entscheidungen betroffenen Akteure in den Entscheidungsprozess erreicht werden kann. Das Besucherprogramm wurde vom Team Inlandsprogramme organisiert und wird von Herrn Dr. Holger Dix, Leiter des Auslandsbüros Südafrika der Konrad-Adenauer-Stiftung, begleitet.

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Die Delegation mit Dr. Dix traf heute den Stellv. Leiter der Hauptabteilung Europäische und Internationale Zusammenarbeit, Dr. Maier, die Leiterin vom Team Afrika, Frau Ostheimer, sowie die Länderreferentin Frau Lerch und Herrn Felters, Trainee in Vorbereitung für Südafrika, zum Gespräch.

Südafrika steht vor enormen sozio-ökonomischen Herausforderungen. Das Land zählt weltweit zu den Ländern mit der größten Ungleichheit bei der Verteilung von Vermögen und Einkommen, circa 50 Prozent der jungen Menschen sind ohne Arbeit, das Wirtschaftswachstum erreicht mit derzeit unter 2 Prozent nicht einmal die Hälfte des Wachstums, das für die Implementierung des nationalen Entwicklungsplans notwendig wäre. Häufige, monatelange Streiks in unterschiedlichen Sektoren, wie im Bergbau, der Post und in der Metallindustrie, verhindern ein höheres Wachstum. Offenkundig leidet das Land unter einem Scheitern der Sozialpartnerschaft, obwohl durchaus Institutionen zur Vermittlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen. Südafrikas Regierung selbst greift aktiv in die Tarifverhandlungen ein, der Dachverband der Gewerkschaften COSATU ist sogar Teil der Regierungskoalition. Allerdings sind sie Gewerkschaften zunehmend gespalten und stehen untereinander im Wettbewerb. Auf Arbeitgeberseite fühlen sich insbesondere die kleineren und mittleren Unternehmer bei den Tarifverhandlungen nicht ausreichend vertreten und häufig nicht im Stande, die Verhandlungsergebnisse umzusetzen.

Das vorliegende Studien- und Dialogprogramm für Vertreter von Regierung, Unternehmen, Wissenschaft und gesellschaftlichen Organisationen setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Sozialpartnerschaft gestärkt und eine besser Einbindung aller von den Entscheidungen betroffenen Akteure in den Entscheidungsprozess erreicht werden kann. Über die Regierungsarbeit sowie Netzwerke und Kommunikationskanäle der Wissenschaft, der Kirchen und der Unternehmensverbände sollen später die während des Informationsprogramms erhaltenen Erfahrungen und Anregungen in den südafrikanischen Diskurs um einen neuen Sozialpakt eingespeist werden. Dabei sollen insbesondere auch die in den neuen Bundesländern gemachten Erfahrungen beim Übergang von einem sozialistischen zum einem marktwirtschaftlichen System und die in Südafrika und Deutschland zeitgleich geführte Debatte um einen Mindestlohn aufgegriffen werden. Die Auswahl der Teilnehmer und Themen beruht auf der Annahme, dass es sich bei dem Konflikt in Südafrika keineswegs nur um die Austragung von Differenzen zu rechtlichen und ökonomischen Fragen geht, sondern die Lösung auch einen gesellschaftlichen Diskurs über Werte und leitenden Prinzipien erfordert, die den wirtschaftspolitischen Entscheidungen zugrunde liegen.

Dieses Programm ist Teil der Bildungsmaßnahmen des KAS-Länderprogramms Südafrika zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit, welche in Zusammenarbeit mit der nationalen Planungskommission Südafrikas durchgeführt werden.