Reportajes internacionales

Claudio Orrego Präsidentschaftskandidat der PDC Chile

de Winfried Jung

Präsident der PDC wertet Ergebnis als großen Erfolg

Mit 59,2 Prozent setzte sich der frühere Bürgermeister der Kommune Peñalolén bei den Urwahlen der Christdemokratischen Partei Chiles (PDC) am 19. Januar 2013 gegen seine Rivalin, die Senatorin Ximena Rincón, durch. An der Wahl beteiligten sich über 56.000 Personen: Mitglieder der PDC, aber auch Sympathisanten, die ebenfalls zur Wahl zugelassen waren. Wie die Partei inzwischen informierte, waren es am Ende mehr Sympathisanten als Mitglieder, die zur Wahl gingen.

Unabhängig davon wertete der Präsident der PDC, Senator Ignacio Walker, die Urwahlen und ihr Ergebnis als großen Erfolg. Walker sagte: „Dies ist ein Tag, um glücklich zu sein. Wir haben Geschichte geschrieben. Es ist das erste Mal, dass eine Partei seinen Präsidentschaftskandidaten wählt, dazu noch in einer sauberen und demokratischen Form“. Und der siegreiche Kandidat bedankte sich bei seinen Wählern mit den Worten: „Wir haben Historisches vollbracht, nicht nur das Kommando von Claudio Orrego, nicht nur die PDC. Mehr als 40.000 Personen (am Ende waren es mehr (siehe oben) dazu zu bringen, sich zu einem Zeitpunkt an Wahlen zu beteiligen, zu dem die Politik in Misskredit steht, zeigt, dass die Leute genug haben von schlechter Politik und schlechten Politikern“.

Claudio Orrego, 46 Jahre alt, Studium der Rechtswissenschaften an der Universidad Católica de Chile, ehemaliger Präsident der Studentenorganisation seiner Universität, wurde 1996 in den Gemeinderat der Kommune Peñalolén im Großraum Santiago gewählt. Unter der Präsidentschaft von Ricardo Lagos war er im Jahre 2000 neun Monate lang Minister für Wohnungsbau und öffentliches Vermögen. 2004 kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Peñalolén (ca. 350.000 Einwohner) und wurde auf Anhieb mit 47 Prozent der Stimmen gewählt. 2008 stellte er sich zur Wiederwahl und gewann erneut, dieses Mal sogar mit 58 Prozent. Schon früh erklärte er seinen Entschluss, für das Präsidentenamt zu kandidieren und formierte ein Wahlkampfteam, das seitdem unter dem Slogan „Chile traut sich“ aktiv ist.

Orrego, ähnlich wie seine Gegenkandidatin Ximena Rincón, 44 Jahre alt, 2009 in der Region Maule zur Senatorin gewählt, hat sich während des Wahlkampfs durch große Hartnäckigkeit ausgezeichnet. Bedeutende Teile der PDC, insbesondere etliche Parlamentarier, wollten keine Urwahlen, weil sie meinten, diese könnten der Partei im Falle einer Präsidentschaftskandidatur von Michelle Bachelet schaden. Die ehemalige Präsidentin Chiles (2006-2010) liegt als mögliche Kandidatin der Mitte-Links-Koalition der Concertación de Partidos por la Democracia in den Umfragen weiterhin unangefochten an der Spitze. Orrego wie Rincón führten dagegen ins Feld, dass sich die PDC erneuern müsse, personell wie inhaltlich. Beide repräsentieren mit ihrem Werdegang und Profil sehr gut diesen Erneuerungsprozess, den die Partei gegenwärtig durchmacht. Die hohe Wahlbeteiligung deutet darauf hin, dass dieser Kurs auch vom Wähler belohnt wird.

Orrego hat sich mit diesem Ergebnis eine gute Ausgangsposition verschafft für die Urwahlen innerhalb der Concertación, die mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im November für den 30. Juni angesetzt sind. Im Moment gehen alle politischen Beobachter davon aus, dass Michelle Bachelet spätestens im März offiziell ihre Präsidentschaftskandidatur ankündigen wird. Wenngleich im Moment nicht davon auszugehen ist, dass Orrego diese Wahlen gewinnen wird, so bringt er sich doch – quasi als second best – als Trumpfkarte für die Präsidentschaftswahlen des Jahres 2018 ins Spiel.

Orrego, der in der PDC für die traditionellen Werte des christlichen Humanismus steht, dürfte mit seinem Sieg vom 19. Januar 2013 die Position des Präsidenten der PDC, Senator Ignacio Walker, stärken, der bislang zu erkennen gegeben hatte, dass er für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stehen würde. Die nächsten Tage werden zeigen, ob er seine Entscheidung vielleicht doch noch revidiert. Am 17. März stehen Vorstandswahlen in der PDC an. Bislang musste man davon ausgehen, dass der nächste Parteipräsident der derzeitige Abgeordnete Aldo Cornejo sein würde. Der 57-jährige Rechtsanwalt ist seit 1990 mit einer Unterbrechung dem Kongress angehörend und war Bürgermeister der Hafenstadt Valparaiso von 2004 bis 2008. Hier scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein.

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