Der Zigarettenstummel fällt auf den nassen Asphalt des Rosenthaler Platzes, inmitten des Autolärms prasseln die Regentropfen auf den Asphalt. Martin guckt sich um und betritt anschließend das Café Oberholz. Als sich die Ladentür öffnet, duftet es nach frischem Kaffee und er betritt das gemütliche Café.
Martin ist 29 Jahre alt und arbeitet in der Politikberatung. Er ist ein Hipster - wie er sich selbst bezeichnet. Seinen richtigen Namen will er nicht verraten. Er spricht über Szeneviertel in Berlin, welche durch Investoren und reiche Leute zerstört werden. Gentrifizierung ist das Stichwort. Die Zerstörung von hippen Vierteln durch reiche Leute und Investoren, durch Mietsteigerungen und Verdrängung der Menschen mit weniger Geld. Seine Familie kommt von der Insel Föhr, auf welcher sich gerade eine ähnliche Situation anbahnt wie es auf Sylt bereits der Fall ist, nämlich unbezahlbare Immobilien. Auch seine Familie konnte sich es nicht mehr leisten auf der Insel zu wohnen und war gezwungen wegzuziehen. Dieselbe Situation spielt sich gerade mit vielen Vierteln in Berlin ab.
Das durch die Fenster hereinfallende Licht scheint in das gemütliche Café, in welchem es nur so von arbeitenden Leuten wimmelt. Trotzdem eine sehr wohltuende Atmosphäre. Es ist recht ruhig, da die meisten Kopfhörer tragen. An den Fenster fließen die Tropfen langsam herunter, im Hintergrund das Geschehen auf dem Rosenthaler Platz.
Martin denkt zwar nicht grundsätzlich negativ über die Gentrifizierung, für ihn ist es normal, sagt er. Aber er musste selber schon wieder aus seinem Stadtteil ziehen, da ihm die Mietpreise zu hoch waren. Er sagt, dass es abgesehen für die „Ureinwohner“, welche sich es dann nicht mehr leisten können dort zu wohnen, gut sei, da viele Shops, Kaffees aber auch Künstler, die das Viertel hip gemacht haben, davon profitieren. Außerdem fördere es die Kultur, da die reichen Leute, die in die hippen Viertel ziehen, und dann auch in die Kunst und Kultur, die dort geschaffen wird, investieren. „Dadurch wird die Wirtschaft in Schwung gebracht“, sagt er.
Immer wieder guckt Martin raus und betrachtet das Geschehen anmutig. Es wird dunkler und ein Geruch von Zigaretten dringt in den Raum. Martin atmet, holt tief Luft und lehnt sich zurück. Mit einer kurzen Handbewegung rückt er seine Brille zurecht.
„Die Investoren, die zwar nicht in die Viertel ziehen, aber Wohnungen aufkaufen und die Miete steigern, blasen die Immobilienblase leider stark auf“, sagt Martin. In vielen Städten auf der ganzen Welt gebe es immer wieder Immobilienblasen, entscheidend sei, wie sie platzen, berichtet er nach einer kurzen Gesprächspause. Wenn sie von einem auf den anderen Moment platzen treibt es viele Menschen in den Ruin, wenn sie aber nur langsam platzen blieben die Mietpreise sehr lange sehr hoch, und das Viertel verliert für eine Zeit an Lebensqualität wie es auch in Stuttgart der Fall ist.
Er verlässt das Café, es hat aufgehört zu regnen. Die Luft vermischt mit dem Geruch von Regen und Benzin ist angenehm warm. Martin geht die Treppe herunter und steht am leicht verdreckten Bahnsteig der U-Bahn. Es stinkt nach Kotze, in der Ecke liegt ein Obdachloser auf dem Boden, von welchem offenkundig der Gestank ausgeht. Vielleicht ist auch er ein Opfer der Gentrifizierung?!
Von Matthias Schmickler