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„Haltung haben“ heißt, die eigene Lebenssituation und die gesellschaftlichen Bedingungen zu reflektieren, ihr historisches Gewordensein zu verstehen und beides zueinander in Beziehung zu setzen.
„Haltung“ bleibt dabei nicht im Bereich des Meinens: Sie wirkt sich in Entscheidungen aus, sie zeigt sich in dem, wofür man einsteht, was man unterstützt und wogegen man ist. Genau hier entsteht die Spannung zur Neutralität: Wenn Haltung Verantwortung und Parteinahme verlangt, erscheint politische Neutralität weniger als wertfreie Position denn als Entscheidung, sich nicht festlegen zu wollen. Folgt daraus zwingend Haltungslosigkeit, oder ist es nicht vielmehr der Versuch, sich den Zumutungen von Parteinahme zu entziehen unter Ausblendung der Folgen des eigenen Nicht-Handelns? Wie wird aus reflektierter Urteilskraft Verantwortungsübernahme und wann schlägt Nachdenken in gesellschaftliches Handeln um?