Présentations & compte-rendus

Inflation - Die stille Enteignung

Von Ursachen und Folgen der Inflation und ihrer Bekämpfung

Expertengespräch zu Problemen der Inflation
Gunther Schnabl, Leipzig https://mobile.twitter.com/guntherschnabl
Prof. Gunther Schnabl, Ökonom, Universität Leipzig

Das Thema Inflation ist komplex und enthält Sprengkraft. Denn die Geldentwertung durch hohe Inflationsraten trifft nicht nur Sparer und Rentiers in besonderer Weise, sondern kann auch das Vertrauen in die Währung und Funktion des Geldes generell in Frage stellen. Diesbezüglich wirkt bis heute ein deutsches Trauma aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts in gewissem Maße nach.

Grund genug, um mit zwei ausgewiesenen Experten das Problem zu diskutieren, was das Politische Bildungsforum Brandenburg unter der Moderation von Moritz Uhlig (Wiss. Referent) am 28. Juni 2022 im Rahmen einer digitalen Veranstaltung in Angriff nahm. Diskutanten waren Professor Dr. Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig, der in einem Powerpoint-Vortrag, der hier auf dieser Seite zugänglich ist, Ursachen, Formen, Folgen von Inflation sowie geeignete Gegenmittel behandelte, während Professor Dr. Elmar Nass vom Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften der Kölner Hochschule für Katholische Theologie das gesellschaftliche Konfliktpotential auslotete.

Bei den Ursachen für die nach vielen Jahren der Stabilität auf über sieben Prozent in Deutschland und im Euro-Raum stark ansteigende Inflation geht der Blick auf die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die anhaltende Staatsschuldenkrise (teilweise Staatsfinanzierung durch die EZB, Prof. Schnabl) und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die durch die akuten Krisen der Corona-Pandemie und des Krieges Russlands in der Ukraine belastet sind. Die Folgen zeigen sich je länger desto mehr in negativen Wachstumseffekten und einer negativen Umverteilung von den Sparern hin zu den Schuldnern, auch staatlichen Schuldnern, von den kleinen und mittelständischen Unternehmen hin zu den Großunternehmen, die oft besser auf Inflation reagieren können, von der Mittelschicht zur Oberschicht, von den Jungen zu den Älteren, die bereits Immobilien oder andere Sachwerte besitzen, vom Norden in den Süden Europas. Diese vielschichtige Umverteilung birgt gesellschaftliches und zwischenstaatliches Konfliktpotential in sich, das die politische Stabilität gefährdet.

Mit einer Weiterführung der expansiven Geldpolitik der vergangenen Jahre, zunehmenden planwirtschaftlichen Strukturen, einer weiter steigenden Verteilungspolitik bei gleichzeitig weicher Währung, sei der Inflation nicht beizukommen, waren sich die beiden Experten einig. Es bedürfe einer Umsteuerung der Geldpolitik der EZB (Zinserhöhungen), haushalterischer Stabilitäts- und Reformpolitik gegen die ausufernden Schulden auch zur Finanzierung der Rettungspolitiken in den aktuellen Krisen und vielleicht sogar einer stabilitätsorientierten Parallelwährung im nördlichen Euro-Raum, wenn der Euro insgesamt diese Stabilität nicht mehr gewährleiste, so zumindest Prof. Schnabl. Dass es jedoch in der Wirtschaftswissenschaft auch andere mehr an weiteren Ausgaben orientierte Alternativlösungen gebe, kam ebenfalls zur Sprache. Letztlich ist es eine politische Entscheidung, wie man mit Inflation umgehe.

In der Diskussion mit den Teilnehmern wurden weitere interessante Fragen gestellt, etwa warum trotz sehr expansiver Geldpolitik im Euro-Raum lange Zeit der Geldwert stabil geblieben sei, wie der Wertverlust des Euro gegenüber dem US-Dollar z bewerten sei, wie mit der durchaus unterschiedlichen Inflationsmessung umgegangen werde und wie das faktisch ausgeweitete Mandat der EZB zu kontrollieren oder zu begrenzen sei. Deutlich wurde, dass eine anhaltend hohe Inflation wirtschaftlich und politisch eine Vielzahl von Problemen mit sich bringt.   

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