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Premierminister Beji Caid el Sebsi eröffnet Africa Media Leadership Forum (AMLF) in Tunis

Mit Lob für die Arbeit der KAS hat der tunesische Premierminister Beji Caid el Sebsi (Foto) das von der Stiftung mitveranstaltete African Media Leaders Forum in Tunis eröffnet. Der führende Medien-Marktplatz des Kontinents fand dort in der vergangenen Woche statt. Lesen Sie dazu den Bericht von Markus Brauckmann, Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika.

Das Gesicht des tunesischen Premierministers strahlte bei der Vorstellung des Vertreters von KAS Medien Afrika. „Die Konrad Adenauer Stiftung kenne ich doch“, sagte Beji Caid el Sebsi, der einst Botschafter in Bonn war, und lobte: „Ihr macht gute Arbeit“. Im Mai 2011 entsandte die Stiftung Klaus Lötzer als Länderbeauftragten nach Tunesien – jetzt war zusätzlich das Regionale Medienprogramm Subsahara-Afrika vor Ort und unterstützte nachhaltig das alljährliche African Media Leaders Forum (AMLF).

Der führende Medien-Marktplatz des Kontinents fand diesmal vom 9. bis 11. November 2011 in Tunis statt, der „Hauptstadt des arabischen Frühlings“, wie ein Medienschaffender bemerkte.

Trevor Ncube, Aufsichtsrat des Veranstalters und KAS-Partners African Media Initiative (AMI), nahm den Ball bei der Begrüßung auf: „Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir uns jetzt und hier in Tunis treffen?“ Premierminister Beji Caid el Sebsi ergänzte in seiner Einleitung und der folgenden Fragestunde, dass die Medien eine wichtige und kritische Rolle in Tunesien spielen. Als Politiker müsste man dies aushalten können, „auch wenn ich finde, dass die Journalisten nicht immer Recht haben“. Eine mündige Presse, so stellte er klar, sei besser als gar keine. Etliche Kamerateams drängelten sich, um die Rede des Premiers zu filmen, die im tunesischen Fernsehen gezeigt wurde. Insgesamt hatten sich mehr als 350 Teilnehmer aus 48 Ländern im Plenum versammelt, eine Rekordbeteiligung im vierten Jahr des AMLF.

Zuvor hatten AMI und KAS Medien Afrika jahrelang konkurrierende panafrikanische Medienkonferenzen organisiert bzw. unterstützt. Im Frühjahr 2011 verständigten sich beide Organisationen unter der Leitung von Amadou Mahtar Ba (AMI) und Markus Brauckmann (KAS Medien Afrika) darauf, die Kräfte zu bündeln und unter dem Banner des African Media Leaders Forum eine gemeinsame Veranstaltung für private Medienbesitzer und Top-Entscheider auszurichten. Die Ziele sind klar definiert: Die Entwicklung der Medien im Kontext der Demokratisierung zu befördern; den Austausch zwischen regionalen Akteuren möglich zu machen bzw. zu stärken; relevante (Zukunfts-)Themen wie z.B. die Digitalisierung stärker im Denken und Handeln zu verankern; die soziale Marktwirtschaft und finanziellen Herausforderungen der Medienbesitzer zu erörtern sowie Lösungswege aufzuzeigen; die inhaltlichen Prioritäten von KAS Medien Afrika einem größeren Publikum zugänglich machen, und schließlich: mit dem Fallbeispiel Tunesiens die Teilnehmer aus den Medien zu inspirieren.

Versammelt hatten sich als Zielgruppe in erster Linie private Medienbesitzer sowie Top-Experten und führende Vertreter der Medien-Entwicklungszusammenarbeit, darunter u.a.: Trevor Ncube (Verleger, „Mail&Guardian“), Kim Norgaard (Bureau Chief CNN, Africa), Eric Chinje (Weltbank), Said Ali Laswad (The Tripoli Post) und Emna Ben Jemma (tunesische Bloggerin). Die Teilnehmer kamen aus allen Teilen Afrika, insbesondere auch den französischsprachigen Ländern. Die Veranstaltung wurde komplett in beide Sprachen übersetzt und wurde so ihrer regionalen Rolle eindrucksvoll gerecht. Inspiriert vom arabischen Frühling lautete der Originaltitel der Konferenz „What future for traditional media?“ und ein Fokus lag folglich auf der Rolle von sozialen Medien und der Partizipation des Bürgers am Medien- und Kommunikationsprozess.

Am ersten Tag trafen sich alle Teilnehmer im Plenum, um übergreifende Schlüsselthemen in Form von Debatten zu diskutieren. Die Fragestellungen reichten von „Sind traditionelle Medien noch relevant?“ über mobile Technologie bis zur Zukunft von Werbeerlösformen – allesamt im Vorfeld sorgfältig von den Machern von AMI und KAS Medien Afrika mit Blick auf die Bedürfnisse der Medienbesitzer ausgewählt.

Zusätzlich stellte Amadou Mahtar Ba von AMI die Zukunftsinitiative „African Innovation News Challenge“ vor, der sich u.a. das US State Department, Google und KAS Medien Afrika als Geldgeber angeschlossen haben. Mit einer Million Dollar werden 10 innovative/digitale Pilotprojekte in afrikanischen Redaktionen unterstützt. Bewerben können sich kleine Medien genauso wie große Konzerne. Die Sieger werden beim nächsten AMLF 2012 bekannt gegeben.

Lange hatten AMI und KAS Medien Afrika im Vorfeld über dem Format des Events gegrübelt. Das Ergebnis: Am zweiten Tag teilten sich die Teilnehmer in drei verschiedene Fachdisziplinen (sog. „Streams“) auf. Zur Auswahl standen „Erlöse und Geschäftsentwicklung“, „Medientechnologie und Innovation“ sowie „Ethik und Führung“. Im Baukastenprinzip bestand jedes dieser drei Schlüsselthemen aus vier Arbeitssitzungen, bei denen Experten ihre Kenntnisse, Einsichten und Erfolge mit den Anwesenden teilten. Alle Überlegungen ordneten sich jeweils der Kernfrage unter: Wie kann privaten Medienbesitzern geholfen werden, damit sie ihre Rolle im Kontext der Demokratisierung spielen können? Diese Sessions zeichneten sich vornehmlich durch ihren praktischen Ansatz aus. Ein Fallbeispiel: Tim Legg, erfolgreicher Betreiber mehrerer Internet-Portale und Arbeitgeber von dreißig Journalisten in Johannesburg, demonstrierte Schritt für Schritt anhand seiner Erfahrungen, wie man mit Online-Journalismus konkret Geld verdient und die Existenz von Medien sichert.

Die intensiven Sitzungen erlaubten dem Regionalen Medienprogramm der Konrad-Adenauer-Stiftung gleichsam in einem sorgsam aufeinander abgestimmten Ansatz, seine im Lauf des Jahres propagierten Programmziele voranzutreiben und den Entscheidern vor Ort kontinuierlich näherzubringen. Drei Themen seien hier examplarisch genannt: Justine Limpitlaw, Autorin des KAS-Projekts „Media Law Handbook for Southern Africa“, trat zweimal auf und erörterte die zentralen medienrechtlichen Herausforderungen in der Einsatzregion. Markus Brauckmann von KAS Medien Afrika leitete die Sitzung zur Zukunft des Fernsehens – vor dem Hintergrund seines Engagements für Web TV/Politische Kommunikation 2.0 in Subsahara-Afrika. Schließlich diskutierte Chris Roper, Online-Chefredakteur des „Mail&Guardian“, inwieweit der Investigative Journalismus und andere Premium-Inhalte im 21. Jahrhundert entsprechend refinanziert werden können.

Die Abschlussveranstaltung der Konferenz brachte alle Teilnehmer nochmals im Plenum zusammen und ruhte auf zwei Säulen. Zunächst sprach Mo Ibrahim, erfolgreicher und bekannter Geschäftsmann aus der Einsatzregion sowie Vorbild für viele (Medien-) Unternehmer in Afrika, zu den Teilnehmern. Seine Mo Ibrahim Foundation gehörte neben Organisationen, wie z.B. der Bill and Melinda Gates Foundation und der African Development Bank, zu den weiteren Sponsoren des Events. Er lobte das AMLF als richtungweisend: „Euer Zusammenhalt ist wichtig und er beschützt Euch.“ Er rief die Medienbesitzer dazu auf, dem politischen und ökonomischen Druck zu widerstehen und das „mit Selbstbewusstsein“.

Am Ende wurde die AMLF-Deklaration von Tunis 2011 verabschiedet. In diesem Dokument wird nicht nur der Konrad-Adenauer-Stiftung ausdrücklich für ihre konstruktive Rolle gedankt – sondern die Autoren identifizieren in erster Linie die Herausforderungen der Zukunft für die afrikanischen Medien, darunter: Erlöse und Mittelflüsse für Medienhäuser sichern, gute Regierungsführung ermutigen, mehr Stories aus Afrika für Afrika generieren und die Rolle der traditionellen Medien auf dem Kontinent stärken und (digital) ausbauen.

Apropos digital: Die Veranstaltung wurde von einem hauseigenen Nachrichtenteam begleitet, das seine aktuelle Berichterstattung auf amlfnews.org veröffentlichte, allen örtlichen Internet-Widrigkeiten in Tunis zum Trotz. So gab es neben den Internet-„Klassikern“ Twitter und Facebook auch Videos auf YouTube, Audio-Mitschnitte auf soundcloud.com, Fotos auf flickr.com und Konferenz-Präsentationen auf „slideshare“. Eine Buch-Publikation zum AMLF ist für das erste Quartal 2012 geplant.

Am Ende zog Amadou Mahtar Ba vom Veranstalter AMI ein positives Fazit und berief sich dabei auf das Feedback seitens der Teilnehmer. (Siehe auch etliche dieser Reaktionen im KAS-Video zur Konferenz.) Er lobte zudem ausdrücklich KAS Medien Afrika: „Die AMLF hat sich unbestritten als das führende Treffen auf dem Kontinent etabliert. Dieses Wachstum und dieser Erfolg wäre ohne die Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung nicht denkbar.“ Markus Brauckmann stimmt zu: „Die Kooperation hat ihre wesentlichen Ziele allesamt nicht nur erreicht, sondern auch übertroffen. Wir freuen auf das AMLF 2012.“

>> Medienprogramm Subsahara Africa

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