Veranstaltungsberichte

"Ich wollte es schaffen, Menschen zu begeistern"

Der Unternehmer Dieter Reitmeyer zu guter Unternehmensführung

Dieter Reitmeyer ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der redi-Group, eines international operierenden Dienstleisters für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Autoindustrie. 2008 erhielt er den „Vision Award“ als vorbildlicher sozialer Unternehmer. Über sein Rezept für eine gute Unternehmenskultur sprach er bei der Gesprächsreihe „Soziale Marktwirtschaft: Garant für wirtschaftlichen Erfolg und Stabilität“ in der Konrad-Adenauer-Stiftung.

„Früher habe ich kranke Unternehmen wieder fit gemacht, indem ich Strukturen verschlankt, Prozesse optimiert und Menschen entlassen habe, um Gewinne zu erzielen“, sagte Dieter Reitmeyer. Dabei habe er eine lange Blutspur hinterlassen, bevor er etwas grundlegend anders machen wollte, so der Unternehmer. „Ich wollte es fortan schaffen, Menschen durch gute Führung zu begeistern, denn Menschen, die vernünftig geführt werden, wollen sich in einem Unternehmen zuhause fühlen und bringen es voran.“

Daher habe redi ein hohes Maß an Transparenz geschaffen, die Vorstandsgehälter offengelegt und eine Gewinnbeteiligung eingeführt. „Denn wenn ich die Guten nicht belohne, bekomme ich auf Dauer ein Problem als Unternehmer.“ Im Lauf der Jahre habe er jedoch festgestellt, dass die Soziale Marktwirtschaft neben all ihren Vorzügen auch einen Haken habe, weil sie in guten Zeiten dazu verleite, faul und bequem zu werden. „Aber die Konkurrenz in China und anderswo schläft nicht. Daher müssen wir etwas Besondere schaffen, um Arbeitsplätze hierzulande zu erhalten.“

„Reitmeyer unterstellt jedem, dass er was kann“, sagt Dr. Petra Bahr. Das sei eine Grundhaltung dem Menschen gegenüber, die man auf einer Universität nicht lerne, so die Kulturbeauftragte des Rates der EKD und ehemalige Unternehmensberaterin. Der intensive Austausch mit den Mitarbeitern, wie Reitmeyer ihn lebt, beflügele den gemeinsamen Fortschritt. „Denn der Grad an Einsamkeit unter Managern etwa sorge dafür, dass Fehler gemacht werden, weil der Meinungsaustausch in einem Unternehmen als kritisches Korrektiv fehlt.“ Ein Mangel am nötigen Maß emotionaler Intelligenz im Umgang mit Menschen sei ein häufiges Problem.

In einer globalisierten Welt müsse der Konter ‚Entwicklung‘ heißen, um mithalten zu können und jeden Tag müsse jeder von uns ein bisschen schlauer werden, fordert Reitmeyer, auch wenn er einräumt: „Eine Philosophie real werden zu lassen, ist schwer, denn nichts kostet mehr Kraft, als sich selbst in den Hintern zu treten.“