Agnes Neuhaus (geb. Morsbach)

Sozialpolitikerin, Reichstagsabgeordnete 24. März 1854 Dortmund 20. November 1944 Soest

Agnes Neuhaus begann um die Jahrhundertwende in Dortmund in einem kleinen Kreis von Frauen mit fürsorgerischer Arbeit zur Hilfe für gefährdete Jugendliche. 1899 gründete sie den Verein vom Guten Hirten, den späteren Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder, anschließend Ortsvereine, die von ehrenamtlichen Frauenvorständen verantwortet wurden und mit Fachkräften zusammenarbeiteten. 1917 kam es zur Gründung einer eigenen Wohlfahrtsschule für die Ausbildung von Fachkräften (heute Anna Zillken Schule, Dortmund). 1919 umfasste der Verein 112 Ortsgruppen und 40 Zufluchtshäuser für Frauen und Mädchen. Als Abgeordnete des Reichstages nahm sie großen Einfluss auf das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1924 mit dem darin festgeschriebenen Subsidiaritätsprinzip. Während des Dritten Reiches wurden die Träger der Freien Wohlfahrtspflege - auch der Katholische Fürsorgeverein - immer mehr aus der Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen herausgedrängt. Nach dem Krieg fanden viele Grundgedanken der Fürsorgepolitik, für die Neuhaus gekämpft hatte, Eingang in das Bundessozialhilfegesetz (1961). Heute lebt der von Neuhaus gegründete Verein im Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), einem Frauen- und Fachverband im Deutschen Caritasverband, fort.

Monika Pankoke-Schenk

Lebenslauf

  • Töchterschule in Dortmund
  • 1866–1870 Pensionat in Haselünne und Carignan/Sedan
  • 1877-78 Hochschule für Musik in Berlin
  • 1878 Heirat (seit 1905 verwitwet)
  • 1919-20 Mitglied der Deutschen Nationalversammlung (Zentrum)
  • 1920–1930 Mitglied des Reichstages

Veröffentlichungen

  • M. Pankoke Schenk, in: ZGiLB 4 (1980)
  • A. Wollasch: Der katholische Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder 1899 1945 (1991)
  • Dies., in: NDB 19 (1999)

Literatur


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